Differenzierter Wohnungsmarkt: Von Standardmietern zu Modern Living 3.0

Warum sich der Wohnungsmarkt stärker ausdifferenziert

Einblicke in die wachsende Segmentierung, regulatorische Felder und nachhaltige, flexibel nutzbare Wohnformen für Studierende, Professionals und internationale Mitarbeitende.

Matthias Euler 6. Mai 2026
Jahreskongress Temporäres Wohnen
Quelle: Shutterstock

Ob Studentenwohnen, Ferien- oder Mietwohnung: Der Markt für Wohnen auf Zeit steht aktuell im Fokus politischer und öffentlicher Debatten. Häufig wird dabei die strukturelle Veränderung der Nachfrage übersehen: Haushalte werden kleiner, Erwerbsbiografien flexibler, internationale Mobilität nimmt zu. Weniger Besitz erleichtert den Fokus auf Arbeit, Ausbildung und persönliche Freiheit. Darüber hinaus bestehen laut Statistischem Bundesamt heute mehr als 40 Prozent der Haushalte aus ein bis zwei Personen. Ein Trend, der sich in Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg besonders stark ausprägt. Gleichzeitig fehlen mehrere hunderttausend Wohnungen.

Diese Diskrepanz führt zu einer stärkeren Ausdifferenzierung des Wohnungsangebots. Klassische Mietwohnungen bleiben die Grundlage des Marktes. Ergänzend entstehen jedoch neue Formate, die auf unterschiedliche Lebensphasen und Bedürfnisse ausgerichtet sind. Genau hier setzt Modern Living 3.0 an. Durch standardisierte Grundrisse, hohe Flächeneffizienz und serielle Bauweisen können Wohnräume ökologisch und ökonomisch nachhaltiger realisiert werden. Das Konzept richtet sich an Studierende, Projektmitarbeitende oder internationale Fachkräfte, die für einen begrenzten Zeitraum Wohnraum benötigen und zumindest erstmal eine Wohnung brauchen, bei der sie sich um nichts kümmern müssen. Zunehmend greifen auch Unternehmen darauf zurück, um ihren internationalen Mitarbeitenden und dringend gesuchten Fachkräften einen schnellen Einstieg am Standort zu ermöglichen. Ohne entsprechende Angebote würden diese Haushalte auf den klassischen Mietmarkt ausweichen und dort mit deutlich höheren Budgets zusätzlichen Mietsteigerungs-Druck erzeugen.

Ein Blick in den 12. Benchmark-Report der Initiative Micro-Living (Herbst 2025)i zeigt exemplarisch, wie sich das Segment Micro-Living entwickelt. Professionell betriebene Apartmenthäuser erreichen eine durchschnittliche Auslastung von knapp 97 Prozent und liegen damit auf einem stabil hohen Niveau. In den meisten dieser Objekte gehören voll möblierte Einheiten, digitale Mietverträge und grundlegende Services zur Grundausstattung: Gemeinschaftsflächen, schnelles Internet oder zusätzliche Angebote wie Fitnessbereiche sind ebenfalls weit verbreitet, wie auch emissionsarme Materialien und erneuerbare Energieträger.

Das zeigt den klaren Unterschied zur privaten, oft wenig strukturierten, möblierten Vermietung: Für 300 Wohnungen lassen sich Energiekosten über Rahmenverträge deutlich günstiger bündeln, auch die Betriebskosten können gezielt optimiert werden. Gleichzeitig sorgt eine professionell geplante Dateninfrastruktur für schnelles und stabiles Internet. Die Pflege und Instandhaltung von Gebäuden und Wohnungen übernimmt ein technischer Manager direkt vor Ort, jederzeit erreichbar und schnell zur Stelle. Mieter erhalten Unterstützung ohne lange Wartezeiten. Community Manager erleichtern zudem das Ankommen und fördern die soziale Integration, ob in der neuen Nachbarschaft, in der Stadt oder im neuen Land.

Wo Regulierung ansetzen sollte

Entscheidend ist dabei die Differenzierung innerhalb des Segments. Professionell betriebene Konzepte basieren auf regulären Mietverhältnissen, klaren Vertragsstrukturen und einem langfristig angelegten Betrieb. Sie unterscheiden sich damit grundlegend von informellen oder kurzfristigen Vermietungsmodellen im

Altbestand, die häufig im Zentrum regulatorischer Diskussionen stehen. Die aktuelle Debatte sollte diese Unterschiede stärker berücksichtigen. Regulierung kann dazu beitragen, Transparenz zu schaffen und Fehlentwicklungen zu begrenzen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, funktionierende Angebote pauschal abzulehnen und damit ein Segment zu schwächen, das eine konkrete Nachfrage bedient und zur Entlastung des Gesamtmarktes beiträgt.

Der Wohnungsmarkt der Zukunft wird nicht homogener, sondern vielfältiger. Temporäre Wohnformen sind Teil dieser Entwicklung. Sie greifen veränderte Lebensrealitäten auf und ergänzen bestehende Angebote dort, wo klassische Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Entscheidend wird sein, diese Vielfalt differenziert zu betrachten und in einen regulatorischen Rahmen einzuordnen, der sowohl gesellschaftlichen als auch wirtschaftlichen Anforderungen gerecht wird.

 

Über Greystar

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i https://bulwiengesa.de/de/publikationen/12-marktreport-der-initiative-micro-living

Der Autor
Matthias Euler
Managing Director, Greystar Germany & Austria

Das Event zum Thema

Dienstag, 16. Juni - Mittwoch, 17. Juni 2026
Jahreskongress Temporäres Wohnen
Berlin