Handels-Dialog

Einzelhandelsstandort Berlin: überreizt oder doch weitere Potenziale?

Berlin genießt einen klaren "Hauptstadtbonus" – nicht nur für die Tourismusindustrie sondern auch für die nationalen und insbesondere internationalen Einzelhändler.

Information

Der Berliner Einzelhandel profitiert vom Hauptstadtbonus. Inzwischen geht jeder zehnte in deutsche Einzelhandelsimmobilien investierte Euro in die Hauptstadt. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden rund 670 Millionen Euro investiert, so hat es der Einzelhandelsspezialist Jones Lang LaSalle gerade vorgerechnet. Diese Zahlen dokumentieren das große Interesse an der Stadt, die sich rühmt, Europas neue Modemetropole zu sein. Nationale und internationale Filialisten und Labels sind in Berlin vertreten oder sehen in Berlin den optimalen Testmarkt. Die Fashion-Week mit Messen und Schauen und die Bread & Butter ziehen jährlich internationale Käufer in die Stadt.
Für die Immobilienwirtschaft bieten sich in Berlin viele Chancen für Investments und Projektentwicklungen. Fest steht auf jeden Fall, dass es in keiner anderen Stadt so viele Shopping-Center gibt, die offensichtlich alle ihre Kunden finden. Sind es allein die Touristen? Welche Möglichkeiten liegen in der Nahversorgung? Städtebau oder Center: Die Chancen der Stadtteilzentren in Berlin?

Mit diesen und vielen anderen spannenden Entwicklungen in Deutschlands größter Stadt wollen wir im Rahmen des

Handels-Dialoges
Einzelhandelsstandort Berlin: überreizt oder doch weitere Potenziale?
am 23. März 2011 in Berlin

beschäftigen.

Eine besondere Einstimmung in die Tagung findet am 22. März 2011 in der Arminushalle in Berlin-Moabit statt. Wir laden Sie herlich ein, in historischer Kulisse zeitgemäßen Handels den Abend zu verbringen.


Statements von einigen Referenten, die Sie am 23. März 2011 in Berlin treffen

Jan Bettink, Mitglied des Vorstandes, Landesbank Berlin AG
Berlins Einzelhandel lebt von der touritischen Attraktivität der Metropole. Im letzten Jahr generierten die Einzelhändler 24% ihres Umsatzes mit Berlinbesuchern. Wenn diese Umsatzträger wegfallen würden, fragt man sich nach der Perspektive des Standorts - nichts zuletzt angesichts bundesweit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit und unterdurchschnittlicher Kaufkraft. Und das zumal das Angebot weiter steigt.
 
Jens Horeis, Head of Property Management Germany, Sonae Sierra
Ein Großstadt-Quartier kann ein Mikrokosmos von höchster Lebensqualität sein – dafür bedarf es eines perfekten Zusammenspiels von attraktiven Einzelhändlern, Dienstleistungs- und Entertainmentangebot, Gastronomie, Architektur, Design und Integration in das urbane Umfeld. Ist diese Aufgabe gemeistert, wird das Großstadt-Quartier zu einem Besuchermagneten und einer Lifestyle-Adresse erster Wahl.
 
Dietmar Burtzlaff, Bereichsleiter Expansion/kaufmännisches Immobilienmanagement, Penny-Markt GmbH
"Nah" versorgen heißt "nah" am Kunden dran sein - sowohl am Kundenwunsch wie mit dem Penny Markt selbst.

Dr. Thomas Lüttgau, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Lenz und Johlen Rechtsanwälte Partnerschaft
Die enge rechtliche Regulierung verursacht erst den Kreislauf: Angebotslücke, Angebotsdefizit, Kaufkraftabfluss: Vielfalt braucht auch – rechtliche – Gestaltungsmöglichkeiten.
 
Lutz Lakomski, Geschäftsführer GPU Gesellschaft für Immobilien – Projektentwicklung
und Unternehmensberatung GmbH
Wir dürfen dem Internet kein weiteres Terrain mehr im Handel überlassen, sondern  müssen zusätzliche Einkaufserlebnisse schaffen um damit die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und die Nahversorgung der Menschen sicher zu stellen. Hierzu muss der Gesetzgeber auch die aktuellen, baurechtlichen Rahmenbedingungen lockern bzw. anpassen, denn im Internet gibt es keine „Verkaufsflächenreglementierung".
 
Markus Wotruba,
 Leiter Standortforschung, BBE Handelsberatung GmbH
Berlin hat eine hohe Zahl an m² Verkaufsfläche, auch im Bereich der Nahversorgung. Gerade für Berlin gilt aber, dass etliche dieser Flächen nicht mehr den Kundenansprüchen genügen und konzeptionelle Mängel aufweisen. Auch sind die Flächen ungleich verteilt und es herrschen in vielen Gebieten Monostrukturen. Daraus ergibt sich ein weiterhin hoher Bedarf an Revitalisierungen und Neuentwicklungen, der die Bundeshauptstadt weiterhin so interessant für die Branche macht.
 
