Warum der Schlüssel gegen Wohnraummangel nicht alleine im Neubau liegt.

Wie Künstliche Intelligenz das Wohnpotenzial im Bestand freilegt

Der Wohnraummangel zählt zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit und ist zugleich die zentrale Aufgabe der Immobilienwirtschaft.

Matthias Zühlke 31. Juli 2025
Nachverdichtungs- und Aufstockungspotenziale sowie Mieten in München
Quelle: Syste

 

Bezahlbarer Wohnraum in Deutschland ist Mangelware, insbesondere in den Ballungsräumen, und die Lage spitzt sich weiter zu. Doch Zinsanstieg, Inflation, hohe Materialpreise und ein Paragrafendschungel stehen Neubauprojekten im Weg. Die politische Diskussion kreist seit Jahren um dieselben Forderungen – mehr Förderung, weniger Auflagen, schnellere Verfahren. Doch während Politik und Öffentlichkeit primär über Neubau und beschleunigte Genehmigungen diskutieren, bleibt ein zentraler Hebel oft unbeachtet: der Gebäudebestand. Hier liegt ebenfalls eine Chance, neuen Wohnraum zu schaffen.

 Bestand neu denken mit Künstlicher Intelligenz

 Dachgeschosse, Innenhöfe, leerstehende Gebäude – in vielen Städten schlummern ungenutzte Flächen, die längst Potenzial für zusätzlichen Wohnraum bieten. Doch in der Praxis gelten sie oft als zu komplex, zu teuer oder zu risikobehaftet. Genau hier setzt Künstliche Intelligenz (KI) an, denn sie bringt mehr Transparenz in den Markt. 

Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen kann KI aufzeigen, wo sich eine Nachverdichtung lohnt, welche Maßnahmen förderfähig sind und wie hoch die zu erwartenden Investitionskosten ausfallen. Sie hilft, das wirtschaftliche Potenzial eines Projekts bereits frühzeitig zu bewerten, ohne lange auf detaillierte Analysen warten zu müssen. Diese erste Einschätzung liefert eine solide Grundlage für die Entscheidung, ob es sich lohnt, ein Projekt weiterzuverfolgen. Ein konkretes Beispiel: Allein in München fehlen derzeit über 10.000 Wohnungen. Eine Analyse der Aufstockungs- und Nachverdichtungspotenziale von syte und PriceHubble zeigt, dass in München durch gezielte Maßnahmen bis zu 3.000 neue Wohnungen à 50 Quadratmeter entstehen könnten – ganz ohne zusätzliche Flächenversiegelung. 

Gerade Aufstockungen, Umnutzungen oder energetische Sanierungen lassen sich im Bestand oft schneller und effizienter umsetzen als ein kompletter Neubau. Und aufgrund attraktiver Förderprogramme wird dieser Weg auch wirtschaftlich interessant. 

Verknüpfung von Expertise und Künstlicher Intelligenz 

Dennoch ersetzt KI keine Expertise, sie erweitert sie. Projektentwickler, Planer und Architekten bringen das Erfahrungswissen ein, KI liefert das datenbasierte Fundament. Diese Verbindung schafft belastbare Entscheidungsgrundlagen, reduziert Unsicherheiten und verkürzt die Zeit vom Konzept zur Umsetzung deutlich. Wer Wohnraum schaffen will, muss das Unsichtbare sichtbar machen. KI ist dabei kein Ersatz für den Spatenstich, aber sie kann den entscheidenden ersten Schritt darstellen, um Potenziale im Bestand schnell und effizient zu identifizieren.

Der Autor
Matthias Zühlke
CEO & Co-Founder, syte GmbH

Das Event zum Thema

Mittwoch, 3. September - Donnerstag, 4. September 2025
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