Der Autor
Martin Eberhardt FRICSCEO/ Geschäftsführer, HELIX alpha GmbH
Bewertungsanpassungen, erschwerte Finanzierungen und selektivere Exit-Märkte sind die Folge. Für institutionelle Investoren rückt damit neben der Rendite eine zweite Dimension in den Fokus: strukturelle Resilienz.
Life Science Real Estate (LSRE) gewinnt in diesem Kontext an Bedeutung. Resilienz bedeutet hier stabile Cashflows über Zyklen hinweg, geringe Substituierbarkeit, hohe Eintrittsbarrieren und eine Nachfrage, die nicht primär konjunkturell, sondern strukturell getrieben ist. Während Büro- und Einzelhandelsimmobilien tiefgreifenden Veränderungen unterliegen, zeigt sich die industrielle Gesundheitswirtschaft deutlich robuster. Gesundheit ist kein klassisches Konsumgut, sondern systemrelevant.
Die Nachfrage nach Life-Science-Flächen basiert auf langfristigen Megatrends: demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt, Biotechnologie, personalisierte Medizin und Digitalisierung. Diese Entwicklungen erfordern spezialisierte Infrastruktur für Forschung, Produktion und Distribution – und diese ist immobiliengebunden. LSRE bildet damit die physische Grundlage einer wachstumsstarken Industrie.
Ein zentraler Resilienzfaktor liegt in der technischen Komplexität. Labor- und Produktionsflächen erfordern hochspezialisierte Gebäudetechnik, regulatorische Konformität (z. B. GMP) sowie spezifische Sicherheits- und Logistikstrukturen. Dies führt zu hohen Investitionskosten, langen Entwicklungszyklen und begrenztem Wettbewerb. Die Folge sind ausgeprägte Markteintrittsbarrieren und eine geringe kurzfristige Substituierbarkeit.
Auch auf Nutzerseite zeigt sich Stabilität. Life-Science-Unternehmen investieren erheblich in standortspezifische Fit-outs, Validierungen und Zulassungen. Diese hohen Switching Costs führen zu langfristigen Mietverhältnissen, hohen Verlängerungsquoten und gut planbaren Cashflows.
Darüber hinaus weist LSRE infrastrukturelle Eigenschaften auf: Systemrelevanz, langfristige Nutzerbindung und geringe konjunkturelle Sensitivität. Für institutionelle Investoren kann die Assetklasse daher eine Brückenfunktion zwischen Immobilien- und Infrastrukturallokation einnehmen. Eine Qualifizierung in die sogenannte Infrastrukturquote ist für regulierte Investoren grundsätzlich möglich.
Besonders hervorzuheben ist der inhärente Impact: Anders als in vielen Assetklassen entsteht der gesellschaftliche Nutzen nicht erst durch ESG-Maßnahmen, sondern durch die Nutzung selbst, etwa durch Forschung, Medikamentenproduktion und Sicherstellung der Gesundheitsversorgung.
Auch wenn LSRE nicht vollständig immun gegenüber Zins- und Bewertungszyklen ist, unterscheidet sich die Dynamik: Die Nachfrage ist nutzergetrieben und strukturell abgesichert, wodurch Volatilität tendenziell abgefedert wird.
Fazit: Life Science Real Estate ist keine Nische, sondern eine spezialisierte Assetklasse mit strukturellem Nachfragefundament, hohen Eintrittsbarrieren und langfristiger Nutzerbindung. In einem unsicheren Kapitalmarktumfeld kann LSRE – insbesondere in etablierten Clustern – einen stabilisierenden Baustein institutioneller Portfolios darstellen.