So aktivieren Immobilienbesitzer und -verwalter ungenutzten Parkraum wirtschaftlich und digital

Unsichtbare Parkplätze sichtbar machen

Unzählige Stellplätze in Tiefgaragen und Innenhöfen stehen leer – und kosten Rendite. Eine Studie im Kölner Agnesviertel zeigt: Mit digitaler Mehrfachnutzung lassen sich Flächen sofort monetarisieren, ganz ohne Neubau.

Yasotharan Pakasathanan 12. Januar 2026

In vielen verdichteten Stadtquartieren herrscht hoher Parkdruck im öffentlichen Raum, während gleichzeitig private Stellplätze in Tiefgaragen, Innenhöfen und Nebenflächen ungenutzt bleiben. Genau hier setzt eine aktuelle Studie im Kölner Agnesviertel an: Sie zeigt, dass private Stellplätze bislang kaum systematisch erfasst oder bewirtschaftet werden – obwohl sie für Eigentümer, Verwalter und die Quartiere selbst ein erhebliches Potenzial bieten.

Das Agnesviertel gehört zu den am dichtesten besiedelten Wohnquartieren Kölns. Rund 18.000 Menschen leben hier, öffentliche Stellplätze sind knapp und werden teilweise zurückgebaut, etwa zugunsten von Rettungswegen, Radinfrastruktur oder Aufenthaltsflächen. Gleichzeitig existieren über 1.900 private Stellplätze, deren durchschnittliche Auslastung bei nur rund 30 Prozent liegt – unabhängig von Tageszeit oder Nutzungsart. Selbst abends bleiben viele Stellplätze unbesetzt. Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das: Bereits vorhandene Flächen werden weder wirtschaftlich noch strategisch ausgeschöpft.

Besonders großes Potenzial liegt in Innenhöfen und Tiefgaragen, die zusammen den Großteil der ungenutzten Stellplätze ausmachen. Diese Flächen sind meist gut beleuchtet, sicher und räumlich nahe an den Nutzern – ideale Voraussetzungen für eine digitale Erschließung. Die Studie zeigt zudem, dass freie Stellplatzkapazitäten nicht nur bei Büro- oder Gewerbeimmobilien vorkommen, sondern in erheblichem Umfang auch bei Wohngebäuden und Mischimmobilien.

Durch digitale Mehrfachnutzung könnten im Agnesviertel rund 1.300 Stellplätze technisch aktiviert werden, was rechnerisch über 1.100 zusätzliche Stellplatzäquivalente ermöglichen würde. Der wirtschaftliche Vergleich ist eindeutig: Während der Neubau eines Tiefgaragenstellplatzes mit durchschnittlich rund 76.500 Euro zu Buche schlägt, lassen sich bestehende Stellplätze mit minimalem finanziellem Aufwand digital nachrüsten. Damit wird Parkraum ohne Neubau, zusätzliche Versiegelung oder langwierige Genehmigungsprozesse nutzbar gemacht.

Dass dieses Potenzial bislang häufig ungenutzt bleibt, liegt vor allem an drei Faktoren: fehlender Transparenz über den eigenen Stellplatzbestand, veralteten Zugangs- und Nutzungssystemen sowie rechtlichen Unsicherheiten – etwa in WEG-Strukturen oder bei Haftungsfragen. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Hürden mit klaren Prozessen, digitalen Lösungen und sauber definierten Verantwortlichkeiten gut überwindbar sind.

Für Eigentümer und Verwalter bietet die Mehrfachnutzung von Stellplätzen mehrere Vorteile zugleich: zusätzliche Erlöse aus bestehenden Flächen, höhere Servicequalität für Mieter und Besucher, weniger Parkkonflikte im Umfeld sowie positive Effekte im Sinne von ESG-Kriterien – etwa durch die Reduktion von Parksuchverkehr und eine effizientere Flächennutzung.

Fazit: Stellplatzbestände sind ein unterschätztes Asset der Immobilienwirtschaft. Die Studie aus dem Agnesviertel macht deutlich, dass der Schlüssel zur Parkraumwende nicht im Neubau liegt, sondern in der intelligenten, digitalen Aktivierung vorhandener Flächen. Wer bestehende Stellplätze sichtbar macht und flexibel nutzbar gestaltet, schafft sofort wirksamen Mehrwert – wirtschaftlich, städtebaulich und gesellschaftlich.

Der Autor
Yasotharan Pakasathanan
Founder & CEO, ampido GmbH

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