Interview mit Markus Farnung, Leiter Objektbau „neue Geschäftsfelder“

Interview mit Markus Farnung zum Jahreskongress Industrielles Bauen

Wie kann industrielles Bauen schneller, effizienter und zugleich nachhaltiger werden? Im Vorfeld der Auftaktveranstaltung zum Jahreskongress Industrielles Bauen spricht Markus Farnung über die Chancen der seriellen Holzbauweise.

Markus Farnung 2. Juli 2026
Jahreskongress Industrielles Bauen
Quelle: Oikos Group GmbH
,,Holzbau erfindet das industrielle Bauen zwar nicht neu – macht es aber zukunftsfähiger. Denn die serielle Effizienz und Geschwindigkeit werden durch Holz um das ergänzt, was unsere Zeit verlangt: echte Klimaverantwortung.“

Heuer Dialog: Herr Farnung, die Oikos Objektbau GmbH ist Gastgeber der Auftaktveranstaltung zum Jahreskongress Industrielles Bauen. Warum ist dieses Thema für Sie so relevant?
M. Farnung: Industrielles und serielles Bauen ist für uns weit mehr als eine Frage von Geschwindigkeit oder Effizienz. Es ist eine zentrale Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit: bezahlbarer Wohn- und Bildungsraum, Fachkräftemangel, Ressourcenknappheit und die Notwendigkeit, deutlich klimaverträglicher zu bauen. Gerade deshalb freuen wir uns sehr, Gastgeber der Auftaktveranstaltung zu sein. Der Kongress bringt Akteure zusammen, die nicht nur über die Zukunft des Bauens sprechen, sondern sie konkret gestalten wollen.
Gleichzeitig wächst der politische und gesellschaftliche Druck, schneller zu bauen. Debatten über Bauturbo oder Schulbau-Turbo zeigen deutlich, dass Bauweisen gefragt sind, die Planungs- und Bauzeiten verkürzen, Prozesse vereinfachen und dennoch hohe Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Genau hier sehen wir enormes Potenzial für den industriellen Holzbau.

Heuer Dialog: Was kann der Holzbau in diesem Zusammenhang besonders gut leisten?
M. Farnung: Holzbau verbindet die Vorteile industrieller Prozesse mit einer klaren ökologischen Perspektive. Die serielle Vorfertigung sorgt für planbare Qualität, hohe Präzision und kurze Bauzeiten. Gleichzeitig ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, der CO₂ speichert und eine deutlich ressourcenschonendere Bauweise ermöglicht. Ein weiterer Vorteil: In der Holzrahmenbauweise kann der Wandaufbau energetische Anforderungen besonders effizient erfüllen, weil die Dämmebene konstruktiv integriert ist. Das ermöglicht schlanke Bauteile und schafft im Ergebnis mehr nutzbare Fläche. Genau darin liegt für mich seine Zukunftsfähigkeit: Wir bauen schnell, wirtschaftlich und skalierbar – mit einem Material, das zur Transformation der Bauwirtschaft beiträgt.
Das gilt nicht nur für den Neubau. Gerade die serielle Sanierung zeigt, wie leistungsfähig industriell vorgefertigte Holzbaulösungen sind: Bestandsgebäude lassen sich energetisch modernisieren, Bauzeiten verkürzen sich deutlich und die Eingriffe vor Ort bleiben überschaubar. Das ist ein wichtiger Hebel, um den Gebäudebestand schneller fit für die Zukunft zu machen.

Heuer Dialog: Was bedeutet serielles Bauen in Holzrahmenbauweise ganz konkret bei Oikos Objektbau?
M. Farnung: Für uns heißt das: digital planen, industriell vorfertigen, vor Ort effizient montieren – bei gleichzeitig hoher Flexibilität für unterschiedliche Nutzungen und Anforderungen. Durch die hohe Vorfertigungstiefe lassen sich Prozesse standardisieren, Schnittstellen reduzieren und Bauzeiten verkürzen. Gleichzeitig entstehen Gebäude, die in ihrer Nutzung anpassbar bleiben. Genau das ist für den Objektbau entscheidend, weil sich Bedarfe heute schneller verändern als früher.

Heuer Dialog: Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für diese Bauweise?
M. Farnung: Vor allem dort, wo schnell qualitativ hochwertige und gleichzeitig nachhaltige Gebäude gebraucht werden: im Bildungsbau, im sozialen Infrastrukturbereich, bei Verwaltungsgebäuden oder auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Der Handlungsdruck ist aktuell bei vielen Marktteilnehmern extrem hoch. Serieller Holzbau kann hier ein entscheidender Hebel sein, weil er Bauzeiten verkürzt, Prozesse planbarer macht und Nachhaltigkeitsziele von Anfang an berücksichtigt. Auch die neue Musterholzbaurichtlinie ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schritt, weil sie dazu beiträgt, den Holzbau effizienter im Markt zu etablieren.

Heuer Dialog: Weche Rolle spielt Nachhaltigkeit insgesamt in Ihrer strategischen Ausrichtung?
M. Farnung: Eine sehr große. Wir arbeiten derzeit an unserem Nachhaltigkeitsbericht 2026 und sehen das nicht als reine Dokumentation, sondern als Ausdruck eines klaren Anspruchs. Nachhaltigkeit muss im Objektbau von Anfang an mitgedacht werden – in der Planung, in der Materialwahl, in den Prozessen und im späteren Betrieb. Die Oikos Group beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, gesunden Materialien und energieeffizienten Lösungen. Diese Haltung übersetzen wir bei Oikos in konkrete Gebäude und Konzepte. Schneller bauen darf nicht bedeuten, auf Kosten der Zukunft zu bauen. Wenn der Bauturbo wirken soll, dann aus unserer Sicht mit Lösungen, die Tempo und Verantwortung zusammenbringen. Genau darin liegt eine große Stärke des seriellen Holzbaus.

Heuer Dialog: Was wünschen Sie sich vom Jahreskongress Industrielles Bauen?
M. Farnung: Ich wünsche mir einen offenen, praxisnahen Austausch und vor allem den Mut, gemeinsam in die Umsetzung zu kommen. Die Technologien und Konzepte sind da. Jetzt geht es darum, industrielle Prozesse, digitale Planung und nachhaltige Materialien konsequent zusammenzubringen. Wenn uns das gelingt, kann der serielle Holzbau einen wichtigen Beitrag leisten, Bauen wirtschaftlicher, verlässlicher und klimaverantwortlicher zu machen.
Und mehr noch: Er kann helfen, genau die Beschleunigung möglich zu machen, die heute gefordert wird. Wenn wir über Bauturbos sprechen, sollten wir immer auch fragen, mit welchen Bauweisen dieses Tempo realistisch, hochwertig und nachhaltig erreicht werden kann. Für mich gehört der serielle Holzbau ganz klar zu den überzeugendsten Antworten.

 

Oikos Group GmbH
Am Distelrasen 2, 36381 Schlüchtern
presse@oikos-group.de
www.oikos-group.de

Der Autor
Markus Farnung
Leitung Objektbau, Oikos Group GmbH

Das Event zum Thema

Mittwoch, 23. September - Donnerstag, 24. September 2026
Jahreskongress Industrielles Bauen
Hanau