Der Autor
Fritz RinderspacherNiederlassungsleiter Büro- und Schulgebäude Rhein-Main, Goldbeck Südwest GmbH
Kommunen stehen beim Ausbau ihrer Bildungsinfrastruktur vor vielfältigen Herausforderungen. Sie müssen den steigenden Bedarf an Betreuungs- und Bildungsplätzen decken, dabei wirtschaftlich handeln und gleichzeitig Anforderungen an Nachhaltigkeit, Qualität und architektonische Identität erfüllen. Gefragt sind deshalb Lösungen, die Schnelligkeit, Verlässlichkeit und langfristige Anpassungsfähigkeit miteinander verbinden.
Schnelligkeit, Verlässlichkeit und Qualität verbinden
Ein entscheidender Erfolgsfaktor kann dabei die Gesamtvergabe sein. Statt Planung, Bau und Koordination auf viele einzelne Vertragspartner zu verteilen, erhalten Kommunen Planung und Realisierung aus einer Hand. Dadurch werden Schnittstellen reduziert, Prozesse beschleunigt und Verantwortlichkeiten klar geregelt. Insbesondere bei dringend benötigten Bildungsbauten schafft dies ein hohes Maß an Termin- und Kostensicherheit und entlastet die öffentlichen Auftraggeber während des gesamten Projektverlaufs.
In Kombination mit systematisierten Baukonzepten entstehen so planbare Prozesse und wirtschaftliche Lösungen, ohne auf architektonische Qualität oder individuelle Anforderungen verzichten zu müssen. Die neue Kindertagesstätte St. Martin in Gemünden am Main zeigt, wie dieser Ansatz in der Praxis aussehen kann und welche Chancen sich daraus für Städte und Gemeinden ergeben.
Flexibilität beginnt in der Planung
Die neue Kindertagesstätte St. Martin bietet Platz für rund 186 Kinder und wurde von Beginn an auf zukünftige Entwicklungen ausgerichtet. Bei Bedarf kann das Gebäude um zwei weitere Gruppen erweitert werden. Bereits in der Planung wurden die statischen Voraussetzungen dafür geschaffen. Nichttragende Innenwände ermöglichen es zudem, Räume bei veränderten Anforderungen neu zuzuschneiden oder miteinander zu verbinden.
Die Flexibilität der späteren Ausgestaltung integrierte GOLDBECK schon in der Planungsphase. GOLDBECK setzt auf eine systematisierte Bauweise. Wesentliche Bauelemente werden industriell vorgefertigt und auf der Baustelle zu individuellen Gebäuden zusammengesetzt. Das sorgt für Wirtschaftlichkeit, hohe Ausführungsqualität und kurze Bauzeiten. Dadurch lassen sich einzelne Bauteile gezielt austauschen und Gebäude an veränderte technische oder funktionale Anforderungen anpassen. Für Kommunen bedeutet dies eine höhere Investitionssicherheit. Gebäude können auf veränderte Anforderungen reagieren, ohne dass ein Neubau erforderlich wird.
Lernorte mit Identität schaffen
Eine weitere Herausforderung vieler Kommunen besteht darin, trotz steigenden Zeit- und Kostendrucks hohe Anforderungen an Architektur und Aufenthaltsqualität zu erfüllen. Gerade Bildungsgebäude prägen das tägliche Umfeld von Kindern, Eltern und Mitarbeitenden und sind oftmals über Generationen hinweg Teil des öffentlichen Lebens.
Die Kita St. Martin greift beispielsweise mit ihrem Farb- und Gestaltungskonzept die besondere Identität Gemündens als Drei-Flüsse-Stadt auf. Die hinterlüftete Hochdrucklaminat-Fassade erhält großzügige Monitorfenster mit farblichen Akzenten in Blau- und Cyantönen. Gleichzeitig erfüllt sie hohe energetische Standards und wird durch Teilbereiche mit Holzfassaden ergänzt, die zu einer natürlichen und einladenden Atmosphäre beitragen. Die Architektur des Gebäudes schafft zahlreiche Vordächer, die Schutz vor Regen und Sonne bieten. Auch in der Gestaltung der großzügigen Außenanlagen wird das Thema Wasser wieder aufgegriffen.
Den gesamten Lebenszyklus betrachten
Wer ein Gebäude bewertet, sollte nicht nur den reinen Neubau betrachten. Ebenso wichtig ist, wie ressourcenschonend, wirtschaftlich und anpassungsfähig es über viele Jahre genutzt werden kann. Deshalb spielen energieeffiziente Gebäudekonzepte, robuste Strukturen, ein ressourcenschonender Materialeinsatz und flexible Grundrisse eine entscheidende Rolle, um eine langfristige Nutzung zu ermöglichen. Im Fall der Kita St. Martin tragen unter anderem eine Photovoltaikanlage, Dachbegrünungen sowie flexibel nutzbare Grundrisse dazu bei, ökologische und wirtschaftliche Aspekte miteinander zu verbinden.
Hinzu kommt ein Aspekt, der Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie pädagogische Fachkräfte gerade in den vergangenen Sommermonaten zunehmend beschäftigt hat: Wie kann bei Außentemperaturen von über 40 Grad Celsius überhaupt noch konzentriert gelernt, gespielt oder gearbeitet werden?
Moderne Bildungsbauten müssen daher nicht nur energieeffizient, sondern auch klimarobust sein. GOLDBECK setzt standardmäßig auf Wärmepumpen in Verbindung mit Energieböden, die im Winter für behagliche Wärme sorgen und im Sommer zur Kühlung genutzt werden können. In Kombination mit heutigen Effizienzstandards wie EH40 oder Passivhausniveau sowie einer gezielten Nachtauskühlung bleiben die Raumtemperaturen auch an heißen Tagen auf einem angenehmen Niveau. Wird das System zusätzlich durch eine Photovoltaikanlage und gegebenenfalls einen Batteriespeicher ergänzt, lassen sich Nutzerkomfort, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit sinnvoll miteinander verbinden.