Herausforderungen und Lösungen in der Metropolregion Nürnberg angesichts der neuen Realität des Immobilienmarkts

Transformation mit regionalem Takt

Trotz wirtschaftlicher Stärke steht auch Nürnbergs Immobilienmarkt vor Herausforderungen: hohe Baukosten, ESG-Vorgaben und Wohnraummangel verlangen flexible, nachhaltige Konzepte – von kompaktem Wohnraum bis zur Umnutzung von Beständen.

Dr. Tilman Engel 20. November 2025

Die Metropolregion Nürnberg gehört zu den wirtschaftlich stabilsten Regionen Deutschlands. Internationale Konzerne bilden zusammen mit einem starken Mittelstand ein solides Fundament. Hinzu kommt eine hohe Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die für Wissenstransfer, Innovation und Fachkräftenachwuchs sorgen. Diese Kombination macht Nürnberg nach wie vor zu einem Standort mit langfristigen Perspektiven für Unternehmen und Investoren.

Trotz dieser stabilen Basis steht die Immobilienwirtschaft hier vor denselben Herausforderungen wie bundesweit: gestiegene Bau- und Finanzierungskosten, ESG-Vorgaben, digitale Transformation, sich wandelnde Arbeitswelten und das Thema Wohnraummangel.

Wohnraummangel: Leistbarkeit und kleine Wohnungsgrößen stehen im Fokus

Bis 2028 müssten jährlich rund 2.400 neue Wohnungen in Nürnberg entstehen, um die Nachfrage zu decken*. Besonders gefragt sind kleine, bezahlbare Einheiten, die gezielt Singles, Studierende oder ältere Menschen ansprechen.

Für Projektentwickler bedeutet das, Lösungen zu schaffen, die wirtschaftlich tragfähig, flexibel nutzbar und langfristig leistbar sind. Kompakte 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen ermöglichen es, unterschiedliche Nutzergruppen zu bedienen und gleichzeitig Bau- und Flächenkosten effizient zu gestalten. Solche Wohnformen tragen dazu bei, dass die wachsende Nachfrage gedeckt wird, ohne dass die Mietbelastung überproportional steigt. Wohnraumplanung muss heute mehr leisten als reine Flächenproduktion, sie muss funktional, anpassbar und bezahlbar sein, um die langfristige Versorgung sicherzustellen.

Flexibilität als entscheidender Erfolgsfaktor

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Gebäuden zählt generell zu den wichtigsten aktuellen Anforderungen an die Immobilienwirtschaft. Nutzungsbedarfe verändern sich in kürzeren Zeiträumen - das gilt insbesondere auch für gewerbliche Immobilien. Gefragt sind Flächen, die mitwachsen oder sich verkleinern, und sich mit vertretbarem Aufwand für andere Nutzungen öffnen lassen.

Klassische, klar definierte Bürostrukturen verlieren an Bedeutung. Es braucht Konzepte, die auf verschiedene Nutzungen vorbereitet sind - ob Büro, Dienstleistung, Bildung oder Gesundheit. Diese Flexibilität wird zunehmend zum Maßstab für langfristige Werthaltigkeit.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt „The One“, das moderne Büroflächen mit Dienstleistungsflächen im Gesundheits- und Fitnessbereich kombiniert. Der Gesundheitstrend wird zum festen Bestandteil urbaner Nutzungskonzepte, gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Gebäude müssen künftig Raum für solche Entwicklungen bieten, um langfristig relevant zu bleiben.

Smart und nachhaltig: Gebäude für die Zukunft

Neben funktionaler Flexibilität sind Nachhaltigkeit und smarte Gebäudesteuerung heute zentrale Stellschrauben für die Zukunftsfähigkeit von Gebäuden. Digitale Systeme, wie wir sie etwa bei „The One“ eingesetzt werden, ermöglichen es, Energieverbräuche zu optimieren und Betriebsprozesse effizient zu steuern. Damit sorgen sie unmittelbar für Energieeffizienz und Ressourcenschonung.

Zugleich wächst die Bedeutung des Bestands: Nicht immer ist Neubau die wirtschaftlich oder ökologisch beste Lösung. Bei Sontowski & Partner setzen wir mit unserer Beteiligung S&P Grund Invest gezielt auf Investitionen in Bestandsimmobilien im Wohnbereich und prüfen, wie durch energetische Sanierung und neue Nutzungskonzepte Mehrwert geschaffen werden kann.

Nutzung neu denken – Umwandlung in Bildungsimmobilien

Chancen liegen dabei auch in der sinnvollen Umnutzung von Bestandsimmobilien. Ein gelungenes Beispiel ist das Projekt „N74“ in Erlangen, das unsere Beteiligung S&P Commercial Development für die Sparkasse Erlangen umgesetzt hat. Ein ehemaliges Siemens-Gebäude wurde in eine moderne Bildungsimmobilie umgewandelt - mit Laboren, Forschungs- und Lehrflächen.

Die Hochschuldichte in der Region sorgt für einen großen Bedarf an zeitgemäßen Bildungsimmobilien. Projekte, die diesen Bedarf bedienen, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Standorts.

Fazit: Stabilität als Basis für Wandel

Die Metropolregion Nürnberg ist kein Krisenstandort, sondern ein stabiler Markt mit hoher Innovationskraft. Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtentwicklung greifen hier eng ineinander. Doch die Branche steht vor der Aufgabe, bekannte Wege zu verlassen: Flexibilität, Umnutzung und Digitalisierung sind keine Trends, sondern Voraussetzungen für Zukunftsfähigkeit.

*Nürnberger Nachrichten: Wohnungsnot trotz Leerstand. 22.08.2024

Der Autor
Dr. Tilman Engel
Geschäftsführer, Sontowski & Partner Group

Das Event zum Thema

Dienstag, 2. Dezember - Mittwoch, 3. Dezember 2025
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