Regionen-Dialog

Metropolregion München - Herausforderung Wachstum

Wachstum, Wachstum, Wachstum: Wie kann der Siedlungsdruck in der Metropolregion München bewältigt werden? - Immer mehr Menschen ziehen in die Metropolregion München. Die Städte und Gemeinden profitieren von dieser Entwicklung, sie haben aber auch gemeinsame Aufgaben zu lösen, wie zum Beispiel den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, verkehrliche und infrastrukturelle Engpässe oder die Beeinträchtigung der Landschaft durch die notwendige Flächeninanspruchnahme. Wie kann die räumliche Entwicklung besser abgestimmt werden, welche Bilder können für eine erfolgreiche Zukunft der Metropolregion München entwickelt werden?

Information

München übt eine unglaubliche Sogwirkung auf ganz Deutschland und Europa aus. Die Wirtschaft boomt. In den letzten 15 Jahren sind mehr als 300.000 Menschen zusätzlich nach München gekommen. Der Wohnungsmarkt ist zum Zerreißen gespannt. Doch lassen sich die Kommunen außerhalb Münchens nur ungern unter Siedlungsdruck setzen. Keine Kommune kann die Probleme jedoch alleine lösen. Die eigenen Hausaufgaben werden zu gemeinsamen. Wie kann mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der Bevölkerung ausreichend Infrastruktur und Wohnraum gegeben werden? Gemeinsam ist auszuloten, wie gleichzeitig die hohe Lebensqualität erhalten und trotzdem Raum für neue Entwicklungen geschaffen werden kann.

Die Metropolregion München ist eine der wenigen Regionen in Deutschland, die aktuell mit einem Bevölkerungswachstum und dem daraus resultierenden hohen Siedlungsdruck umgehen muss. Aus diesem Grund initiierten der Europäische Metropolregion München e.V., die Landeshauptstadt München sowie Stadt und Landkreis Rosenheim die Veranstaltung

Regionen-Dialog
Metropolregion München - Herausforderung Wachstum

am 15. Oktober 2014 in Rosenheim.

Ziel war es, mit regionalen Entscheidern und überregional erfahrenen Experten, gemeinsam Lösungen aufzuzeigen und zu diskutieren, welche räumlichen Zukunftsbilder zu einer nachhaltigen Entwicklung der Metropolregion München beitragen können. Eingeladen warenFlächeneigentümer, Fachleute, Politik, Projektentwickler und Investoren. Wie kann die Schnittmenge gemeinsamer Interessen und die Heterogenität im Hinblick auf weniger nachgefragte Kommunen bearbeitet und sinnvoll ausgeglichen werden? Ist eine gemeinsam entwickelte Zukunftsvision die Antwort? Welche Rollen spielen dabei die Ausweisung von Wohnbau- und Gewerbeflächen sowie der Erhalt von Natur und Landschaften? Was ist auf dem Weg zur Sicherung von Lebensqualitäten für alle zu berücksichtigen? Dabei geht der Blick auf Erfahrungen aus Nachbarländern und anderen Regionen.

Eine Zusammenfassung der Veranstaltung finden Sie hier:

Wachstumsdruck in der Metropolregion München: „Wir beginnen, anders zu denken“

Plenum Metropolregion München - Herausforderung Wachstum, 15. Oktober 2014 in Rosenheim    „Wo ist eigentlich das Problem?“ fragte Prof. Dr. Ilse Helbrecht von der Humboldt-Universität zu Berlin die rund 250 Kommunalpolitiker, Stadtplaner und Vertreter der Immobilienwirtschaft kurz vor Ende des Kongresses. Die Frage der gerechten Verteilung von Wachstum in der Metropolregion München war das Thema der von Europäische Metropolregion München (EMM) e.V., Landeshauptstadt München und Stadt und Landkreis Rosenheim initiierten ersten Plattform dieser Art. Mit reinen Wachstumsmeldungen jedenfalls, so Münchens Oberbürgermeister und Vorsitzender des EMM e.V. Dieter Reiter in seiner Begrüßung, könne man keine Euphorie mehr auslösen. Vielmehr müsse man den Menschen auch die positiven Merkmale des Wachstums nahebringen. Und die negativen Auswirkungen? Wie an diesen arbeiten in einer Region, der es an sich sehr gut geht?