Gottfried Kupsch, KUPSCH Gewerbeimmobilien Management GmbH
Standorte ohne Touristen sind einem ruinösen Wettbewerb.ausgesetzt.  Die Mieter wechseln die Straßenseite und hinterlassen Leerstand. "Mieter Klau". Die "schnellen Lösungen" nach dem Fall der Mauer werden durch bessere Konzepte und besserer Standorte ersetzt. Beispiel Alexander Platz.

Marcus Hientzsch, Geschäftsführer, Argoneo Real Estate GmbH
Gerade in der Krise hat Berlin Stabilität bewiesen. Die Stadt hat die Dynamik einer Metropole, die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen in 1A-Lagen steigt kontinuierlich. Durch aktuelle Projekte wie den neuen Flughafen wird Berlin weiter an Potential gewinnen.

Jörg R. Lammersen, Niederlassungsleiter, TLG IMMOBILIEN GMBH
Das Leben in der Großstadt Berlin spielt sich hauptsächlich in seinen Kiezen ab. Moderne Stadtteilzentren tragen somit zur Lebendigkeit und Attraktivität der Stadtteile und damit zu der Berlins bei.
 
Rüdiger Thräne, Leiter Einzelhandelsimmobilien, Jones Lang LaSalle
„Viele Marken haben die Hauptstadt als permanentes Schaufenster entdeckt und schätzen die Internationalität und Dynamik Berlins. Dies gilt besonders für die Szene im Quartier Hackescher Markt.
Kein anderer deutscher Handelsstandort verzeichnete in den letzten Jahren einen ähnlichen Aufschwung wie der Hackesche Markt. Wer durch die Spandauer Vorstadt schlendert, erlebt exemplarisch, dass die Modewelt, insbesondere progressive Anbieter von Street- und Urbanwear, hier monatlich neue Shops eröffnen. Couture und Streetwear ergänzen sich perfekt und eine Prise Avantgarde kennzeichnet den Übergang zur etablierten Modeszene.
Mehr als drei Viertel der am Hackeschen Markt ansässigen Textil- und Schuh-Anbieter haben ihren Fokus im Streetwear-Bereich. Bezogen auf das insgesamt 300 Stores und rund 45.000 m² umfassende Einzelhandelsflächenangebot am Hackeschen Markt entfallen jeweils rund ein Drittel auf die Streetwearszene. Marken wie Herr von Eden, die Berliner Designer Kaviar Gauche und LaLa Berlin oder der Multilabel-Store 14 oz ergänzen das Angebot um einen eher schicken und avantgardistischen Stil. Nicht zuletzt die Berliner Fashion Week ist in dieser Hinsicht als Impulsgeber und Trendsetter für aufsteigende Labels zu sehen.
Das gestiegene Interesse am Einzelhandelsstandort Hackescher Markt hat sich im Laufe der letzten drei Jahre auch auf die Mietpreise ausgewirkt. Wurden 2006 bei Neuvermietung einer 100 m²-Fläche noch Spitzenwerte von 50 bis 75 Euro/m² gemessen, liegen diese heute bei bis zu 125 Euro/m². Die teuersten Bereiche sind der Hackesche Markt in Richtung Rosenthaler Straße und die Neue Schönhauser Straße. Die Ladenmieten erreichen dort zwischen 100 und 125 Euro/m². Vom Hackeschen Markt in Richtung Oranienburger Straße, im weiteren Verlauf der Rosenthaler Straße bis SAP und in der Münzstraße werden 75 bis 100 Euro/m² erzielt.
Zwischen 50 und 75 Euro/m² liegen die Mieten in der Rosenthaler Straße ab SAP, in der Alte Schönhauser Straße und im hinteren Bereich der Münzstraße. Zu vergleichsweise günstigen Mieten zwischen 35 und 60 Euro/m² lassen sich Ladenlokale im Bereich Dircksenstraße / Rochstraße / Rosa-Luxemburg-Straße, in der Weinmeisterstraße und in der Mulackstraße finden.
Insgesamt hat sich der Berlin Mitte-Style international zu einem eigenständigen Begriff entwickelt. Neben dem Hackeschen Markt profitieren auch andere Bezirke von der neuen Wahrnehmung und internationalen Beachtung. Der Prenzlauer Berg beheimatet um die Kastanienallee viele interessante Konzepte. Auch das eher bürgerliche Charlottenburg mit den klassischen Toplagen Kurfürstendamm und Tauentzienstraße zieht vermehrt innovative Modekonzepte an. Aus unserer Sicht ist diese positive Entwicklung in erheblichem Maße auf die Bread & Butter zurückzuführen, die Berlin als Modestandort weiter etabliert hat. Nicht nur als Messe-, auch als Einzelhandelsstandort ist Berlin die ideale Location für Streetwear-Labels. Immer häufiger zeigen die erfolgreichen unter ihnen nach einem Probelauf in Berlin auch Interesse an einer Expansion in andere deutsche Metropolen und sorgen dort für neue Impulse im Mietermix.“