Der Autor
Freimut StaussVorsitzender, home2be
Im Pflegewohnbau sprechen wir viel über Zukunft. Über Renditen, Fördermodelle, Neubauquoten und Exit-Szenarien. Gebaut wird jedoch häufig so, als würden sich Nutzung, Pflegekonzepte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den nächsten Jahrzehnten kaum verändern.
Diese Diskrepanz ist eines der zentralen Probleme der Branche.
Ich komme nicht aus der Finanzwelt. Ich komme aus dem Handwerk, aus der praktischen Umsetzung und aus dem HealthCare-Umfeld. Dort zeigt sich sehr schnell, ob ein Konzept trägt. Nicht in der Wirtschaftlichkeitsberechnung, sondern im Betrieb, im Umbau, im täglichen Umgang mit Bewohnern, Pflegepersonal und Technik.
Die Herausforderungen sind bekannt: steigende Bau- und Energiekosten, Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen und ein massiver Sanierungsstau im Bestand. Die dominierende Antwort darauf lautet häufig Standardisierung. Typisierte Grundrisse, serielle Lösungen, maximale Effizienz in der Erstellung.
Standardisierung löst kurzfristig Probleme. Langfristig erzeugt sie jedoch neue, starre Gebäude, hohe Folgekosten und geringe Anpassungsfähigkeit. Gerade im Pflegebereich ist das fatal. Pflegeimmobilien sind keine statischen Produkte. Nutzungen ändern sich. Pflegegrade, Wohnformen, gesetzliche Vorgaben und Betreiberkonzepte entwickeln sich weiter. Trotzdem entstehen vielerorts Strukturen, die genau diese Veränderung erschweren.
Wenn heute über Revitalisierung, Umnutzung und Bestandsentwicklung gesprochen wird, entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit oft nicht im großen Konzept, sondern im Detail. Im Innenausbau. In der Frage, ob Bauteile demontierbar sind. Ob Strukturen angepasst werden können, ohne den Betrieb wochenlang lahmzulegen. Ob Umbau bezahlbar bleibt oder zum wirtschaftlichen Risiko wird.
Aus meiner Sicht liegt hier ein entscheidender Hebel für die Zukunftsfähigkeit von Pflegeimmobilien: konsequentes Lebenszyklusdenken. Nicht als Schlagwort, sondern als Planungsprinzip. Lebenszyklusdenken entscheidet darüber, ob ein Gebäude nach zehn Jahren zum Kostenproblem wird und nach 30 Jahren überhaupt noch nutzbar sein wird.
Das betrifft Neubau ebenso wie Bestand. Gerade bei der Umnutzung von Gewerbeimmobilien oder der Nachverdichtung braucht es Lösungen, die flexibel, robust und reparierbar sind. Weniger komplex. Weniger endgültig. Dafür anpassbar und betrieblich sinnvoll.
Gleichzeitig braucht es neue Formen der Zusammenarbeit. Investoren, Entwickler, Betreiber, Planer und Hersteller müssen früher und ehrlicher miteinander sprechen. Weniger Übergaben. Weniger Schnittstellenverluste. Mehr persönliche Verantwortung für das, was später im Betrieb funktioniert oder scheitert.
Die Zukunft des Pflegewohnens entscheidet sich nicht in Finanzierungsmodellen, Förderkulissen oder Baukostenkennzahlen. Sie entscheidet sich in der Summe vieler Entscheidungen, die heute getroffen werden. Oft unscheinbar, aber mit großer Wirkung.
Wer Pflegeimmobilien plant, ohne Umbau, Rückbau und Anpassung mitzudenken, verschiebt Kosten und Verantwortung lediglich in die Zukunft.
Zukunft entsteht dort, wo Verantwortung übernommen wird. Früh. Bewusst. Und mit Blick auf den Betrieb.
Freimut Stauss, Vorsitzender, home2be & Key Account Manager Health Care, HÄFELE SE & Co KG
E-Mail: freimut.stauss@haefele.de
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