27.01.2016
Johannes Haas

Immobilien-Dialog Büromarkt Frankfurt am Main

Auch die „Dickschiffe“ reagieren flexibel auf neue Nutzeranforderungen

Zu Beginn des Tages waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin einig, dass der Frankfurter Büromarkt gut da steht.

Bild: Heer Dialog GmbH

„Frankfurt ist ein liquider Markt, die Bankenhochburg Europas“, so Nico Keller von BNP Paribas Real Estate.   

In der von Dr. Thomas Beyerle, Catella Property Valuation, moderierten Diskussionsrunde, wurde insbesondere über die Fragen gesprochen, ob Banken auch weiterhin die derzeitige Bedeutung am Büromarkt haben oder andere Branchen einspringen müssen. Peter Riedel vom Fintech-Start-up Debitos wünscht sich bessere Anreize durch Vermieter: bezahlbare Mieten, kurze Vertragslaufzeiten und idealerweise einen leichteren Zugriff auf digitale Infrastrukturen. Da dies in Frankfurt nur schwer zu bekommen sei, würden hier nur etwa 1.000 Arbeitnehmer in Start-ups tätig sein. Deutschlandweit sind dies rund 19.000. Daher, so Christian Lanzer von JLL, seien diese Unternehmen als Nachfrager derzeit noch nicht spürbar.

Dass sich dies aber schnell ändern kann, wurde von Martin Kuppinger, Principal Analyst bei KuppingerCole, klargestellt. Blockchain werde alle Branchen grundlegend verändern und zum Abbau unzähliger Arbeitsplätze führen. Honduras führe beispielsweise ein Blockchain-basiertes Grundbuch ein. Eine Tür könne künftig verschlossen bleiben, wenn die Miete nicht pünktlich bezahlt wurde. Hierzulande sei derzeit vieles rechtlich nicht umsetzbar, doch „Recht folgt Realität – mit Abstand – aber es folgt“, so Kuppinger.

Wie man aber schon heute flexibel auf die individuellen Bedürfnisse neuer Nutzer eingeht, zeigte Roland Holschuh, Vorstandsmitglied der Commerz Real am Beispiel des „Eurotheum“. Nach Ende der Umbauarbeiten werden bis zu 45 verschiedene Mieter auf Flächen ab 240 Quadratmeter neue Büroräume finden. Er glaube zwar noch immer an den Großnutzer, aber erschließe mit diesem Modell zahlreiche neue Zielgruppen. Auch den größeren organisatorischen Aufwand scheue er nicht, da dies durch weniger Leerstand leicht wett zu machen sei.

Am Ende des Tages stand fest, dass der Nutzer von heute, morgen nicht verschwinden wird. Doch muss man davon ausgehen, dass die klassischen Großmieter wie Banken und Versicherungen weniger werden. Stadt, Wirtschaftsförderung und IHK müssen also frühzeitig Anreize schaffen, um neue Branchen in die Mainmetropole zu locken.

Die „Dickschiffe“ der Immobilienbranche müssen ihr Bestes tun, um neuen Nutzern flexiblere und serviceorientiertere Angebote machen zu können.

Der Autor
Johannes Haas
Projektleiter
Heuer Dialog GmbH