„Sie müssen einen Entwurf aufzeigen, was passiert, wenn nichts passiert“, so der österreichische Organisationsentwickler Dr. Reinhard Tötschinger. OB Reiter: “Ich werde die verschiedenen Partner aus dem Umland zu einer regionalen Wohnungsbaukonferenz einladen, um den laufenden Dialog fortzusetzen. Wir müssen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten, gerade was die Themen Wohnungsbau und Infrastruktur angeht. Nur gemeinsam können und werden wir die Herausforderungen der Zukunft unserer Region meistern.“ Er verdeutlichte, dass die Region sich polyzentraler entwickeln müsse, beispielsweise brauche man mehr tangentiale Verkehrsverbindungen. Es gebe in Europa kein Schachterldenken mehr, sondern es werde in Räumen gedacht. Er sei wild entschlossen, auf Augenhöhe mit den Akteuren der Region zusammenzuarbeiten. Auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer plädierte energisch für eine gemeinsame Anstrengung: „Wir müssen durch kluge raumplanerische Steuerung die Überhitzungseffekte steuern“. Regionale Egoismen stünden dem teils im Weg.

Wo ist eigentlich das Problem? Prof. Helbrecht stieg mit dieser Frage in ihre Analyse der Diskussion ein. Für sie sei im Laufe des Tages klar geworden: Es mangelt weder an Expertise und Konzepten der Regionalentwicklung noch gibt es ein organisatorisches Problem. Die Schwierigkeit bestehe auch nicht darin, dass es der Region „noch zu gut“ gehe. Sondern man zögere, sich an die Verteilung der Zumutungen und Belastungen heranzuwagen. Denn wenn die Region wachse, gebe es eben nicht nur Früchte und Gewinne zu verteilen. Es gehe hier um harte Entscheidungen und auch um Verlierer bei Fragen wie “Wer bekommt die Kläranlage und wem wird doch Grünfläche weggenommen werden müssen?”. Regionalentwicklung tue auch weh.

Helbrecht gab den Teilnehmern mit auf den Weg, diese Probleme auch sprachlich klar zu benennen und deutlich zu erklären, dass es auch Zumutungen, Belastungen und Umweltstress gebe. Man müsse offen über das politische Thema der Verteilung sprechen. Erst dann könne ein ehrlicher Konsens über die Ziele entstehen und darauf aufbauend eine politische Entscheidung, nach welchem Verteilungsmodell Wachstum organisiert werde. Ihr Denkangebot, um solch ein Modell erarbeiten zu können: „Die Verteilung von Rechten und Pflichten, von Lasten und Früchten nach dem Prinzip von Gerechtigkeit im Sinne der Fairness.“ Eine auf diesen Prinzipien aufbauende Planung werde immer damit enden, dass auch die Schwächsten profitieren.

Für Münchens Stadtbaurätin Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk stoßen zwei Ziele in der Metropolregion München in vielen Gesprächsrunden auf großen Konsens. Dies seien die Wertigkeit und Erhaltung der Landschaft und die Mobilität. Hier herrsche große Einigkeit in der Region und auch die Menschen stünden hinter diesen Themen.Auch sie sprach sich für einen gemeinsamen Plan in der Metropolregion aus und dafür, auch die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen. Denn die Motoren der deutschen Wirtschaft seien nun einmal die Metropolregionen.

Prof. Dr. Alain Thierstein von der TU München fasste die Werkstattberichte aus vielen Regionen Europas, die den Teilnehmern konkrete Erfahrungswerte vermittelten, zusammen: Er sehe, dass es Kreativität in der Herangehensweise brauche, Kommunikation langfristig aufgebaut werden müsse, Geduld und Kontinuität genauso nötig seien wie Schnelligkeit und Entschlossenheit. „Make no little plans“, so sein Fazit. Und er stellte in den Raum, ob nun der Zeitpunkt gekommen sei, sich an ein gemeinsames Zukunftsbild für die Metropolregion heranzuwagen. Der Partner, der hierzu dringend benötigt werde, sei ganz klar auch der Freistaat. Die Landespolitik könne durch Anreize und finanzielle Unterstützung sinnvolle Projekte mit anstoßen.

