29.02.2024
Emil Pabst
Anna Kracher

Future Real Estate Mobilität und Immobilien

Die Immobilienwirtschaft in der Verantwortung der Mobilitätswende

Eine Immobilienentwicklung unter frühzeitiger Berücksichtigung von Mobilität hat die Möglichkeit, Mobilitätsangebote im Projekt bedarfsgerecht zu gestalten und ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte.

Immobilien und Mobilität bilden eine symbiotische Beziehung 

Immobilien und Mobilität bilden eine symbiotische Beziehung, die nahezu alle Lebensbereiche unseres Alltags beeinflusst. Dabei entscheidet die Infrastruktur am Standort (Wohnort, Büro, Nahversorger, Fitnessstudio, Friseur), wie Wege begangen werden. Ob die Auswahl auf das Auto, das Fahrrad, den ÖPNV oder Sharing-Angeboten fällt, wird durch die Angebote am Quell- und Zielort entschieden. Besonders relevant ist der Wohnort, denn dort starten und enden etwa 75 Prozent der täglichen Wege[1].

Dennoch kann Mobilität nicht als Insellösung betrachtet werden, sondern ist in eine übergeordnete Infrastruktur eingebettet. Deswegen ist es wichtig, die Schnittstellen zwischen privaten und öffentlichen Räumen zu verbinden. Durch diese Vernetzung entsteht eine wechselseitige Beziehung, in der eine zukunftsfähige Stadtentwicklung und gut gestaltete Immobilienentwicklungen die Grundlage für eine nachhaltige und lebenswerte Mobilitätsinfrastruktur bilden.

Um als Projektentwickler auf bestehenden Strukturen aufzubauen zu können, ist die frühzeitige Betrachtung der privaten sowie öffentlichen Mobilitätsangebote entscheidend.

Hierbei bedarf es einer Analyse des motorisierten Individualverkehrs, des öffentlichen Nahverkehrs, Fußgänger- und Radverkehrs sowie der Verfügbarkeit von Sharing-Angeboten in der Umgebung. Weiterhin ist die Analyse des näheren Umfelds sowie der Angebote des täglichen Bedarfs (u. a. Nahversorgung, soziale Infrastruktur) zentral.

Mobilität unabhängig der Asset Klasse und Planungsphase

Unabhängig der jeweiligen Asset Klasse ist die Berücksichtigung bedarfsgerechter Mobilität von grundlegender Bedeutung. Sei es Wohnquartier, Büro, Einzelhandel oder Hotel, Immobilien werden stets für Menschen geplant und errichtet. Daher ist es unerlässlich, Mobilitätslösungen entsprechend den Anforderungen der Nutzenden auszurichten. Während in der Wohnungsnutzung besonders stationäre Sharing-Angebote die Pkw-Abhängigkeit reduzieren, sind in der Büronutzung vor allem Flexibilität durch stadtweite Sharing-Angebote und sichere Fahrradabstellanlagen für die Arbeitnehmerschaft relevant. Weiterhin beobachten wir besonders bei der Auswahl zukünftiger Unternehmensstandorte erhöhte Anforderungen an dessen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Mobilitätsangeboten. Denn neben individuellen Anforderungen an den Arbeitgeber, fließt das Mobilitätverhalten der Mitarbeitenden in die ESG-Bewertung des Unternehmens ein. Dies ist nicht zuletzt für die

Bewertung auf dem Kapitalmarkt, sondern auch bei der Positionierung am Arbeitsmarkt relevant. Besondere Potenziale zeigen sich außerdem im Mixed-Use, da Flächen und Angebote in dieser Umgebung vielseitig genutzt werden können.

Um den vielseitigen Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden, ist die Betrachtung von Mobilität über alle Lebens- und Planungsphasen wichtig. Ob bei der Neuplanung von freien Flächen oder der Neuverteilung von bestehenden Flächen, hat die Anzahl an Pkw-Stellplätzen und Fahrradabstellanlagen nicht nur einen großen Einfluss auf die Tiefgaragen- und Freianlagenplanung, sondern auch auf die damit einhergehende Projektkalkulation. Denn 10 Prozent der Baukosten sind auf die Errichtung von Pkw-Stellplätzen zurückzuführen[2]. Außerdem bietet eine Stellplatzreduktion das Potential, den Versiegelungsgrad zu verringern und Grünflächen zu erhalten. Gerade bei der Umnutzung und Aufstockung von Bestandsimmobilien gilt die Stellplatzreduktion oftmals als Voraussetzung, um eine Projektentwicklungen erst regulatorisch und wirtschaftlich zu ermöglichen.

Um als Immobilienakteur in allen Lebensphasen den Mobilitätsbedürfnissen der Nutzenden gerecht zu werden, ist eine ganzheitliche Betrachtung von Mobilitätstrends und Nutzerprofilen entscheidend. Hierfür gilt es, das Mobilitätsverhalten nach unterschiedlichen Einflussfaktoren zu bewerten. Für die Bewohnerschaft wird beispielweise die Pkw-Besitzquote nach Raumtyp, Lage, sozioökonomischem Status, Alter, Haushalts- und Familientyp analysiert. Bei Mitarbeitenden ist die Verkehrsmittelwahl nach dem Quellort auf dem Arbeitsweg sowie das Pendlerverhalten relevant.

Fazit

Mobilität stellt angesichts wachsender Urbanisierung und sich wandelnder gesellschaftlicher Bedürfnisse eine bedeutende Herausforderung dar. Gleichzeitig bietet sie der Immobilienbranche die Chance, aktiv positive Veränderung mitzugestalten. Im Rahmen der Entwicklung von Lebensräumen trägt die Immobilienbranche eine Verantwortung für die Bereitstellung attraktiver Mobilitätsangebote. Durch innovative Ansätze in der Entwicklung von Immobilien kann die Branche dazu beitragen, nachhaltige Mobilitätslösungen zu fördern, die nicht nur ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigen, sondern vor allem die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt stellen.

[1] VCD. (2023). Intelligent mobil im Wohnquartier: Handlungsempfehlungen für die Wohnungswirtschaft und kommunale Verwaltungen. Verkehrsclub Deutschland (VCD).

[2] Deschermeier, P. et. al. (2023). Stellplätze im Wohnungsbau. Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Autoren
Emil Pabst
Geschäftsleiter & Prokurist
VEOMO Consulting GmbH
Anna Kracher
Senior Mobility Consultant
VEOMO Consulting GmbH