06.10.2021
Max Wörner

Micro-Module aus Kalamitätsholz ermöglichen neue und ökologisch sinnvolle Wertschöpfungsketten in der Baubranche

Micro-Modularität im Holzbau

Deutschlandweit verbleiben aktuell Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz in den Wäldern und verrotten. Micro-modulare Holzbau-Systeme bieten eine Perspektive, um dieses wirtschaftliche und ökologische Dilemma gewinnbringend zu nutzen.

In der aktuellen Waldzustandserhebung (2020) kommt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Schluss, dass Stürme, Dürren und Borkenkäferbefall unserem Wald in den letzten Jahren enorm geschadet haben. Fachleute gehen alleine für die Jahre 2018 bis 2020 (Stichtag 31.12.2020) von einem Schadholzbefall von 171 Millionen Kubikmeter aus. Das entspricht einer Fläche von ca. 277.000 Hektar. Diese klimatischen Bedingungen scheinen sich deutschlandweit auch konsequent fortzusetzen. (Waldzustandserhebung)

Neben den katastrophalen ökologischen Konsequenzen für das Ökosystem Wald, bedeutet die aktuelle Situation auch eine enorme ökonomische Herausforderung. Aufgrund der klimatischen Bedingungen der letzten Jahre besteht ein deutliches Überangebot an Schad-, Schwach- und Sturmholz. Wegen der vermeintlich minderwertigen Qualität des Holzes bleibt als Endnutzung aktuell nur die thermische Verwertung oder die Weiterverarbeitung zu Produkten wie Euro-Paletten oder OSB-Platten. Im Vergleich zu gewöhnlichem Rundholz, bieten die Wertschöpfungsketten von sogenanntem Kalamitätsholz (baunetzwissen.de) also schon im Vorhinein ein geringeres Ertragspotential. Diese verschiedenen Dynamiken führen dazu, dass Kalamitätsholz teilweise sogar im Wald verrottet und bis dahin gebundenes CO2 wieder freigesetzt wird. (Bsp. NRW)

Ein solches ökologisches und ökonomisches Dilemma bietet allerdings auch ein erhebliches Potential. Innovative und micro-modulare Holzbau-Systeme ermöglichen aufgrund ihrer kleinteiligen Bauweise erstmals die Nutzung von Kalamitätsholz im mehrgeschossigen Rohbau. Auf diese Weise ergibt sich für Schad-, Schwach- und Sturmholz eine völlig neue Wertschöpfungskette. Hierbei profitieren mit Blick auf den Preis nicht nur Forstwirte, Sägewerke und Baustoffhersteller, sondern schlussendlich auch die Endkonsumenten.

Der Unterschied von micro-modularen Holzbau-System zu herkömmlichen Lösungen liegt vor allem darin, dass micro-modulare Systeme mit deutlich dünneren und kürzeren Kanthölzern auskommen. Im Fall unseres Systems TRIQBRIQ werden 10x10 cm starke Kanthölzer aus preisgünstigem Kalamitätsholz über ein dreiaxiales Dübelsystem miteinander verbunden. So ergibt sich ein 30x30 cm starker Holzbaustein. Dieser wird seriell vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch zusammengesteckt. Unsere drei Standard-Module haben die Längen 30, 60 und 240 cm – aufgrund der geringen Länge der einzelnen Module, können auch schräg gewachsene Rundhölzer und abgebrochene Bäume zugesägt und baulich verwendet werden. Dank der ausschließlichen Nutzung von Buchenholzdübeln, ist es darüber hinaus möglich das System sortenrein rückzubauen. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu Circular Economy in der Baubranche und ein grundlegender Vorteil von seriell gefertigten und modularen Bausystemen.

Dass mehr Kreislauffähigkeit in der Baubranche nötig ist, zeigt folgende Bestandsaufnahme: Die Baubranche ist für 60% des Deutschen Müllaufkommens und knapp 40% der weltweiten CO2-Emsissionen verantwortlich. Alleine die Herstellung von Zement verursacht dabei 6-8% der weltweiten CO2-Emissionen (ingenieur.de). Insbesondere micro-modulare Holzbau-Systeme haben das Potential, diese Werte deutlich zu verbessern. Die flexible und kreislauffähige Struktur der Systeme spart erheblich Ressourcen und Energie. Darüber hinaus wird durch ihre Bauart ein Rohstoff genutzt, der bis dahin noch keine bauliche Verwendung gefunden hatte. Das spart nicht nur Kosten, sondern erweitert auch das Spektrum an Baustoffen, die in ihrer Fertigung CO2 einspeichern und nicht emittieren. Vor diesem Hintergrund setzen auch führende Klimafolgenforscher auf Holzbau und argumentieren, dass der Klimawandel nur mittels einer wirklich nachhaltigen Bauwende noch rechtzeitig zu stoppen sei (Bauhaus der Erde). Micro-modulare Holzbau-Systeme können aufgrund ihrer spezifischen Vorteile hierbei eine wichtige Stellschraube darstellen.

Quellen:
https://www.baunetzwissen.de/glossar/k/kalamitaetsholz-7600957
https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html;jsessionid=47483A390A9F47BB45D16510D96EE134.live842
https://www.wald-und-holz.nrw.de/waldblatt/rfa-05/1904-lagebericht
https://www.ingenieur.de/fachmedien/bauingenieur/innovationen-in-der-baubranche/die-aufgaben-und-chancen-der-baubranche/
https://www.bauhausdererde.org/about

 

Der Autor
Max Wörner
Geschäftsführung
TRIQ GmbH