Der Autor
Stefan KattendickAssociate Partner, Drees & Sommer
CO₂-Bilanz wird zur neuen Leitwährung
Der Klimawandel und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit machen die CO₂-Bilanz über den Lebenszyklus zum zentralen Maßstab. Mit der Einführung des EU-Emissionshandels für Gebäude – voraussichtlich ab 2028 – sowie der Umsetzung der neuen Gebäude-Energierichtlinie wird die CO₂-Betrachtung künftig genauso relevant wie die klassischen Baukosten. Für uns in der Region bedeutet das: Jedes neue Projekt – ob Wohnquartier, Gewerbebau oder Sanierung – muss konsequent unter Lebenszyklusgesichtspunkten geplant werden.
Vom Baustoff zum Kreislaufprodukt
Nachhaltigkeit beginnt lange vor der Nutzung, nämlich bei der Materialwahl. Jeder Baustoff bringt einen „CO₂-Rucksack“ mit, der über seine Herstellung, seinen Transport und seine Entsorgung entscheidet. Das Zukunftsthema lautet daher: Zirkularität. Wir müssen Gebäude von Anfang an so planen, dass ihre Materialien später wiederverwertet oder weiterverwendet werden können.
Zirkularität und Urban Mining eröffnen daher neue Chancen für die Bauwirtschaft. In Baden-Württemberg entstehen dazu regionale Sekundärrohstoffzentren, die Recycling und Wiederverwendung stärken. Gerade in Quartiersentwicklungen oder großen Sanierungsprojekten sehen wir das Potenzial, Recycling-Hubs als feste Bestandteile der Bauprozesse zu etablieren.
Einfacher bauen und klüger planen
Nachhaltigkeit muss zur neuen Normalität werden – mit einfacheren, klugen Baulösungen, die gemeinsam mit Politik und Industrie entwickelt werden. Das bedeutet: unnötige regulatorische Hürden abbauen, Wiederverwendung erleichtern und Planungsprozesse verschlanken. Wir müssen hinterfragen, wo wir mit überkomplexen Normen wie bei der Wärmedämmung über das Ziel hinausschießen und gleichzeitig Innovationen fördern, die Ressourcen schonen und Kosten reduzieren.
Vom Pilotprojekt zur Praxis
Mit Projekten wie „The New 22“ in Stuttgart erprobt Drees & Sommer den Gebäudetyp E. Dabei handelt es sich um einen Ansatz für einfacheres, effizienteres und experimentelles Bauen. Diese Erfahrungen übertragen wir zunehmend auch auf regionale Projekte: für kommunale Liegenschaften, Quartiere oder Gewerbebauten. Ziel ist es, funktionale, CO₂-arme und zirkuläre Gebäude zu schaffen, die sich flexibel anpassen und wirtschaftlich betreiben lassen.
Wachstum mit Weitblick für Freiburg
Der Immobilien-Dialog Freiburg stellt die richtigen Fragen: Wie gestalten wir Stadt und Region zukunftsfähig? Für uns bei Drees & Sommer Freiburg heißt das:
• Ganzheitliche Lebenszyklusbetrachtung statt reiner Baukostenfokussierung
• Zirkuläres Planen und Bauen als Standard, nicht als Ausnahme
• Einfachheit und Pragmatismus in Regulierung und Ausführung
• Regionale Kooperationen zwischen Stadt, Wirtschaft und Forschung
• Mut zu Pilotprojekten, die zeigen, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich ist
Nur wenn wir Klimaschutz, Ökonomie und gesellschaftlichen Mehrwert zusammenbringen, gelingt der Wandel. Freiburg bietet die besten Voraussetzungen dafür, als eine Stadt, die schon heute Zukunft baut.