21.04.2022
Stefan Sachse

Starker Jahresstart in Leipzig auch ohne Eigennutzer

Run auf die deutschen Logistikmärkte

Der Leipziger Logistikmarkt hat die hohe Marktdynamik aus 2021 mit ins neue Jahr genommen: Mit einem Umsatz von 89.000 m² wurde der 10-Jahresdurchschnitt um bemerkenswerte 65 % übertroffen und der drittbeste Jahresstart in der Historie erzielt.

Das überragende Ergebnis in Leipzig spiegelt auch den bundesweiten Trend wider: 2,3 Mio. m² Logistikfläche wurde im 1. Quartal in Deutschland umgesetzt, was eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (gut 1,7 Mio. m²) darstellt.

Vor dem Hintergrund, dass Eigennutzertransaktionen in Leipzig bis dato noch nicht zum Abschluss gekommen sind, relativiert sich auch der Abstand von nur knapp -18 % gegenüber dem sehr guten Vorjahresergebnis. Der Markt ist weiterhin von relativer Angebotsknappheit geprägt. Das Flächenangebot kann die Nachfrage insbesondere im großflächigen Segment nur unzureichend bedienen. Für Unternehmen wird daher die Standortfrage sehr schnell zu einer Frage der vorhandenen Flächenverfügbarkeit. Spekulativ errichtete Flächen werden entsprechend sehr früh vom Markt absorbiert und sind oftmals bereits vor Fertigstellung vollständig vermietet.

Die Spitzenmiete hält sich wie zum Jahresende 2021 stabil bei 4,65 €/m² (+1 % ggü. Q1 2021).

Leipzigs hohe Standortattraktivität für Industrieunternehmen kommt im jüngsten Ergebnis ganz klar zum Ausdruck. Die Entscheidung der BMW Group, mit weiteren 55.000 m² im Marktgebiet zu expandieren, spricht eine deutliche Sprache. Weitere kleinflächige Abschlüsse lassen den Anteil von Industrie-/und Produktionsunternehmen auf überdurchschnittliche 65 % steigen. Getragen vom 10.000-m²-Abschluss von Momox kommen Handelsunternehmen auf rund 16 % Marktanteil und bleiben damit vorläufig hinter ihrem Durchschnitt zurück (gut 20 %). Deutlich moderater als in anderen Jahren präsentieren sich aktuell Logistikdienstleister, die nur knapp 14 % zum Umsatz beisteuerten. Besonders in ihrem Fall dürfte das Q1-Resultat mit großer Wahrscheinlichkeit eine Momentaufnahme gewesen sein.

Der hohe Neubauanteil von 70 % geht in erster Linie auf den Abschluss der BMW Group zurück, unterstreicht aber auch, dass große moderne Flächen im Marktgebiet weiterhin knapp sind.

Leipzigs Logistikmarkt hat die Weichen für ein gutes Jahresergebnis gestellt. Die Nachfrage verharrt aktuell auf einem konstant hohen Niveau, was insgesamt positiv für die kommenden Monate stimmt. Gleichwohl sind die Unsicherheiten auch im Leipziger Marktgebiet gestiegen und es bleibt abzuwarten, wie sich eine mögliche konjunkturelle Abkühlung und die sich in manchen Wirtschaftszweigen abzeichnende Notwendigkeit der Lieferketten-Neuorganisation auf das Leipziger Marktgeschehen kurzfristig auswirken wird. Ungeachtet dessen verfügt Leipzig über sehr gute Standortvoraussetzungen für Produktions-, Handels- und Logistikunternehmen, sodass der eingeschlagene positive Wachstumstrend mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Fortsetzung finden wird.

Angesichts der weiterhin vorherrschenden Angebotsknappheit insbesondere im Neubausegment sowie der steigenden Baukosten zeichnet sich ein weiterer Anstieg des Mietpreisniveaus ab.

Der Autor
Stefan Sachse
Geschäftsführer & Niederlassungsleiter Leipzig
BNP Paribas Real Estate GmbH