Ville Campus Erftstadt:

Das größte Holzbauprojekt Nordrhein-Westfalens entsteht

In Erftstadt entsteht mit dem Ville Campus ein zukunftsweisendes Projekt, das in vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt.

Marc Boehnke 21. August 2025
Baustelle des Ville Campus Erftstadt
Quelle: greenarchitects

Bis Anfang 2027 wird hier die neue Hochschule des Bundes realisiert – und zwar vollständig in Holzmodul- und Holzelementbauweise. Damit entsteht nicht nur das bislang größte Holzbauprojekt Nordrhein-Westfalens, sondern auch ein Beispiel für ganzheitlich gedachte Bildungsarchitektur, die ökologische Verantwortung mit architektonischer Qualität und sozialem Mehrwert verbindet.

Geplant wurde das Projekt von greeen! architects aus Düsseldorf in enger Zusammenarbeit mit der Bauherrenschaft. Der Ville Campus wird die Auszeichnung DGNB Gold erhalten und bindet durch seine Bauweise etwa 10.000 Tonnen CO₂. Das Vorhaben unterstreicht damit eindrucksvoll, wie konsequenter Klimaschutz im Immobiliensektor umgesetzt werden kann.

Die Entscheidung für Holz als zentralen Baustoff hat viele Gründe. Angesichts der Klimakrise, deren Auswirkungen immer deutlicher spürbar sind, gewinnt ressourcenschonendes Bauen zunehmend an Bedeutung. Rund 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entstehen in der Immobilienwirtschaft – entsprechend groß ist die Verantwortung der Branche, neue Wege einzuschlagen. Holz kann dabei als Schlüsselressource gelten. Jeder Kubikmeter des Materials speichert etwa eine Tonne CO₂ und wirkt als aktiver Klimaschutz. Während die Herstellung einer Tonne Zement im Schnitt 580 Kilogramm CO₂ verursacht und damit allein der jährliche Verbrauch in Deutschland über 17 Millionen Tonnen Emissionen produziert, bietet Holz eine klimafreundliche Alternative, die zudem zirkulär genutzt werden kann.

Auch die Baupraxis spricht für den Einsatz von Holz. Durch die hohe Vorfertigung, die modulare Bauweise und kurze Bauzeiten lassen sich Projekte nicht nur ressourcenschonender, sondern auch schneller und wirtschaftlich realisieren. Hinzu kommen geringere Belastungen durch Baustellenlärm und Staub sowie die Möglichkeit, mit leichteren Konstruktionen innerstädtische Verdichtung, Sanierungen und Aufstockungen effizient umzusetzen. Holz stärkt darüber hinaus regionale Wertschöpfungsketten, da Lieferwege kürzer und Produktionsprozesse oftmals stärker lokal verankert sind. 

Die Bundesregierung hat die Relevanz dieses Themas erkannt und mit der Holzbauinitiative zusätzliche Anreize für Bauherrinnen und Bauherren geschaffen. Organisationen wie die „Koalition für Holzbau“ unterstützen dabei, Unsicherheiten abzubauen und beraten, wie Projekte von der Planung bis zur Realisierung überzeugend umgesetzt werden können.

Der Ville Campus in Erftstadt vereint diese Ansätze. Auf einem etwa 3,4 Hektar großen Grundstück entstehen neben dem Hochschulgebäude zwei Wohngebäude mit insgesamt 528 Apartments und einer Bruttogrundfläche von rund 30.000 Quadratmetern. Umgeben werden sie von großzügigen Außenbereichen, die von den Landschaftsarchitekten des Büros greenbox gestaltet werden. Durch grüne Freiflächen, begrünte Innenhöfe und Dachflächen wird die Biodiversität gestärkt, während gleichzeitig Aufenthaltsräume für die Studierenden geschaffen werden.

Das Energiekonzept ist zu 100% fossilfrei und unterschreitet den EH40-Standard noch einmal um 30 Prozent. Die Gebäude orientieren sich am Verlauf der Sonne, wodurch sich Kühllasten minimieren lassen. Ergänzt wird dies durch eine kluge Regenwasserrückhaltung, die den Campus zu einem zentralen Bestandteil lokaler Wasserstrategien macht. Auch das Prinzip der Kreislaufwirtschaft ist im Projekt fest verankert: Nach dem Cradle-to-Cradle-Ansatz können alle verbauten Materialien später wiederverwendet und Ressourcen so dauerhaft geschont werden.

Mit seiner Verbindung von ressourcenschonender Bauweise, hochwertigen Kommunikationsflächen und nachhaltig gestaltetem Wohnraum ist der Ville Campus mehr als nur ein Hochschulprojekt. Er ist ein ökologischer Bildungscampus, der ökonomische, soziale und ökologische Aspekte zu einem zukunftsoffenen Baukonzept zusammenführt. Vor allem aber ist er ein starkes Signal an die Branche, dass moderner Holzbau längst über Modellcharakter hinausgeht und das Bauen von morgen entscheidend prägen wird.

Der Autor
Marc Boehnke
Geschäftsführer, greeen! architects

Das Event zum Thema

Dienstag, 4.November.2025
Be our Guest – Bauen mit Holz
Hamburg