16.09.2021
Christian Habermann

Auswirkungen der Klimataxonomie der Europäischen Union

Die große Nachhaltigkeits-Herausforderung für die Immobilienbranche

Damit Europa bis 2050 klimaneutral wird, muss jedes Immobilienprojekt künftig detaillierte Vorgaben erfüllen. Sonst droht sogar die Schließung. Wer solch dramatischen Folgen vermeiden will, muss frühzeitig handeln und sich der ESG-Strategie verschreiben.

Die Revolution kam klammheimlich aber gewaltig, auf 660 Seiten. Am 21. April dieses Jahres stellte die EU-Kommission die `Delegierte Verordnung zur Klimataxonomie´ vor. In dieser wird genau aufgelistet, welche ökologischen Mindestanforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen zu beachten sind - und vor allem, was künftig nicht mehr geduldet wird. Mit diesen Vorgaben soll Europa bis 2050 klimaneutral werden. Eine der besonders betroffenen Branchen ist die Immobilienwirtschaft. Detaillierte Vorgaben gibt es für den gesamten Lebenszyklus der Gebäude: von deren Entwicklung über den Bau, die Vermietung und die Verwaltung bis hin zum Abtransport des Bauschutts nach einem Abriss.

Nach und nach werden die dramatischen Auswirkungen auf die Branche deutlich. Auch weil erste Beispiele aus Nachbarländern die Folgen einer Umsetzung der strengen Klima-Vorgaben in nationales Recht vor Augen führen: In den Niederlanden etwa sehen die CO2-Richtlinien für Bürogebäude ein komplettes Nutzungsverbot vor, falls bis 2030 nicht das „Energy Label A“ erreicht wird. Ein deutlicher Eingriff in das Eigentumsrecht! Und in Frankreich müssen alle Gebäude mit mehr als 1000 Quadratmetern Fläche bis 2030 insgesamt 40% Energie einsparen - bis 2040 sogar 50%. Erfüllen Investoren diese Vorgaben nicht, werden die Namen auf einer Regierungs-Website veröffentlicht. Ob man das Blacklisting oder öffentlichen Pranger nennt, auf jeden Fall ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil. Hinzu kommen Strafzahlungen.

Wer solch dramatischen Folgen aus dem Weg gehen will, muss frühzeitig handeln und sich klar der ESG-Strategie verschreiben. Die drei Buchstaben stehen für die Anlage-Kriterien Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance).

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die GBI Unternehmensgruppe und deren Tochter GBI Capital gerade bei einer Zusammenarbeit mit der HanseMerkur Grundvermögen AG. Diese hat von der GBI Capital für einen Spezial-AIF sechs Wohnimmobilien im Süden Deutschlands erworben: In Bayreuth, Coburg, Heroldsbach, Nördlingen, Villingen-Schwenningen und Würzburg. Die Neubauten bzw. Projektentwicklungen bieten 331 Wohneinheiten, davon werden 325 öffentlich gefördert. Vier der Immobilien weisen einen Energieeffizienzstandard KfW 55 aus, zwei den Standard EnEV 2016. Die Wohnimmobilien mit hohen ökologischen Standards sind damit auch für niedrige und mittlere Einkommensgruppen bezahlbar. Barrierefreiheit ist ebenfalls ein zentraler Aspekt, so dass auch Ältere lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Mit solchen geförderten Immobilien schafft man es also nicht nur, die Energieeffizienz zu steigern, sondern auch den sozialen Aspekt in den Vordergrund zu stellen. Eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre, denn die Probleme stark steigender Mieten und eines zu geringen Wohnungsangebotes trifft immer mehr gesellschaftliche Gruppen. Inzwischen hat fast jeder zweite Haushalt in einer Metropolregion Anspruch auf staatliche Zuschüsse beim Wohnen. Dass die Zahl preisgebundener Wohnungen immer weiter sinkt, ist ein Trend, den die GBI mit ihrem Projektentwicklungs-Schwerpunkt brechen will.

Aufgrund der dafür in allen Bundesländern unterschiedlichen rechtlichen Bedingungen und Besonderheiten vor Ort kommt es auf genau abgestimmte Vereinbarungen mit den regionalen Kreditinstituten sowie den Förderbanken an. Dies kann die GBI Capital aufgrund ihrer langjährigen Entwicklungsarbeit in diesem Segment hervorragend umsetzen.

Dass die GBI Capital auf ökologisch und sozial nachhaltige Immobilieninvestments setzt, liegt auch an der besonderen Struktur der Unternehmensgruppe. Deren Muttergesellschaft ist die gemeinnützige Moses Mendelssohn Stiftung. An dem Stiftungszweck orientiert, werden bei allen Investitionen der GBI die sozialen Auswirkungen geprüft. Sich für sozialen Ausgleich, Verständigung, faire Arbeitsbedingungen und Umweltschutz einzusetzen, gehört damit zur DNA aller Vorhaben, die von der Unternehmensgruppe in Angriff genommen werden.

 

Der Autor
Dr. Christian Habermann
Prokurist, Fondmanager
GBI Capital GmbH