17.06.2021
Angela Rüter
Benjamin Legrand

Frau Rüter steht der Business Metropole Ruhr GmbH Rede und Antwort

Interview im Rahmen des Immobilien-Dialogs Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist der zweitgrößte Büromarkt Deutschlands und bietet viel höhere Renditen als A-Standorte. Der Wandel wird in der Immobilienbranche zunehmend wahrgenommen.

Quelle: Heuer Dialog GmbH

Das Ruhrgebiet ist der zweitgrößte Büromarkt Deutschlands und bietet viel höhere Renditen als A-Standorte. Der Wandel wird in der Immobilienbranche zunehmend wahrgenommen. Am 19. August feiert der Heuer Dialog eine Revier-Premiere und wirft ein Schlaglicht auf die Möglichkeiten des Standortes. Der Heuer Dialog vernetzt seit 40 Jahren die Immobilienwirtschaft auf Veranstaltungen in Deutschland und thematisiert die Zukunftsfragen der Stadt- und Immobilienentwicklung. Angela Rüter ist eine der beiden Geschäftsführerinnen und kennt die Metropole Ruhr bestens – sie lebt in Mülheim an der Ruhr. Im Interview mit Benjamin Legrand von der Business Metropole Ruhr erklärt Sie, warum man das Ruhrgebiet auf dem Schirm haben sollte.

Benjamin Legend: Die Veranstaltung trägt den Titel „Premiere der achten A-Stadt“. Ist das Ruhrgebiet in diese Immobilienliga aufgestiegen?

Angela Rüter: Es ist schon lange so weit. Das hat nur keiner so wahrgenommen. Man betrachtete lange die einzelnen großen Städte, aber wenn man das Ruhrgebiet als Ganzes wahrnimmt, ist es schon lange eine A-Stadt.

BL: Was ist die Stärke des Ruhrgebiets?

AR: Investoren achten aktuell stärker als früher auf Regionen mit bislang nicht ausgeschöpften Investitionsmöglichkeiten – und die Investitionschancen des Ruhrgebiets sind durch die Corona-Krise nochmal deutlicher geworden. Aus immobilienwirtschaftlicher Sicht ist die Größe interessant. Aber eine Größe braucht auch Transparenz. Ein großer Investitionsraum muss für mich als Investor verständlich sein. Wo docke ich an? Eine Metropole mit so vielen Städten ist oft unübersichtlich.

BL: Was sind die Gründe dafür, dass man das stärker wahrnimmt?

AR: Nach Außen wird mittlerweile wahrgenommen, dass es diese einmalig hohe Hochschuldichte gibt. Auf 60 Kilometer gibt es jede Menge Know-how. Jetzt muss es darum gehen, diese jungen Menschen zu halten. Da braucht es die Verbindung zur Wirtschaft. Die Innovationskraft ist da, weil die Menschen Lust haben, etwas zu machen. Es ist eine Macherregion - so empfinde das Ruhrgebiet sehr stark.

BL: Wo erkennt man die Innovationskraft in der Immobilienwirtschaft?

AR: Das Thema Cradle to Cradle, also das nachhaltige und ressourcenschonende Bauen, ist schon in vielen Projekten sichtbar, nicht jede A-Stadt hat so viele Projekte. Oder Innovation City: Es ist weltweit einmalig, dass ein ganzes Viertel im Bestand energetisch saniert wurde. Das ging nur im Ruhrgebiet mit den vielen Konzernen und Mittelständlern, die ihr Know-how eingebracht haben.  Das Ruhrgebiet ist bei dieser Transformation zu einer grünen, nachhaltigen Wirtschaft Vorreiter. Darüber muss man sprechen und es nach außen tragen.

BL: Das ist Ihr Job bei Heuer Dialog.

AR: Eines gilt für das Ruhrgebiet wie für die innovative Wirtschaft: Gemeinsam schafft man mehr als jeder Akteur allein. Wir als Heuer Dialog sehen uns stark in der Vernetzung. Das ist die DNA von Heuer Dialog. Bernd Heuer hat schon vor 40 Jahren Menschen über Themen vernetzt. Das ist heute normal, aber damals war das innovativ. Er hat die Bedeutung der Immobilienwirtschaft zu einem Zeitpunkt erkannt als sie noch deutlich zersplitterter war.

BL: Worin liegt die Bedeutung der Branche?

AR: Die Immobilienbranche ist in Deutschland ganz vorne, wenn man auf die Wertschöpfung sieht. Die Branche ist aber auch lokal wichtig: Stadtentwicklung ist ein ureigenes Thema der Immobilienwirtschaft mit allen ihren Kompetenzen und ihren Verbindungen in andere Disziplinen.

BL: Ihr Business sind Netzwerke. Wie pflegt man Netzwerke dauerhaft?

AR: Man muss sehr neugierig sein, auf Menschen zugehen können und die richtigen Fragen stellen. Das Richtige aus Gesprächen heraushören, um dieses Wissen in ein Extrakt zu destillieren, aus dem wir wieder neue Ideen entwickeln. Wir glauben, immer Themen zu haben, die interessant sind. Wir hatten das Thema Cradle to Cradle schon vor dreieinhalb Jahren besetzt. Wir präsentieren die Vorreiter, dann ziehen andere nach. Das ist eine Kunst.

BL: Was bleibt nach Corona? Werden die digitalen Formate weiterbestehen?

AR: Aus unserer Sicht ja. Digitale Formate sind eine schnelle Möglichkeit, um Wissen zu transportieren. Und vor Ort ist das Netzwerken entscheidend. Wir werden unsere Formate aber ein Stück weiterentwickeln. Ab Sommer bieten wir wieder Veranstaltungen vor Ort an: Der Ruhrgebiets-Termin ist die zweite Veranstaltung, die wir live anbieten werden. Der Veranstaltungsort Ruhr Turm in Essen ist dazu sehr spannend: Er steht für Transformation, für Veränderung. Das ist ein Auftakt - ein Auftakt für mehr im Ruhrgebiet.

Die Autoren
Angela Rüter
Geschäftsführerin
Heuer Dialog GmbH
Benjamin Legrand
Pressesprecher
Business Metropole Ruhr GmbH