04.02.2021
Christian Krömer

Corona-bedingte Wettbewerbsverzerrungen im Einzelhandel

Supermärkte dürfen wieder das gesamte Sortiment verkaufen!

Der Fachhandel wird durch diese Maßnahme nachhaltig Kunden verlieren und die großen Handelsketten werden wieder mal subventioniert. Wir müssen schließen, aber in den Drogerien dürfen sich die Kunden geballt tümmeln...

Quelle: Spielwaren Krömer

Ich bin wirklich fassungslos! Mir braucht niemand mehr damit kommen, wie wichtig der Mittelstand doch ist…

Das war meine erste Reaktion auf den Beschluss der bayerischen Regierung, auf die Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Augsburg nicht zu reagieren und es den Supermärkten und Drogerien ganz offiziell zu erlauben, dass sie nun wieder ihr komplettes Sortiment verkaufen dürfen.

Auch die Sortimente, die der Fachhandel aktuell nicht verkaufen darf.

Vielleicht sollte ich kurz etwas ausholen, damit man verstehen kann, warum das für uns Fachhändler und für mich im Besonderen ein Schlag ins Gesicht ist.

März 2020 - Lockdown - eine Situation, wie wir sie vorher noch nie hatten und wie wir sie uns wohl nie hätten vorstellen können. Schon damals wurde es den großen Handelsketten, die von der Regierung als systemrelevant eingestuft wurden, in Deutschland anders als zum Beispiel in Österreich gestattet, ihr komplettes Sortiment zu verkaufen. Also auch Spielwaren, Parfüm, Sportartikel, Floristik und vieles mehr.

Bereits damals habe ich mich dem Thema angenommen und habe nahezu täglich bei den Ministerien interveniert. Ohne nennenswerten Erfolg, aber das konnte ich noch einigermaßen nachvollziehen. Alles musste schnell gehen und da konnte man dann wahrscheinlich einfach nicht auf alles und jeden Rücksicht nehmen.

Im August - also in der ruhigen Zeit zwischen den beiden Lockdowns - habe ich Briefe an alle relevanten bayerischen Ministerien geschrieben, in denen ich darauf aufmerksam gemacht habe, dass bei einem erneuten Lockdown es nie wieder zu einer solchen Wettbewerbsverzerrung kommen darf.

Die Antworten damals - von “wir sind da gar nicht zuständig” über “wir werden den Handel nie mehr schließen” bis “Sie haben recht, sollte es erneut so weit kommen, werden wir das auf jeden Fall berücksichtigen” war hier alles mit dabei.

Als dann am 13.12. der Lockdown beschlossen wurde, habe ich mich gemeinsam mit den verschiedenen Verbänden wieder an alle möglichen politischen Entscheidungsträger gewandt. Das haben wir fortan nahezu täglich gemacht.Auch hier hieß es, dass sie unsere Sichtweise vollkommen verstehen können und dass man das unbedingt berücksichtigen muss.

Nur leider hat sich niemand getraut, den großen Handelsketten auf die Füße zu treten und so wurde ganz schwammig etwas formuliert, das kein Ordnungsamt der Welt hätte ahnden können, da es einfach nicht rechtssicher war. Was ist schon eine größere, zusammenhängende Fläche…?

Und so kam es wie es kommen musste. Der erste Supermarkt, der etwas härter kontrolliert wurde, ging vor Gericht und bekam recht. Und zwar einzig aufgrund einer nicht rechtssicheren Formulierung...

Monatelang haben wir für einen fairen Wettbewerb gekämpft. Monatelang hat mir jeder politische Entscheidungsträger gesagt, das wird nie wieder so kommen. Trotzdem sind wir jetzt in einer Situation, in der wir sowohl die Woche vor Ostern, als auch die Woche vor Weihnachten und nun monatelang zuschauen müssen, wie unsere größten Mitbewerber unser Geschäft mitmachen.

Da hilft uns dann auch kein Click & Collect, wenn der Kunde nebenan gemütlich bummeln kann.

Der Fachhandel wird durch diese Maßnahmen nachhaltig an Umsatz verlieren. Kunden werden sich an neue Verhaltensmuster gewöhnen und Mitbewerber haben monatelang Zeit die Kunden von sich zu überzeugen. Die Politik weiß das! Die Politik möchte das nicht ändern!

Eine große Niederlage für den Fachhandel...

Der Autor
Christian Krömer
Geschäftsführender Gesellschafter
Spielwaren Krömer