31.08.2021
Thomas Kiwitt
Franziska Heuer
Dr. Klaus Lönhard

So steht es um die Ziele der strategischen Verkehrs- und Mobilitätsplanungen

Drei Jahre Regionalverkehrsplan für die Region Stuttgart

Die Regionalversammlung hat am 18.07.2018 den Regionalverkehrsplan für die Region Stuttgart beschlossen. Wo stehen sie drei Jahre später? Im Interview mit Dr. Klaus Löhnhard und Thomas Kiwitt vom Verband Region Stuttgart.

Heuer Dialog: Herr Dr. Löhnhard, Herr Kiwitt, der Regionalverkehrsplan setzt die Leitplanken für eine zukunftsorientierte Verkehrsentwicklung in der Region Stuttgart. Welche Weichen konnten in den vergangenen drei Jahren gestellt werden?

Verband Region Stuttgart: Der Regionalverkehrsplan hat zunächst dazu geführt, dass in einem sehr breit abgestimmten Verfahren unter Beteiligung aller Gemeinden, zahlreicher Fachbehörden und Verbände wie auch der Öffentlichkeit durch die Regionalversammlung eine deutliche Positionierung zu den zukünftigen Anforderungen an die Mobilitätsinfrastruktur erreicht werden konnte.

Der Regionalverkehrsplan ist damit die Handlungsgrundlage für eigene Investitionen des Verbands Region Stuttgart, die verbindliche Sicherung notwendiger Trassen im Regionalplan, nachgelagerte ÖPNV-Planungen, wie z. B. die Nahverkehrspläne der Landeshauptstadt Stuttgart und der Landkreise in der Region Stuttgart, sowie die politische Lobbyarbeit für den Ausbau wichtiger Verkehrslinien in der Region.

HD: Man konnte bereits viel darüber lesen – durch die Pandemie haben sich die Bedürfnisse und das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert, von einer Beschleunigung des Wandels ist die Rede. Muss der Regionalverkehrsplan dahingehend angepasst werden?

Verband Region Stuttgart: In einer dynamischen Region können sich Rahmenbedingungen aufgrund der Demografie oder der Wirtschaftsentwicklung rasch verändern. Die Beobachtung dieser Parameter und ggf. auch die Anpassung der Planaussagen sind daher wichtig.

Die genauen und vor allem dauerhaften Auswirkungen der Pandemie sind hingegen noch relativ unsicher. Zumindest zeitweilig sind die Nutzerzahlen im Öffentlichen Verkehr zurückgegangen, ob und wie konkret sich das Verhalten dauerhaft ändern wird, bleibt aber noch abzuwarten. Es bestehen allerdings keine Hinweise darauf, dass sich durch erweiterte Heimarbeitsregelungen o.ä. die Verkehrslage in der Region Stuttgart ganz grundlegend entspannen würde.

HD: Getrieben durch die IBA’27 werden viele innovative Wohn- und Gewerbeflächen im Umland der Landeshauptstadt Stuttgart entwickelt. Arbeiten in Fellbach, Wohnen in Reutlingen. Wie reagieren Sie auf Forderungen nach mehr E-Mobilität, Sharing-Modellen und dem Ausbau des ÖPNVs zur Entlastung des Verkehrs in der Region?

Verband Region Stuttgart: Die Region Stuttgart war schon immer durch diese „Multi-Lokalität“ vieler Menschen geprägt – es ist also eher der Normalfall, dass Menschen nicht in Ihrer Wohngemeinde arbeiten und sich auch für Freizeit, Kultur, Bildung etc. über Gemarkungsgrenzen bewegen. Der Verband Region Stuttgart trägt dem mit einer auf den Nahverkehr ausgerichteten Siedlungsstrategie und der Konzentration wichtiger Versorgungseinrichtungen an gut erreichbaren Standorten Rechnung. Darüber hinaus werden mit dem werktags inzwischen vollständig eingeführten 15 Minuten Takt der S-Bahn, der Schaffung von Mobilitätspunkten, ausgebauten und attraktivierten P&R Anlagen und zahlreichen weiteren Maßnahmen konkrete Angebote für eine umwelt- und klimaverträgliche Mobilität geschaffen.

 

Das Interview führte Franziska Heuer.

Das Event zum Thema
Die Autoren
Thomas Kiwitt
Leitender Technischer Direktor
Verbands Region Stuttgart
Franziska Heuer
Projektleiterin
Heuer Dialog
Dr. Klaus Lönhard
Referent für Regional- und Verkehrsplanung
Verband Region Stuttgart