Konsens über gemeinsame Ziele zu erlangen wird den EMM e.V. und seine Mitglieder aus Politik und Planung in den kommenden Monaten umtreiben. Die Begeisterung für gemeinsame Projekte wird darauf aufbauen. Dabei wird der Spagat zwischen kommunaler Selbstverwaltung und regionaler Verantwortung bewältigt werden müssen. Oberbürgermeisterin Bauer benannte die Aufbruchsstimmung, die auch Moderator Thierstein konstatiert hatte: „Wir beginnen anders zu denken und das erwarten die Menschen auch von uns“. Das Verständnis, dass die Region gemeinsam zupacken muss, war im Laufe der Veranstaltung deutlich wahrnehmbar.
Dieter Reiter, Oberbürgermeister Landeshauptstadt München, Vorstandsvorsitzender Euopäische Metropolregion München e.V.  
Prof. Dr. Ilse Helbrecht, Geografin, Humboldt-Universität zu Berlin/Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung  
Metropolregion München - Herausforderung Wachstum, 15. Oktober 2014 in Rosenheim  
Diskussionsrunde Metropolregion München - Herausforderung Wachstum, 15. Oktober 2014 in Rosenheim  

Fotos: Europäische Metropolregion
München e.V.
 
 

Metropolregion München: Positives Fazit nach Immobilienfachmesse Expo Real

Podiumsdiskussion auf der Expo Real: Michael Ehret, Dr. Michael Bentlage, Gitta Rometsch, Thomas Bugl, Stephan Reiß-Schmidt (v.l.n.r.)   

Investoren zieht es weiterhin stark in die Metropolregion München. Dies zeigte die rege Nachfrage bei den am Stand der Metropolregion beteiligten Partnern auf der Immobilien- und Investitionsfachmesse EXPO REAL, die am 8. Oktober 2014 in München zu Ende ging. Am zweiten Messetag beschäftigte sich die Podiumsdiskussion „Metropolregion München – Herausforderung Wachstum“ mit den positiven wie negativen Folgen dieser großen Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen und dem hiermit verbundenen Zuzug in die Region.

Am Gemeinschaftsstand der Metropolregion München kamen während drei intensiven Messetagen Vertreter der zehn Standpartner von Stadt und Landkreis Dachau, der Städte Freising, Landshut, Ingolstadt und Pfaffenhofen, der Kommunen der NordAllianz und der Unternehmen ehret+klein, W. Markgraf GmbH & Co KG sowie Schiller GmbH Immobilien mit Investoren und potentiellen Geschäftspartnern zusammen. Das große Interesse der Investoren zeigte erneut, dass die Nachfrage nach Flächen unterschiedlichster Größenordnungen in der gesamten Metropolregion München weiterhin groß ist.


Podiumsdiskussion zum Umgang mit der „Herausforderung Wachstum“

Auch um die Auswirkungen des wirtschaftlichen Erfolges der Metropolregion München in positive Bahnen zu lenken, engagieren sich die Mitglieder und Akteure im Verein Europäische Metropolregion München (EMM e.V.) für ein gemeinsames Vorgehen in der Siedlungsentwicklung oder bei Mobilitätskonzepten. Die beteiligten Städte, Kommunen, Landkreise und Organisationen haben bereits einen guten Teil des Weges hin zu einem  gemeinsamen Problemverständnis zurückgelegt, konstatierte Stefan Reiß-Schmidt, Stadtdirektor im Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München, im Rahmen der Podiumsdiskussion „Herausforderung Wachstum“, welche der EMM e.V. am zweiten Messetag veranstaltete. Dieses Übereinkommen sei nicht immer vorhanden gewesen und eine unabdingbare Voraussetzung für gemeinsame Maßnahmen und Projekte. Für diese Verständigung sei der Austausch im EMM e.V. enorm wertvoll und die Diskussion über ein gemeinsames räumliches Zukunftsbild im Gange. Ziel müsse es aber sein, in die Umsetzung zusammenwirkender, konkreter Projekte zu kommen, die von allen Beteiligten in der Metropolregion mitgetragen werden, so Reiß-Schmidt.

Einen Schlüsselbereich für die erfolgreiche Bewältigung des Bevölkerungswachstums  stellt nach Einschätzung der Podiumsteilnehmer die Verkehrsinfrastruktur dar. So bezeichnete Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim, die Verkehrsanbindung für seine Stadt, die den Wachstumsdruck ebenfalls stark zu spüren bekomme, als wichtigste Herausforderung.

