Die Autorin
Anne Birgit HöhGeschäftsführerin, CalCon Deutschland GmbH
Die Diskussion um den richtigen Umgang mit Beständen ist aktueller denn je. Im Mittelpunkt stehen dabei immer wieder die gleichen Fragen: Lohnt sich eine Investition oder sollte ein Gebäude veräußert werden? Der Druck ist hoch – gleichzeitig fehlen häufig die Voraussetzungen, um diese Entscheidungen fundiert zu treffen.
Der Grund liegt in der veränderten Ausgangslage, denn Entscheidungen im Bestand werden heute von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Zu oftmals unklaren Anforderungen aus Nachhaltigkeit und Regulierung kommen steigende Kosten, technische Risiken sowie zunehmend volatile Marktbedingungen.
Diese Faktoren wirken nicht isoliert. Sie beeinflussen sich gegenseitig und entfalten ihre Wirkung über das gesamte Portfolio hinweg. Was auf Objektebene sinnvoll erscheint, kann im Portfoliozusammenhang neue Risiken erzeugen. Im Bestand treffen diese Faktoren zudem auf gewachsene Strukturen und bestehende Abhängigkeiten, was Entscheidungen deutlich komplexer als im Neubau macht. Damit steigen auch die Anforderungen an die Entscheidungsfindung selbst.
Mehr Daten – aber kein Mehrwert
In der Praxis lässt sich häufig ein ähnliches Muster beobachten: Um Unsicherheit zu reduzieren, werden zusätzliche Daten erhoben und bestehende Datensätze weiter ausgebaut. Der Versuch, bessere Entscheidungen durch mehr Daten zu erreichen, bezweckt jedoch oft das Gegenteil: Entscheidungsprozesse werden immer komplizierter und langsamer.
Das Problem ist nämlich nicht unbedingt die Menge an Daten, sondern ihre grundsätzliche Eignung als Entscheidungsgrundlage. Sie sind fragmentiert, nicht durchgängig digitalisiert, unterschiedlich strukturiert und nur eingeschränkt vergleichbar. Statt eines konsistenten Gesamtbilds entsteht so ein Nebeneinander von Einzelinformationen, die sich nicht klar einordnen lassen.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Dimension, denn die Datenerhebung und -pflege bindet Kapazitäten und verursacht Kosten. Es ist weder sinnvoll noch realistisch, alle theoretisch verfügbaren Informationen vollständig und in hoher Detailtiefe zu erfassen.
Fehlt allerdings eine valide Entscheidungsgrundlage, hat das weitreichende Folgen: Investitionen werden aufgeschoben oder anhand falscher Prämissen geplant und können daher oft erst angepasst werden, wenn Probleme bereits sichtbar geworden sind.
Was sich ändern muss
Somit ist ein Perspektivwechsel erforderlich. Entscheidungen im Bestand müssen im Kontext des gesamten Portfolios getroffen werden. Gefragt ist eine integrierte Sicht, die Zusammenhänge deutlich macht. Das bedeutet auch, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen: Weg von isolierten Einzelbewertungen, Excel-basierten Auswertungen und statischen Reports, hin zu einer verlässlichen Datenbasis, die objektive Vergleiche ermöglicht und es erlaubt, Szenarien für zukünftige Entwicklungen zu modellieren. Denn nur mit einer konzertierten Planung lässt sich das Einsparpotenzial heben, das in der Instandhaltung und Modernisierung von Bestandsimmobilien steckt.
Die zentrale Rolle spielt dabei die Effizienz. Schließlich ist wie gesagt nicht die Menge der Daten ausschlaggebend, sondern ihre Relevanz. In der Praxis zeigt sich: Nur ein Teil der verfügbaren Informationen ist tatsächlich entscheidungswirksam. Der Rest verursacht zusätzlichen Aufwand bei der Beschaffung, ohne entsprechenden Nutzen zu bringen. Es geht also darum, sich bewusst auf die wesentlichen Daten zu konzentrieren, und alles andere konsequent auszublenden. Denn am Ende bestimmt nicht der Markt den Wert eines Portfolios, sondern die Qualität unserer Entscheidungen im Bestand.
Wie sich eine wirtschaftlich tragfähige Datengrundlage im Bestandsmanagement effizient aufbauen lässt, erfahren Sie in unserem Whitepaper zum datenbasierten Instandhaltungsmanagement. https://aibatros.com/whitepaper/whitepaper-datenbasiertes-instandhaltungsmanagement/