Die Autorin
Dipl.-Ing., MBA Jessica HeilemannTeamleitung BIM, Bauwens Construction GmbH & Co. KG
Building Information Modeling (BIM) wird auch 2025 noch oft als theoretisches Konzept wahrgenommen – als etwas, das in der Praxis zu aufwendig oder zu komplex sei. Dabei liegt gerade in der Theorie der größte praktische Nutzen: Wer BIM richtig versteht und anwendet, kann bereits in der Planungsphase Zeit, Kosten und Reibungsverluste einsparen – und Projekte realisieren, die ohne diese Methodik kaum umsetzbar wären.
Besonders bei großen und komplexen Bauvorhaben zeigt sich die Stärke von BIM. Komplexität entsteht dabei nicht nur durch Geometrie, sondern vor allem durch die Vielzahl an Stakeholdern mit unterschiedlichen Anforderungen – von Investoren über Mieter bis zur Bauausführung. Hinzu kommen technische Zielkonflikte, etwa zwischen Einbruch- und Brandschutz oder sich entgegenstehenden Anforderungen. BIM schafft hier eine gemeinsame, digitale Grundlage, auf der Entscheidungen fundiert und koordiniert getroffen werden können.
Ein Beispiel ist das „Friedrich und Karl“ Projekt. Die geometrisch eher einfache, aber planerisch anspruchsvolle Gebäudeverortung, spitze Winkel und komplexe Schnittstellen wurden durch modellbasierte Planung effizient gelöst. Bauablaufsimulationen ermöglichten eine exakte Planung etwa für Gerüstbau und Fassadenmontage. Ohne BIM wäre die Projektplanung in der vorgesehenen Zeit und Qualität kaum realisierbar gewesen.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Trotz dieser Erfolge bleibt die Skepsis gegenüber BIM bestehen. Häufig fehlt eine abgestimmte, pragmatische Anwendung – wer nur ein Stück BIM bestellt, bekommt auch nur ein Stück BIM. Auftraggeber wissen oft nicht, was sie konkret beauftragen sollen, und kleinere Unternehmen scheuen die hohen Softwarekosten. Die Immobilienkrise hat Investitionen zusätzlich gebremst, und der Trend zum Bauen im Bestand erschwert die Anwendung, da sich das volle Potenzial vor allem im Neubau entfaltet.
Dabei ist der Nutzen klar: weniger Kommunikationsschleifen, weniger Nacharbeiten, weniger Verzögerungen. Die Leistungsfähigkeit zeigt sich in der Möglichkeit, Planunterlagen direkt aus dem Modell abzuleiten und komplexe Anforderungen frühzeitig zu koordinieren. Was oft fehlt, ist nicht technisches Know-how, sondern gute Projektleitung, klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Verständnis im Team.
Internationale Standards und der openBIM-Kernworkflow schaffen die Basis für eine gemeinsame Sprache im Projektteam. Wenn Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, entsteht echte Zusammenarbeit. So wird aus Daten ein digitaler Fluss, der Projekte verbindet, vereinfacht und erfolgreich macht – wie ein gutes Rezept, das alle verstehen und gemeinsam umsetzen können.BIM ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug – kein Allheilmittel, aber ein Enabler.
Es ersetzt nicht die Projektsteuerung, aber es macht sie effizienter. Es löst nicht alle Probleme, aber es macht sie sichtbar. Und genau das ist die größte Stärke – und zugleich sein größtes Hindernis. Denn Transparenz ist unbequem. Doch wer sich ihr stellt, wird belohnt: mit besseren Projekten, zufriedeneren Beteiligten und einer Planung, die nicht nur auf dem Papier funktioniert – denn wir planen, um zu bauen.
,,Die BIM-Methode haben wir für die Projektentwicklung bereits in der Konzeptphase fest im ganzen Team vereinbart. Das war wesentlich für die Auswahl des Planungsteams, damit die Anlaufphase zur Abstimmung aller Beteiligten untereinander erfolgreich ist. Ab der Entwurfsplanung greift dann alles ineinander und die Modelle der einzelnen Disziplinen ergeben ein Sinnvolles Ganzes, in das wir als Bauherr voll integriert sind.“ Stefan Höher, verantwortlicher Bereichsleiter bei Bauwens Development und verantwortlich für die Projektentwicklung Friedrich und Karl