21.02.2024
Carsten Schenk

Ein Beitrag von Carsten Schenk, Sales Manager e-Mobilität, Engie Deutschland GmbH

E-LKW-Ladeinfrastruktur als neuer Mehrwert der Immobilienentwicklung

Die Integration von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, ist bereits heute ein elementarer Bestandteil der Immobilienplanung und wird immer stärker zu einem zentralen Element der zukünftigen Entwicklungen.

Wir sehen in dieser Entwicklung, insbesondere in der Zukunft durch den geplanten Markthochlauf der E-LKWs, nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Chancen.

Ambitionierte Ziele und steigende Wirtschaftlichkeit

Die Ziele der AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) motivieren die Fahrzeughersteller dazu, verstärkt emissionsfreie Nutzfahrzeuge auf den Markt zu bringen. Die Betriebskosten von vollelektrischen Nutzfahrzeugen sind heute bereits vielen Verbrennern überlegen, insbesondere in spezifischen Anwendungsfällen. Mit den erwarteten sinkenden Anschaffungskosten für Elektro-Nutzfahrzeuge werden Investitionen immer rentabler. Im Gegensatz zum PKW-Markt orientiert sich der Nutzfahrzeugmarkt weniger an emotionalen Aspekten, sondern mehr an ökonomischer Logik.

Das "Henne-Ei-Dilemma" und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit

Aktuell stehen die Akteure jedoch vor einem zentralen Problem, dem sogenannten "Henne-Ei-Dilemma". Ohne ausreichende Ladeinfrastruktur gibt es wenig Anreiz für den Einsatz von E-Fahrzeugen, und ohne ausreichende E-Fahrzeuge gibt es wenig Anreiz für den Ausbau der Infrastruktur. Diese Herausforderung erfordert eine koordinierte Zusammenarbeit von Fahrzeugherstellern und Infrastrukturanbietern, um das Dilemma gemeinsam zu überwinden. Die Verunsicherung einiger Akteure, aufgrund offener politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen sowie technologischer Unsicherheiten, trägt zusätzlich zu den Herausforderungen bei.

Zusammenarbeit und praxisnahe Lösungen

ENGIE Deutschland setzt auf eine frühe Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern, um die noch vielen offenen Fragen zu adressieren. Durch die Umsetzung von Pilotprojekten bei geeigneten Immobilien versuchen wir, die Lernkurve aufrechtzuerhalten. Der Fokus liegt darauf, im laufenden Prozess aus Fehlern zu lernen und sich kontinuierlich zu verbessern. Wir glauben zudem an die Sektorenkopplung als bedeutenden Lösungsansatz.

Die Sektorenkopplung als Schlüssel zur Effizienzsteigerung

Die Sektorenkopplung, die Nutzung von Energie in verschiedenen Sektoren, spielt eine entscheidende Rolle bei der Effizienzsteigerung in der Mobilität. Durch die Integration von erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Photovoltaik können Energieüberschüsse in anderen Bereichen, vor allem in der Elektromobilität, genutzt werden. Energie wird so möglichst verlustfrei genutzt, wobei grüne Energie als wertvolle Ressource erhalten bleibt.

Mit einer erweiterten Ladeinfrastruktur für Elektro-Nutzfahrzeuge wird in Zukunft mehr Leistung aus dem Netz benötigt, als es derzeit liefern kann. Kapazitätserweiterungen sind jedoch kostspielig und zeitaufwendig, was den Business Case erheblich beeinträchtigt. Die Sektorenkopplung bietet hier eine Lösung, indem vor Ort erzeugter Strom, beispielsweise durch Wind und PV in Kombination mit einem lokalen Speicher, die eine Kapazitätserweiterung des Netzes nicht mehr notwendig macht und gleichzeitig Geld und Zeit spart.

Staatliche Unterstützung und politische Rahmenbedingungen

Die Rolle staatlicher Unterstützungsmaßnahmen und klarer politischer Rahmenbedingungen ist von entscheidender Bedeutung für die Förderung von E-LKW-Ladeinfrastruktur. Eine klare Ausrichtung der Politik auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die Förderung nachhaltiger Logistik sind notwendig, um langfristige Investitionen in diese Technologien zu ermöglichen. ENGIE kann jedoch auch als Enabler die Unsicherheiten der Finanzierung und dem damit verbundenen Risiko für den Bau und den Betrieb der Ladeinfrastruktur für die Kund:innen reduzieren, indem ENGIE investiert und nur die tatsächlich verbrauchte Energiemenge für die Ladevorgänge verrechnet.

Die Rolle erneuerbarer Energien im Ladeinfrastrukturprozess

Die Integration erneuerbarer Energien ist ein grundlegendes Element zur Dekarbonisierung der gesamten Wertschöpfungskette. Ziel ist es, Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Durch Direkt-Lieferverträge (Power Purchase Agreements - PPAs) können Kund:innen nicht nur von nachhaltiger Stromproduktion profitieren, sondern auch von vergünstigten Preisen und Bonifikationen.

Die Zusammenarbeit mit Energieversorgungsunternehmen ist entscheidend für eine nachhaltige und kosteneffiziente Energieversorgung. Intelligente Energie-Management-Systeme (EMS) ermöglichen es zudem, Lastspitzen zu umgehen, Ladezyklen kostengünstig zu betreiben und die Überproduktion erneuerbarer Energien optimal zu nutzen.

Ausblick auf technologische Innovationen und Entwicklungen

Die Zukunft des E-LKW-Ladens wird durch noch intelligentere Energie-Management-Systeme geprägt sein, die die Sektorenkopplung weiter optimieren und die Effizienz erhöhen. Im Nutzfahrzeugbereich wird die Total Cost of Ownership (TCO) aufgrund gesunkener Anschaffungskosten und effizienterer Bauweisen den Verbrennern bald wahrscheinlich überlegen sein.

Zukunftsausblick für nachhaltiges Laden von E-LKWs

Der Markt signalisiert, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren vor allem Depots und Verteilzentren mit Ladeinfrastruktur versorgt werden müssen. Wir konzentrieren uns darauf, diese spezifischen Anwendungsfälle zu bedienen, planen aber langfristig die Bereitstellung von Ladeinfrastruktur für öffentliche, halb-öffentliche und private Plätze. Starke Partnerschaften, insbesondere mit Immobilienpartnern, sind für die Umsetzung von Pilotprojekten im Bereich der Sektorenkopplung entscheidend. Hierbei geht es sowohl um ökologische als auch um ökonomische Nachhaltigkeit.

Die Transformation der Immobilienbranche durch die Integration von E-LKW-Ladeinfrastruktur eröffnet neue Perspektiven. Gemeinsam mit starken Partnern und innovativen Lösungsansätzen gestaltet ENGIE Deutschland aktiv diese Zukunft, um eine nachhaltige und effiziente Mobilität voranzutreiben.

Der Autor
Carsten Schenk
Sales Manager E-Mobilität
ENGIE Deutschland GmbH