30.04.2024
Josef Huber

Die Rückkehr des Holzbaus in die Städte

Mit Holzbau aus der Klimakrise

Holzbau und Qualität

Das Bauen wird aufgrund der hohen Anforderungen insbesondere auch an die thermische Gebäudehülle immer komplexer. Gleichzeitig werden gerade die Fach­kräfte auf den Baustellen immer weniger. Die Holzbauweise verlagert durch die Vorfertigung einen Großteil der Arbeiten in die Werkstatt - und dort findet man ganzjährig gleiche Arbeitsbedingungen vor. In der Regel stehen für schwere Arbei­ten Hilfsmittel zur Verfügung, und der Produktionsprozess hat eine organisierte Qualitätsüberwachung. In einem modernen Holzbaubetrieb werden Wände mit der kompletten Fassade, den Fenstern und den elektrischen Leitungen in den Werkshallen vorgefertigt, ebenso Decken und Dächer in Großtafelelementen. Damit dieser Fertigungsprozess erfolgen kann, ist es unabdingbar, bis dahin die Planung des Gebäudes abgeschlossen zu haben.

Neben den statischen und bauphysikalischen Berechnungen sind das auch die Planungen für die Technikgewerke (Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro). Mit modernen Methoden wie 3-D-Planung und BIM (Building Information Model­ling) werden dabei Fehler und etwaige Kollisionen vor dem Baubeginn entdeckt und korrigiert. Die in herkömmlichen Bauprojekten oftmals baubegleitende Pla­nung wird durch die aufgrund der Vorfertigung notwendige Prozessänderung aus­geschlossen. Durch die Planungsfertigstellung vor Baubeginn steigen auch die Terminzuverlässigkeit und die Kostensicherheit.

Holzbau ist schnell

Durch den hohen Vorfertigungsgrad im Holzbau reduzieren sich die Bauzeiten vor Ort deutlich, wiederum mit einem positiven Effekt für die Umwelt. Beein­trächtigungen für Anwohner wie Lärm, Staub und Baustellenverkehr vermindern sich durch die Vorfertigung erheblich. Die Akzeptanz von Baumaßnahmen gerade innerorts steigt dadurch, da die betroffenen Nachbarn meist nur in einem über­schaubaren Zeitraum mit den Belastungen einer Baustelle zu leben haben. Dazu steigt durch die Vorproduktion im Werk die Planbarkeit von Bauabläufen und damit wiederum die Terminsicherheit - das ist auch für die Wirtschaftlichkeit von Bauinvestitionen von großer Bedeutung.

Am Beispiel eines aktuellen Projektes sollen die vorgenannten Aspekte verdeut­licht werden. In München sind 2020/21 am Reinmarplatz im Stadtteil Nymphen­burg im Auftrag der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag 144 Wohnun­gen in Holzbauweise entstanden. Das Besondere dabei ist, dass diese über einem öffentlichen Parkplatz des nahe gelegenen Dantebades und Dantestadions errich­tet wurden - und dieser Parkplatz weiter für die Öffentlichkeit nutzbar bleibt.

Über dem vorhandenen Parkplatz wird auf Stützen eine Betonplatte erstellt, welche die darüberliegenden vier Geschosse in Holzbauweise trägt. Lediglich die Laubengänge, die zu den Wohnungen führen, und die Treppenläufe sind aus Beton. Alle anderen tragenden Bauteile wie Wände, Decken und Dach, ja selbst das Treppenhaus und die Aufzugschächte sind aus Holz errichtet. Und unter dem Gebäude kann weiter ebenerdig geparkt werden.