Viele Planer, Wissenschaftler und Fachleute sprechen sich für die Entwicklung einer polyzentralen, weniger auf München bezogenen Struktur für die Metropolregion München aus. Diese Forderung bezieht sich sowohl auf die Schaffung von Verkehrsverbindungen, die nicht München als Drehscheibe nutzen, als auch auf eine optimierte Verteilung der Wohnraumnachfrage auf alle Teilregionen sowie eine Reduzierung von Pendlerströmen durch die verstärkte Ansiedlung von Freizeit- und Wissensangeboten und die Schaffung urbaner Lebensräume in bislang weniger nachgefragten Teilregionen. Diese Einschätzung teilte im Rahmen der Podiumsdiskussion auch Michael Ehret, Geschäftsführender Gesellschafter des Projektentwicklers ehret+klein, der betonte: „Quartiersentwicklung bedeutet heute nicht mehr nur Schaffen von Wohnraum, sondern es geht darum, attraktive Lebensräume zu schaffen. Hierzu müssen auch wir als private Investoren über den Tellerrand blicken und in Kontakt mit allen Beteiligten kommen. Das Netzwerk des EMM e.V. ist dafür ein sehr gutes Forum.“


Stefan Reiß-Schmidt, Stadtdirektor im Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München  
Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim  
Michael Ehret, Geschäftsführender Gesellschafter des Projektentwicklers ehret+klein  
Dr. Michael Bentlage
Fotos: Europäische Metropolregion
München e.V.
 
   


Mehr zum Thema

Dialog aktuell 19. September 2014 - Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim, Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München und Wolfgang Wittmann, Geschäftsführer Europäische Metropolregion München e.V.
Metropolregion München – Herausforderung Wachstum

  Die Metropolregion München ist eine der wenigen Regionen in Deutschland, die aktuell mit einem Bevölkerungswachstum und dem daraus resultierenden hohen Siedlungsdruck umgehen muss. Diese Thematik greift am 15. Oktober die Veranstaltung „Metropolregion München – Herausforderung Wachstum“ in Rosenheim auf. Im Vorfeld thematisieren die drei Mitveranstalter Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim, Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München, und Wolfgang Wittmann, Geschäftsführer Europäische Metropolregion München e.V., die Inhalte der Veranstaltung. Mehr

Dialog aktuell 12. August 2014 - Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, Stadt Rosenheim
Wirtschaftsraum Rosenheim – ein starker Standort in der Metropolregion München

Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin, Stadt Rosenheim

  Rosenheim hat mit abgestimmter Stadt- und Regionalplanung gute Erfahrungen gemacht
Was im Kleinen schon erprobt ist, funktioniert auch im Großen. Seit vielen Jahren sammelt die Stadt Rosenheim Erfahrungen mit dem "Stadt-Umlandbereich Rosenheim" (SUR), einer erfolgreichen Plattform für die Kooperation mit den Umlandgemeinden. Jetzt geht es darum, im enger werdenden Ballungsraum München gemeinsam mit den Landkreisen und Städten Strategien und ganz praktische Lösungen im Umgang mit Wachstum zu entwickeln. Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer beschreibt in ihrem Beitrag, wohin der Wirtschaftsraum Rosenheim in der EMM steuert und warum das großräumige Denken und Handeln auf ihrer Agenda steht. Mehr


Sind Sie Mitglied in der EMM? Bitte klicken Sie den entsprechenden Button bei der Anmeldung. Bitte beachten Sie, dass je EMM-Mitglied ein Mitarbeiter kostenfrei zu der Veranstaltung angemeldet werden kann. Bitte prüfen Sie zunächst intern, ob bereits eine Anmeldung aus Ihrem Unternehmen vorgenommen wurde. Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um eine Veranstaltung des Vereins Europäische Metropolregion München, Landeshauptstadt München, Stadt und Landkreis Rosenheim handelt. Die Veranstaltung wird finanziell durch die GEWOFAG Holding GmbH, Münchner Verkehrsverbund MVV und die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling unterstützt. Diese Veranstaltung kann somit nicht im Rahmen des Heuer-Dialog-Jahresabos gebucht werden.