18.03.2024
Dr. Johannes Wall

Zirkuläres Bauen – ressourcenschonend und nachhaltig

Die Bedeutung der Baubranche für die Kreislaufwirtschaft

Das Bauwesen ist für rund 50 % aller Abfälle verantwortlich. Zudem wird die Hälfte aller weltweit abgebauten Ressourcen für neue Bauwerke verwendet. Effektive Strategien sind gefragt, um Abfall zu minimieren und der Ressourcenverknappung entgegenzuwirken.

Das Bauen der Zukunft wird sich grundlegend verändern.

Die Baubranche ist ein entscheidender Akteurin in der Kreislaufwirtschaft, da sie große Mengen an Rohstoffen und Ressourcen verbraucht. Durch die Förderung von Recycling und Wiederverwendung können Abfälle minimiert und wertvolle Materialien in den Wirtschafts- und Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Etwa 50 % des Abfallaufkommens in Deutschland und Österreich ist auf die Baubranche zurückzuführen. Angesichts der steigenden Ressourcenverknappung und möglicher Lieferengpässe ist eine effiziente Nutzung und Wiederverwendung von Baumaterialien unerlässlich, um die Nachhaltigkeit der Baubranche zu verbessern und ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern.

Unsere Strategie 2030
Der STRABAG Konzern verfolgt mit seiner Strategie 2030 „People. Planet. Progress“ einen umfassenden Ansatz zur Förderung von zirkulärem Bauen und Kreislaufwirtschaft. In Anbetracht der zunehmenden Herausforderungen wie Ressourcenknappheit und hoher Abfallmengen, setzt STRABAG auf eine Reihe von Maßnahmen, um das Bauen der Zukunft aktiv mitzugestalten.

Zunächst wird eine nachhaltige Beschaffung von Baumaterialien aus ökologisch verträglichen Quellen gefördert. Dabei wird verstärkt auf recycelte oder wiederverwertbare Materialien gesetzt, um den Verbrauch endlicher Ressourcen zu verringern. Hier wird unter anderem das Cradle-to-Cradle Prinzip verfolgt. Cradle-to-Cradle (von der Wiege zur Wiege) ist ein Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft und beschreibt das Prinzip eines idealisierten, geschlossenen Rohstoffkreislaufs nach dem Vorbild der Natur, bei dem alle Rohstoffe eines Produkts nach dem Nutzungszeitraum zu 100 % im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können.

Des Weiteren werden kreislaufgerechte Planungsansätze bereits in der frühen Phase von Bauprojekten integriert. Hierbei werden innovative Lösungen entwickelt, um die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien auf Baustellen zu fördern, wie zum Beispiel der Einsatz von rezyklierten Gesteinskörnungen für Recyclingbeton (R-Beton).

STRABAG arbeitet eng mit Industriepartnern, der Wissenschaft und der öffentlichen Hand zusammen, um gemeinsam innovative Lösungen für eine nachhaltige Bauwirtschaft zu entwickeln und umzusetzen. In folgenden Projekten wurden bereits einige dieser Ansätze beispielhaft umgesetzt.

Modernisierung Mercedes Benz/MHP Arena
Für die Fußball Europameisterschaft 2024 wird die Stuttgarter Mercedes-Benz/MHP Arena modernisiert. Ein zentraler Aspekt der Baumaßnahme war die Verwendung von recyceltem Beton und die Integration von Recyclingkonzepten, wodurch der Einsatz neuer Ressourcen minimiert wurde. Der Betonabbruch wurde auf der Baustelle der Arena aufgenommen und zur Aufbereitung an die nahegelegene Firma Feess transportiert. Auf der Rückfahrt nahm der LKW bereits aufbereitete RC-Gesteinskörnung zu einem Transportbetonwerk mit, welches sich in unmittelbarer Nähe der Baustelle befand. Der LKW legte für Ab- und Antransport eine Strecke von insgesamt 10 km ohne Leerfahrt zurück. Auch dies ist ein wichtiger Faktor für die Kreislaufwirtschaft, da lange Transportwege häufig zu einer schlechten CO2-Bilanz für Recyclingprodukte führen. Der Recyclingbeton wurde in der Herstellung regelmäßigen Prüfungen unterzogen, womit sichergestellt wurde, dass der Baustoff wie Normalbeton behandelt werden konnte.

Neubau Innovation Center
Eine weitere Art von nachhaltigem Beton wurde beim Neubau des konzerneigenen Innovation Centers verwendet. Hier hat STRABAG einen sogenannten CO2-reduzierten Beton verbaut, dessen ökologischer Fußabdruck schon während der Herstellung gesenkt wird. Dieser spezielle Beton enthält weniger CO2-intensiven Zementklinker, was zu einer Einsparung von 30 % bis 50 % der CO2-Emissionen im Rohbau führt, ohne dass Änderungen in der Planung erforderlich sind.

Auch bei anderen Baustoffen wurde auf Ressourcenschonung geachtet. Das eingesetzte Aluminium in der Pfosten-Riegel-Konstruktion und den Fensterrahmen weist einen hohen Recycling-Anteil von rund 65 % auf und ist komplett wiederverwertbar. Hierbei ist bereits in der frühen Detailplanung auf die Verbindung der einzelnen Komponenten zu achten. Bauteile die sortenrein rückgebaut und getrennt werden können, sind entsprechend besser in den Kreislauf zurückzuführen als jene, die verklebt oder verschweißt sind. Zudem wurden auch hier Cradle-to-Cradle Produkte für den Ausbau verwendet, wie zum Beispiel Teppichfliesen, die nach ihrer Nutzungszeit zu 100 % im Stoffkreislauf bleiben.

 

Der Autor
Dr. Johannes Wall
Gebäudezertifizierung / Kommunikation / Energiebeauftragter
Ed. Züblin AG