Nach Abschluss der Planungsarbeiten im Juli 2020 starteten vor Ort die Arbei­ten für die Fundamente, die Stützen und die Betonplatte. Gleichzeitig begann die Vorfertigung der Holzwände und Holzdecken im Werk. Die Montage des Holz­baus für die 144 Wohnungen erfolgte von November 2020 bis März 2021. Die Übergabe der schlüsselfertig erstellten

Wohnanlage fand im Oktober 2021 statt -gerade mal 15 Monate nach dem Baustart. Der hohe Vorfertigungsgrad der Holz­bauweise sparte nach Aussage des Bauherrn mindestens ein Jahr Bauzeit - Holz­bau ist eben schnell, die Übergabe des Bauwerks an die Bauherren erfolgte drei Monate vor dem vertraglich vereinbarten Zeitpunkt!

Bei diesem Projekt wurden für die Außen- und Innenwände und Decken, für das Dach und die Fassade rund 2. 500 Kubikmeter heimisches Holz verbaut. Damit sind in den Wohnungen mit insgesamt 8.200 Quadratmeter Wohnfläche etwa 2.500 Tonnen C02 dauerhaft gebunden. Das in dem Gebäude gebundene C02 entspricht also dem Durchschnittsverbrauch4 an C02 von circa 215 Bundes­bürgern! Das für dieses Projekt benötigte Holz wächst im Übrigen alleine in Bay­ern in 70 Minuten nach.

Für diese neue Wohnanlage wurden keine neuen Flächen versiegelt, und dafür ist eine ehemals trostlose asphaltierte Parkfläche mitten in der Stadt attraktiv neu und nachhaltig gestaltet worden. Und es entsteht der in München dringend benö­tigte kostengünstige Wohnraum, ohne dass weitere Flächen versiegelt werden, das dazu überwiegend verwendete Baumaterial wächst nach, und das Gebäude ist für einen langen Zeitraum eine Kohlenstoffsenke. Holzbau bedeutet ressourcen- und klimaschonendes Bauen.

Das Bauen mit Raummodulen - natürlich aus Holz

Die Evolution im Bauen schreitet weiter voran. Mit der Vorfertigung von 3-D­Raummodulen, welche mit der gesamten Haustechnik und sogar mit der kom­pletten Innenausstattung im Werk vorgefertigt werden, entwickelt sich gerade eine neue Art des Bauens in höchster Qualität. Aufgrund seines geringen Gewichtes in Verbindung mit der hohen Tragfähigkeit sowie seiner Behaglichkeit ist Holz hier­für hervorragend geeignet. In letzter Zeit sind überzeugende Projekte wie »das Woodie«, ein Studentenwohnhaus in Hamburg, oder »die Timber Town Strau­bing«, mehrere drei- bis viergeschossige Wohnanlagen, mit Raummodulen aus Holz errichtet worden. Dadurch, dass man bei der Herstellung von Raummodu­len nahezu sämtliche Ausbaugewerke anstatt auf der Baustelle in den Werkshal­len ausführt, erzielt man noch kürzere Bauzeiten mit enormen Qualitätsvorteilen, bedingt durch die stationäre Produktion. Dies kann auch ein Instrument gegen den zunehmenden Facharbeitermangel auf den Baustellen sein. Neben einer bes­seren Qualitätssicherung im Werk sind diese Arbeitsplätze auch attraktiver und angenehmer als entsprechende Baustellentätigkeiten.

Die Zukunft des Bauens

Die Zukunft des Bauens ist klimaneutral und ressourcenschonend, mit hoher Qualität und schnell- und ist mit dem modernen Holzbau bereits heute realisier­bar. Haben noch vor zehn Jahren Holzgebäude mit vier, fünf oder sechs Geschos­sen in der Fachpresse für eine große Aufmerksamkeit gesorgt, ist dies heute schon Normalität. Nicht nur einzelne Leuchtturmprojekte, sondern der Bau ganzer Stadtteile aus Holz, wie der Prinz-Eugen-Park in München mit mehr als 500 Woh­nungen, zeigen das Potenzial dieser Bauweise auf.

Eine Rückkehr des Holzbaus in die Städte ist nicht nur möglich, sondern auch dringend geboten.

Das Event zum Thema
Der Autor
Josef Huber
Geschäftsführender Gesellschafter
HUBER & SOHN GMBH & Co. KG