04.02.2021
Patrick Bergmann

Mit Madaster bekommen Baumaterialien einen Ausweis. Damit startet die Transformation zur transparenten und zirkulären Immobilienwirtschaft

Eine Welt, in der Materialien für immer nutzbar sind

Mit der zunehmenden Verstädterung und den immer komplexeren Folgen des Klimawandels nimmt weltweit der Druck auf Städte, Regionen und ganze Gesellschaften zu. Schnelle und effektive Lösungen für Klima- und Ressourcenprobleme sind gefragt.

Vor allem der Bausektor, der rund 54,7 Prozent des jährlichen Brutto-Abfallaufkommens in Deutschland verursacht, steht in der Verantwortung. Angesichts der großen Aufgaben, die in Bezug auf Klima, Energie und Rohstoffe vor uns liegen, ist ein Wandel daher unumgänglich. Wie schaffen wir es also, die Menschheit zu befähigen, dass sie sich innerhalb der planetaren Grenzen bewegt? Und wie können wir unser Wirtschaftssystem so anpassen, dass die Nutzung der Ressourcen nicht zulasten kommender Generationen geht?

Die gute Nachricht ist: Durch Re- und Upcycling, beispielsweise von Baustoffen, lassen sich schon heute Energie und CO2-Emissionen einsparen. Zudem werden so weniger Rohstoffe benötigt und Folgekosten durch Umweltschäden reduziert. Recycling dient also nicht nur dem Schutz des Klimas und dem schonenden Umgang mit Rohstoffen, sondern lohnt sich auch aus wirtschaftlichen Gründen. Doch mit Recycling allein schaffen wir es nicht, die enormen Herausforderungen hinsichtlich immer knapper werdender Ressourcen zu bewältigen. Was wir dringend brauchen, ist eine konsequente Kreislaufwirtschaft, weg von dem linearen Wirtschaftssystem hin zur zirkulären Wirtschaftsweise. Der Lösungsweg lautet daher: Circular Economy.

Eine echte Kreislaufwirtschaft sieht vor, dass alle Produkte und Materialien unendlich in Kreisläufen zirkulieren können. Übertragen auf die Baubranche bedeutet das: Die in den Gebäuden eingesetzten Bauprodukte sollten so gestaltet sein, dass sie chemisch unbedenklich, sortenrein trennbar und vollständig recycelbar sind. Derzeit entspricht Großteil der Produkte noch nicht dieser Anforderung. Hinzu kommt, dass die Produktinhalte, ihre stoffliche Zusammensetzung sowie der monetäre Wert der eingesetzten Rohstoffe nicht ausreichend dokumentiert sind. Sprich, es lässt sich nicht vollständig nachvollziehen, ob ein im Gebäude gebundene Bauprodukt für die Zurückführung in den Kreislauf geeignet ist und über welchen Rohstoffwert er verfügt.

Um die Circular Economy in der Bau- und Immobilienbranche voranzubringen, braucht es daher ein digitales Kataster, in dem alle notwendigen Informationen zu Materialien in einer Online-Cloud-Plattform zu finden sind. Durch den sogenannten „One-Stop-Zugangspunkt“ kann der Nutzer Informationen bezüglich der Umweltauswirkungen des Produkts bzw. Assets sowie gesundheits-, regulierungs- und finanzbezogene Entscheidungshilfen über den gesamten Lebenszyklus des Objekts liefern. Die Datenbank sollte zudem Informationen zu Objekten digital und standardisiert (Stichwort: digitaler Zwilling/BIM) mit Asset-, Produkt- und Materialdaten speichern, anreichern, teilen und verwalten können.

Madaster ist so eine Online-Plattform für Materialien. Sie schafft Transparenz über Materialwerte und bietet eine vertrauenswürdige Datenquelle. Gleichzeitig schafft sie ein Ökosystem, das Marktplätze für wiederverwendete Produkte, Architekten, Projektentwickler, Banken, Asset Manager und die öffentliche Hand an einem Ort zusammenbringt. Alle Akteure können sich einbringen und ihre Dienste über die Plattform auf Anfrage den Plattformnutzern zugänglich machen. In allen Fällen sind die Daten sicher und geschützt gespeichert und können von Nutzern einfach verwaltet werden. Das stellt die gemeinnützige Madaster Foundation mit Sitz in den Niederlanden sicher.

Madaster ist bereits in acht Ländern aktiv. Allein in den Niederlanden, wo Madaster ursprünglich gegründet wurde, sind auf der Plattform mehr als 7,5 Million Quadratmeter mit über 2.000 Gebäuden registriert. Nur durch diese flächendeckende Registrierung von Gebäuden wird es zukünftig möglich sein, die Ressourcen im Kreislauf zu halten.

Mithilfe der digitalen Prozesse und Tools treibt Madaster die Circular Economy im Bau- und Immobiliensektor weiter voran und hilft dabei, Stoffkreisläufe zu schließen. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, künftig innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften – und unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie gerne Patrick Bergmann, Geschäftsführer der Madaster Germany GmbH: patrick.bergmann@madaster.com

 

Der Autor
Patrick Bergmann
Managing Director