07.06.2021
Christoph Steinkamp

Interview mit Christoph Steinkamp, hySOLUTIONS GmbH

Hamburgs Mobilitätswende ist eingeleitet!

Die Herausforderungen zur Erreichung der CO2-Ziele sind groß. Warum die Stadt Hamburg bei der Verkehrswende auf die Mitwirkung der Immobilienwirtschaft zählt und warum Roaming-Plattformen dabei eine große Rolle spielen werden, lesen Sie hier.

Welcher Mobilitäts-Mix / welche innovativen Antriebe sind erforderlich, um bis 2050 den CO2-Ausstoß um 80 % zu verringern?

Cristoph Steinkamp: Zunächst sollte bis 2050 das Ziel sein, die CO2-Emissionen fast vollständig zu eliminieren. Dazu wird in der Verkehrspolitik gegenwärtig die doppelte Wende eingeleitet: Zum einen die Mobilitätswende, zum anderen die Antriebswende. Im Zuge der Mobilitätswende findet eine Verschiebung des Mobilitäts-Mix weg vom eigenen Pkw in Richtung des Fahrrads und des ÖPNVs statt. Dabei ist es wichtig, den Bürgern ein Mobilitätsangebot zu machen, welches flexibel und bedarfsgerecht wie ein eigener Pkw ist und dennoch der Allgemeinheit dient. Dies kann u.a. durch eine schlaue Verknüpfung des ÖPNV mit Sharing-Angeboten gelingen. Die Antriebswende hat zum Ziel, dass 2050 möglichst nur noch emissionsfreie Fahrzeuge auf der Straße zu finden sind. Dies wird vor allem durch batterie-elektrische Fahrzeuge abgebildet werden, während Schwerlastanwendungen teilweise auch auf Wasserstoff als Energieträger setzen werden.

Welchen Anteil hat die Digitalisierung bei der Erreichung dieses Ziels? Was setzt dies voraus?

Cristoph Steinkamp: Um eine Umstellung des Verhaltens des Bürger zu erreichen müssen die neuen Angebote vor allem bequem/ convenient sein. Der Bürger möchte weder viele unterschiedliche Apps haben, um die verschiedenen (Sharing-)Angebote zu buchen, noch – wenn wir ein Beispiel aus der Elektromobilität aufgreifen – viele verschiedene Ladekarten besitzen, um in ganz Deutschland laden zu können. Es werden also Roaming-Plattformen benötigt, über welche der Zugang ermöglicht wird und die unterschiedlichen Anbieter sich im Hintergrund gegenseitig verrechnen. Der Bürger hat dann nur noch eine App bzw. eine Karte für alles. In beiden aufgezeigten Beispielen ist dies jetzt schon in Anfängen der Fall. Hierzu sind neben den zu schaffenden Schnittstellen vor allem zwischen den Anbietern Verträge zu schaffen und zu klären, wer die Daten des Nutzers erhält und wie diese weiterverwendet werden können.

Wann und wie muss die Immobilienwirtschaft in diesen Prozess eingebunden werden?

Cristoph Steinkamp: Je früher desto besser. Wir sind mit der Immobilienwirtschaft im Austausch, bislang hat sich allerdings noch nicht bei allen Akteuren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Mobilität bei Immobilien künftig noch stärker mitgeplant werden muss. Bei einigen Neubauvorhaben ist das jetzt schon der Fall, vor allem bei jenen, bei denen die Stadt oder Kommune darauf hinwirkt. Dann werden Sharing-Konzepte oder auch Ladestationen für E-Fahrzeuge integriert. Gerade zweiteres muss jedoch noch viel stärker von Anfang an mitgedacht werden. Auf diese Weise können der Stromanschluss der Immobilie richtig dimensioniert, Leitungen oder zumindest Leerrohre verlegt und ein übergeordnetes Lastmanagement implementiert werden. Wird dies im Bestand später durch einzelne Eigentümer oder Mieter eines Gebäudes nachgerüstet, droht ein Flickenteppich, der teurer ist als eine zentral geplante Anlage.

Wie werden sich Verkehrsströme und Lebensqualität durch die neue urbane Mobilität verändern?

Cristoph Steinkamp: Ziel der Städte ist es, dass der öffentliche Raum wieder stärker der Aufenthaltsqualität gewidmet werden kann. Dies gelingt vor allem durch eine Reduktion der (parkenden) Fahrzeuge. Für die schon angesprochene Mobilitätswende ist es dabei auch erforderlich den öffentlichen Raum umzugestalten. Dieser wird sich künftig von der zentralen Ausrichtung auf das Auto hin zu mehr ÖPNV-Spuren, breit angelegten und abgegrenzten Fahrradwegen sowie des Fußverkehrs – und vor allem mehr Aufenthaltsqualität durch Verweilangebote entwickeln. Es zeigt sich derzeit in vielen Städten, dass nach anfänglichen Protesten der Anlieger die nach einer Umwandlung des öffentlichen Raums hinzugewonnene Aufenthaltsqualität stark angenommen wird und die Straßenzüge regelrecht aufblühen. Dies wird sich auch in der weiteren Verkehrspolitik so fortsetzen.

 

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Der Autor
Christoph Steinkamp
Geschäftsführer
hySOLUTIONS GmbH