10.02.2021
Ralf Licht
Yvonne Traxel

Interview mit Ralf Licht, Chief Development Officer, Carestone Gruppe

Wohnen und Pflege im Alter

Im Interview spricht Ralf Licht über das planerische Fundament für die Stadt der Zukunft und das Milliardenpotenzial im deutschen Pflegeimmobilienmarkt.

Derzeit drehen sich um Deutschlands Innenstädte viele Diskussionen. Angesichts zunehmender Leerstände, verstärkt durch die Einschränkungen in der Pandemie, drohen vielerorts Leerstand und Verödung. Welches Ziel verfolgt ein Projektentwickler wie Carestone, wenn wir diese Herausforderungen sehen?

Ralf Licht, Carestone: Sicherlich hat die Debatte, gerade unter Berücksichtigung der aktuell riesigen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung, noch einmal an Fahrt gewonnen.
Aber jede Herausforderung birgt auch Chancen und längst arbeiten die kommunalen Quartiersentwickler an Ideen für Lösungen. Carestone als Spezialist für Pflege und altersgerechtes Wohnen priorisiert das Ziel, Pflege in die Mitte der Quartiere zu bringen. Damit können wir einen wertvollen Baustein zu deren Entwicklung leisten.

Also werden Sie in den Städten mit offenen Armen empfangen?

Ralf Licht, Carestone: Selbstverständlich stehen wir auf der Suche nach interessanten Flächen in den Stadtzentren immer auch im Wettbewerb. Nehmen wir das Beispiel Onlinehandel. Schon im November 2020 meldete Deutsche Post DHL rund 1,6 Milliarden zugestellte Pakete – mehr als je zuvor in einem ganzen Jahr. Dieser Trend bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Einzelhandel in den Innenstädten. Er führt beispielsweise zu einer steigenden Nachfrage nach Logistik-Immobilien in der Stadt, etwa nach Micro-Hubs bis zu einer Flächengröße von 3.000 Quadratmetern. Wichtig für Carestone ist es, in den Rathäusern und Behörden mit Planern in den Dialog treten zu können, die bei ihren Vorgaben nicht nur auf aktuell lukrative Bebauungsformen setzen, sondern vorausschauend auch die Entwicklung der Demografie im Blick haben.

Mit welchem Ziel treten Sie mit Behörden und Planern in den Dialog?

Ralf Licht, Carestone: Gemeinsam können wir unseren Beitrag zu gemischten wohl ausbalancierten Quartieren leisten. Diese sind das tragende Fundament für die Stadt der Zukunft, indem sie Wohnen, Arbeiten sowie Seniorenwohn- und Pflegekonzepte auf ideale Weise mit kurzen Wegen kombinieren. Vorausschauende Planer in den Städten erkennen zudem, dass die wachsende Gruppe der Senioren nicht isoliert, sondern als ein immer größerer und bedeutenderer Teil der Gesellschaft anerkannt wird und sie stärker als bisher integriert sein sollten. Das hat gerade ihre Situation in der Pandemie deutlich gemacht. Gelingt diese Integration, so gelingt damit ein multilateraler Erfolg: Die Senioren profitieren durch eine bessere Einbindung und das Leben in einem attraktiven Umfeld, die Städte gewinnen ihrerseits an Attraktivität und mit den Pflegeeinrichtungen zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze und unsere Anleger schließlich, die in Carestone-Pflegeapartments investieren, sichern sich langfristig solide Renditen, etwa für ihre private Altersvorsorge.

Das birgt sicherlich enorme Komplexität. Sind diese hohen Ansprüche in der Praxis denn umzusetzen?

Ralf Licht, Carestone: Da hierbei naturgemäß viele Interessen und Akteure aufeinandertreffen, ist es sicherlich eine besondere Herausforderung, die fachübergreifende Expertise und ein starkes Netzwerk voraussetzt. Zwei unserer aktuellen Projekte zeigen aber, dass dann tolle Ergebnisse entstehen. Im Zentrum von Villingen-Schwenningen steht ein Pflegecampus unmittelbar vor der Fertigstellung. Er verbindet die Anforderungen von Denkmalschutz und moderner Pflege. Auf einer Gesamtquartiersfläche von 5.200 Quadratmetern sind in drei Gebäuden 100 Einzelzimmer, 32 Zweizimmerapartments sowie barrierefreie Seniorenwohnungen untergebracht. Der Campus ist ein modernes Gebäudeensemble für stationäre Pflege und betreutes Wohnen – mitten im Zentrum der 84.000 Einwohner-Stadt, eingebettet in das Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz. Einkaufszentrum, Arzt, Apotheke sowie die entsprechenden Anschlüsse des ÖPNV liegen nur einen Katzensprung von der Einrichtung entfernt. Deren Herzstück ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, ein ehemaliger Erweiterungsbau der früheren Uhrenfabrik EMES aus dem Jahr 1911, mit Jugendstilelementen und historischer Fassade. Darin entstehen 19 hochwertige Wohnungen für Senioren.

Und das andere Projekt?

Ralf Licht, Carestone: Das Pflegezentrum „Feverquartier“ in Gevelsberg. Im südlichen Ruhrgebiet errichten wir gerade auf der Fläche von 13.000 Quadratmetern eines ehemaligen Industriegeländes in Zentrumslage 80 stationäre Einzelzimmer, 52 Betreute Wohnungen, eine Tagespflege sowie 54 freiverkäufliche Wohnungen. Auch hier waren wir frühzeitig in enger Abstimmung mit der Stadt, um gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Bedürfnisse zu verbinden und das topografisch anspruchsvolle Gelände optimal zu nutzen.

Wird die Nachfrage nach Pflegeeinrichtungen im Rahmen der aktuellen Stadt- und Quartiersentwicklung aus Ihrer Sicht zu decken sein? Wie groß ist das Potenzial?

Ralf Licht, Carestone: Nach Prognosen des Spitzenverbands ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss sind zur Deckung der Nachfrage bis zum Jahr 2030 Neuinvestitionen in Pflegeplätze in Höhe von etwa 30 Milliarden Euro notwendig. Zur Substanzerhaltung bestehender Einrichtungen werden sogar rund 40 Milliarden Euro benötigt. Es müssten jährlich circa 400 stationäre Pflegeeinrichtungen gebaut werden, tatsächlich sind es nur um 250. All das zeigt das Potential bei Pflegeimmobilien. Carestone als Marktführer hat aktuell allein über 60 Projekte in der Abwicklung, die knapp 6.000 neue Pflegeplätze schaffen. Doch der demographische Wandel ist vor allem eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der wir uns als enger Partner von Städten und Kommunen, Betreibern, Entwicklern, Finanzierern, Bauträgern und Maklern verstehen. Es gibt noch sehr viel zu tun und das wollen wir gemeinsam angehen.

Die Carestone Gruppe aus Hannover plant, baut und vermarktet Pflegeimmobilien als Kapitalanlage. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung, über zwei Milliarden Euro platziertem Projektvolumen und mehr als 15.000 verkauften realgeteilten Pflegeapartments ist Carestone der marktführende Entwickler und Anbieter für Pflegeimmobilien in Deutschland. Das Unternehmen ist mit mehr als 80 Mitarbeitern am Markt aktiv.
Ralf Licht ist als Chief Development Officer der leitende Entwickler der Carestone Gruppe.

Die Autoren
Ralf Licht
Chief Development Officer
Carestone Gruppe
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH