25.03.2021
Hanna Bosova

A-Städte auf dem Prüfstand

Ruhrgebiet auf der Immobilienagenda 2021

Die Corona-Pandemie hat uns das gegeben, was lange gefehlt hat: Eine neue Perspektive auf dem Immobilienmarkt. Kommt es zum Paradigmenwechsel? Welche Standorte gewinnen an Bedeutung?

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

“Die Zukunftsfähigkeit vieler deutscher A-Städte wird in den kommenden Jahren auf Herz und Nieren geprüft”, so Sebastian Fischer in der Märzausgabe der Immobilien Zeitung. Er ist nicht der Einzige, der die Position der Top-Städte hinterfragt. Nicht erst seit der Corona-Pandemie richten Investoren und Projektentwickler Ihren Blick auf unkonventionelle Standorte und Geschäftsmodelle. Mit sinkenden Renditen geht der Immobilienbranche auch die Puste im Rennen um Grundstücke in den A-Städten aus. Die ESG-Thematik stellt das gesamte Konzept der Wirtschaftlichkeit auf den Kopf und fordert noch mehr Investition. Bereits heute rechnen Bürovermieter in Nürnberg mit steigenden Büroleerständen und Preisen unter 10 Euro/qm, wenn Bestände das E-Kriterium nicht erfüllen. Dabei handelt es sich um einen Markt, dessen Flächenumsatz 2020 mit rund 151.000 qm über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag. Bei den Vermietungen von neu gebauten Büroimmobilien sind die Corona-Auswirkungen gar nicht zu spüren!

Alternativen?

Die Standorte, die nicht erst seit gestern auf Lebensqualität setzen, sind jetzt die Gewinner. Dabei kommt nicht jeder in diesem Kontext auf den Gedanken, dass das Ruhrgebiet so ein Gewinner ist. Die Bewohner setzten auf die Qualität ihres Wohnortes und pendeln gern nach Düsseldorf, wo es viele Arbeitsplätze gibt, aber es an Fahrradwegen und sauberer Luft mangelt. Man kann das allein durch Immobilienpreise erklären, aber das wäre nicht ganz korrekt. Das Ruhrgebiet entwickelte sich hin zu einem grünen Standort mit Industriekultur und vielen Ausflugsmöglichkeiten, die man zu schätzen weiß. Die Vorstellung über den Wohn- und Arbeitsort nimmt neue Formen an. Remote Work und die hohe Lebensqualität in Deutschland machen kleine und mittelgroße Städte attraktiv. Das ist der Paradigmenwechsel, den Corona auf die Bühne gebracht hat. Die Diversität gewinnt an Bedeutung und so wie sie die Immobilienportfolios 2020 gerettet hat, so trägt sie aktiv zu unserem generellen Wohlstand bei.

Nobody said it would be easy

Das Ruhrgebiet wird Ihnen nicht unbedingt mit ausgestreckten Armen entgegenkommen. Eigeninitiative und Durchsetzungskraft sind hier Grundvoraussetzungen. Wenn Sie einen Boden suchen, auf dem Ihre Immobilie Menschen zugutekommt, und sie bereit sind sich mit Wort und Tat zur der ESG-Agenda zu bekennen, sind Sie hier herzlich willkommen.

 

Die Autorin
Hanna Bosova
Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH