Warum die nachhaltigste Lösung nicht immer Produkt-zu-Produkt bedeutet

Vom Produkt zur Anwendung

Polyurethan ist ein Hochleistungskunststoff für verschiedenste Zwecke in Bauanwendungen, das Spektrum reicht dabei von Wärmeisolierung bis zu Erschütterungsschutz und Akustiklösungen – eine Herausforderung und eine Chance für die Kreislaufwirtschaft.

Christian Loretz 17. September 2026

Polyurethan (PUR) ist ein leistungsfähiger Werkstoff mit langer Lebensdauer und hoher technischer Funktionalität. Gleichzeitig wird PUR häufig als schwierig zu recyceln wahrgenommen. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz, denn PUR ist recyclingfähig und kann sowohl über mechanische als auch über chemische Verfahren in neue Wertschöpfungsketten zurückgeführt werden.

Die entscheidende Frage ist dabei nicht, wie PUR-Abfälle möglichst kostengünstig entsorgt oder verwertet werden können. Vielmehr sollte Recycling als Innovationsprozess verstanden werden, dessen Ziel es ist, aus gebrauchten Materialien neue Produkte und Anwendungen mit wirtschaftlichem und ökologischem Mehrwert zu entwickeln. Recycling ist damit kein End-of-Life-Thema, sondern ein Bestandteil moderner Produktentwicklung.

In der aktuellen Diskussion wird häufig das Konzept des Closed Loops in den Vordergrund gestellt. Die Rückführung eines Materials in dieselbe Anwendung kann sinnvoll sein, ist jedoch nicht immer die beste Lösung. Ein zu starres Festhalten an Closed-Loop-Vorgaben kann innovative und wirtschaftlich tragfähige Recyclingwege erschweren oder sogar verhindern.

Entscheidend ist nicht, ob ein PUR-Dämmstoff wieder zu einem PUR-Dämmstoff wird oder ob ein Elastomer erneut in derselben Anwendung eingesetzt wird. Entscheidend ist vielmehr, welchen Beitrag Recycling insgesamt zur Schonung von Ressourcen und zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leistet. Wenn recycelte PUR-Materialien beispielsweise innerhalb des Systems Gebäude hochwertige neue Anwendungen ermöglichen und dadurch den Einsatz fossiler Rohstoffe ersetzen, wird ein wesentlicher Beitrag zur Kreislaufwirtschaft geleistet.

Der Blick sollte daher vom einzelnen Produkt auf das gesamte System erweitert werden, denn Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht zwangsläufig geschlossene Kreisläufe auf Produktebene. Entscheidend sind geschlossene Stoffströme, Ressourceneffizienz und die tatsächliche ökologische Wirkung. Nur wenn wir das Gesamtsystem betrachten, können wir das Potenzial von PUR-Recycling wirtschaftlich und nachhaltig ausschöpfen.

Die Relomer®-Produkte von Getzner zeigen, dass Kreislaufwirtschaft mehr sein kann als Closed Loop. Aus recyceltem PUR entstehen Produkte, die speziell für ihre Anwendung entwickelt und optimiert wurden. Im Bereich der Seitenwandentkopplung ermöglichen sie durch ihren breiten Einsatzbereich und ihre gleichmäßige Wirksamkeit bei unterschiedlichen Einbautiefen eine hohe technische Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, den Ressourcenverbrauch und den Carbon Footprint von Gebäuden zu reduzieren.

Am Beispiel Relomer® wird deutlich, dass es nicht entscheidend ist, ob ein Material in seine ursprüngliche Anwendung zurückkehrt. Maßgeblich ist, welchen Beitrag es im Gesamtsystem – hier in Kombination mit den bewährten Lösungen Sylomer® und Sylodyn® – leistet. Denn Ressourcenschonung und Klimawirkung sind kein Ausschlusskriterium für Performance im Erschütterungsschutz und beim Wohnkomfort.

Der Autor
Christian Loretz
Managing Director, Getzner Circular Technology

Das Event zum Thema

Montag, 9. November - Dienstag, 10. November 2026
Jahreskongress Cradle to Cradle
Offenbach am Main