15.06.2021
Jens Kreiterling
Hanna Bosova

Interview mit Herrn Jens Kreiterling, Vorstand, Landmarken AG

"Dreh- und Angelpunkte des Investments im Ruhrgebiet" - eine Gesprächsrunde beim diesjährigen Immobilien-Dialog Ruhrgebiet

In der Vorbereitung auf die spannende Gesprächsrunde am 19. August 2021 in Essen beantwortet Jens Kreiterling Fragen ....

Landmarken ist ein Vorreiter, was die ESG-Agenda angeht. Wo setzt Landmarken im Ruhrgebiet mehr Energie an, bei dem sozialen oder umweltfreundlichen Aspekt?
JK: Wir vereinbaren bei unseren Landmarken immer alle Aspekte von ESG. Je nach Standort und Projekt in einer dem Standort angepassten Gewichtung. Hier geht es nicht um das eine oder das andere. Die relevanten gesellschaftlichen Problemstellungen können wir nur ganzheitlich und umfassend anpacken. Wir wollen mit unseren Entwicklungen wertvolle Beiträge zum Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensregion leisten. Außerdem beleben wir Innenstädte mit nachhaltigen, weil multifunktionalen Konzepten. Davon profitieren alle. Insgesamt entwickeln wir im Ruhrgebiet Projekte mit über 140.000 Quadratmetern Mietfläche, ohne einen einzigen Flecken Grünfläche zu versiegeln. Wir sanieren und revitalisieren, wir setzen wir auf moderne Systeme zur Energieeinsparung und Energiegewinnung, auf klimafreundliche Mobilitätsangebote und vieles mehr. Und man darf nicht vergessen, dass Beiträge zum Klimaschutz, die unsere Städte resilienter machen, einen Mehrwert für alle schaffen. Das ist höchst sozial!

Sie machen mit Landmarken als privater Akteur Strukturpolitik, indem Sie auch in den strukturschwächeren Norden (z.B. Herne, Dortmunder Hafen etc.) gehen. Warum? Geschieht das strategisch?
JK: Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, gesellschaftliche Mehrwerte zu schaffen. Das ist kein Marketing, sondern Kern unserer Unternehmensphilosophie. Unser Ziel ist es, Städte attraktiv und zukunftsfähig zu machen. Insofern ist es Strategie, dass wir uns auch an Projekte trauen, mit denen andere sich schwer tun. Damit fahren wir übrigens sehr gut. Wir spüren einen enormen Gestaltungswillen der lokalen Akteure – gerade im Ruhrgebiet – und können hier wirklich eine positive und messbare Wirkung erzielen, weil wir als Stadtmacher wirklich gestalten können.

Sie kommen mit Ihren Erfahrungen aus Aachen. Haben Sie sich strategisch auch einmal in Holland umgeschaut? Warum sind Sie von Aachen nach Osten und nicht nach Westen gegangen?
JK: In Deutschland hatte die wirtschaftliche Entwicklung nach der Finanzkrise viel schneller Fahrt aufgenommen als in Holland. Ein Blick über die Grenze lohnt dennoch immer. In den Niederlanden gibt es herausragende Entwicklungen im Bereich Cradle-to-Cradle, da schauen wir natürlich ganz genau hin. Wir blicken ohnehin gerne über den Tellerrand. In Aachen diskutieren wir mit verschiedenen Gruppen grenzüberschreitende Projektideen. Leider bestehen immer noch komplizierte rechtliche Hürden, wenn es z.B. um Hoheitsrechte geht. An diesem Punkt könnte die europäische Einigung gerne schon einen Schritt weiter sein. Erst einmal bleibt aber Deutschland unser Heimatmarkt. Da gibt es noch viele spannende Aufgaben zu entdecken, nicht zuletzt in Regionen wie der Metropole Ruhr.

Die Hauptmarke Landmarken bekommt „Kinder": POHA House und Moringa weisen in die Zukunft. Werden sich POHA House und Moringa bald auch im Ruhrgebiet wohl fühlen?
JK: Nach dem ersten Projekt in Aachen und noch vor Eröffnung des POHA Houses in unserem Hamburger Cradle-to-Cradle-Ensemble Moringa, wird ein POHA House am Pferdemarkt in Essen eröffnen. Das Konzept der Co-Spaces für gemeinschaftliches Wohnen eignet sich sicher auch für weitere Städte an der Ruhr. Und eine attraktive, klimagerechte Großstadt ohne ein Moringa wird man sich in Zukunft gar nicht mehr vorstellen können (lacht). Es gibt aber sogar noch ein weiteres „Kind“, die Ecoparcs GmbH, die die Landmarken-Philosophie auch in Light Industrial und Logistikprojekten sowie in Unternehmerparks verankern wird. Damit wollen wir der Wirtschaft in der jeweiligen Region mehr attraktive Wachstumsangebote zur Verfügung stellen, die auch auf die Attraktivität des Standortes einzahlen.

Für viele "Bayern" bedeutet Ruhrgebiet heute Fußball, Universitäten und Nähe zu Holland. Welche drei charakteristischen Merkmale sehen Sie heute schon empor kommen für 2030?
JK: Aufgrund seiner Historie verfügt das Ruhrgebiet über eine hohe Veränderungskompetenz und Dynamik der Akteure – und das über die Stadtgrenzen hinaus. Dies ist das erste Merkmal. Das zweite ist die Metropolregion. As Ballungsraum voller Potenziale ist das Ruhrgebiet einzigartig in Deutschland und enorm schlagkräftig – vor allem, wenn man beobachtet, welche Dynamik bei den Hochschulen liegt und was aus den bereits guten Hochschulkooperationen hervorgeht. Da leisten natürlich auch die ansässigen Unternehmen mit ihrer enormen Wirtschaftsleistung einen erfolgreichen Beitrag. Das dritte Merkmal ist der gradlinige, freundliche und offene Menschenschlag, der es einem einfacher macht, im Ruhrgebiet aktiv zu werden und Kontakte aufzubauen, um etwas zu bewegen. Mit diesen Potenzialen kann das Ruhrgebiet schon weit vor 2030 in vielen Bereichen Spitze in Deutschland werden, und das gerne auch im Fußball!

Die Autoren
Jens Kreiterling
Vorstand
Landmarken AG
Hanna Bosova
Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH