04.12.2020
Carola Schellhorn

Wie Fahrradgaragen für nachhaltige Nutzungen und ein ästethisches Stadtbild sorgen

Klimaschutzziele verleihen nicht nur Kellerräumen einen ungeahnten Nachhaltigkeitsboost

Welche Auswirkungen hat der Fahrradboom für die Ästhetik der Stadtbildpflege? Welche Anreize können Fahrradgaragen sowohl für die Stadtplanung als auch die Nutzer bieten?

Infrastrukturell betrachtet wurde der Fokus beim Radverkehr lange Zeit nahezu ausschließlich auf die Verkehrssicherung und die Entwicklung von Streckenführungen gelegt, wenn es um die Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs ging. Der prioritäre Stellenwert der Sicherheit, die Schaffung von Fahrradstraßen und Fahrradschnellstrecken soll selbstverständlich unangetastet bleiben. Das Bild der ungeordneten Fahrradmassen, manche stellenweise umgefallen und ineinander verkeilt, verleihen dem Stadtbild einen ungeordneten, unaufgeräumten Touch.

Um die Attraktivität des Radverkehrs zu steigern sind zentrale Abstellmöglichkeiten ein wichtiger Faktor. Aus einer Vielzahl von Werkstattgesprächen kann ich berichten, dass Wünsche nach freien Plätzen, freien Bewegungsräumen und freien Sichtbeziehungen keine Seltenheit darstellen um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Diesen Wünschen folgt die Ausgestaltung des urbanen Raumes auf eine abgestimmte Nutzung der Flächen. In Städten mit historischen Stadtkernen kamen diese Wünsche in ganz besonderem Maße zu tragen. Die Zierde, die Schönheit und der Reiz der Stadt soll sichtbar sein, nicht zugestellt. Dem gegenüber stehen in solchen Werkstattgesprächen ganz andere Interessen. Beispielsweise die Zentralität von Fahrradabstellflächen. Die Schaffung von Fahrradabstellmöglichkeiten in PKW-Garagen und auf Abstellflächen am Zentrumsrand werden als weniger attraktiv wahrgenommen und tragen deshalb nicht zur Steigerung der Attraktivität bei.

Mit dem Fahrrad lange Abfahrten und Strecken in einer PKW-Garage zurückzulegen kann zuweilen, je nach Ausbauzustand und Beleuchtung der Garage, einen beklemmenden Eindruck vermitteln. Neben dem gezeichneten Bild aneinandergereihter Fahrräder kommt bei Fahrradabstellflächen am Rande des Zentrums hinzu, dass sich der Wunsch nach Zentralität nicht erfüllt. Klassische Fahrradabstellflächen nehmen viel Raum in Anspruch und lassen die Anforderungen an eine smarte Lösung vermissen. Die Themenfelder Sicherheit, Stadtbildpflege und Komfort führten über den Gedanken einer nachhaltigen C2C Kreislaufwirtschaft zu Leerständen. Und zwar zu Kellerleerständen. Die Fragestellung war geboren, wie Keller, die ehemals der Lagerung von Heizöltanks dienten oder andere „Leerräume“ umgenutzt werden können.

Andere Leerräume, wie ausgediente U-Bahnschächte und ausgediente PKW-Parkgaragen. Leerräume, die unterschiedliche Höhen, Tiefen und Längen aufweisen. Diese Fragestellung wurde von der Smart City Concepts GmbH, einem Start Up Unternehmen aus Frankfurt a.M., aufgegriffen und auf internationaler Ebene mit Hochschulen entwickelt. Unterstützung erhielt das Unternehmen vom niederländischen Planungsbüro Povse und Timmermanns aus Sittard. Der Blick focussierte sich auf die Attribute nachhaltig, umweltfreundlich, flexibel und smart. Eine direkt aufbauende Anforderung für intelligente Mobilität ist sowohl der Übergang vom Rad auf öffentliche Verkehrsangebote sowie das einfache Verwahren der Fahrräder am Zielort.

Im Forschungs- und Entwicklungsprozess spielte deshalb auch die Handhabung und die direkte Nähe zum Zielort eine maßgebliche Rolle. Fahrräder können schwer sein. Ein Anheben, manchmal sogar auf zweite Ebene, ist für kleinere oder gebrechlichere Personen selten leistbar. Bei Fahrradverwahrorten sind, ähnlich wie bei offenen Fahrradabstellflächen, zuweilen weite Wege zurückzulegen. Die Steigerung der Attraktivität des Radverkehrs liegt neben einer einfachen Handhabung auch in der Zeitbilanz. Der Zeitaufwand für das Abstellen des Fahrrads und das Zurücklegen des Weges bis zum Ziel ist nicht zu unterschätzen. Und das Thema Sicherheit spielt auch bei dieser Betrachtung wieder eine Rolle. Diebstahlsicher. Nicht selten werden für die Fahrt zu den Hubs ausgediente Fahrräder genutzt, bei welchen ein Diebstahl sich weniger schmerzlich darstellt. Dabei sollte das komfortable Fahrrad dazu dienen bspw. die Arbeitsstrecke bequem zurückzulegen. Mit der Gewissheit, dass das Fahrrad auch am Abend übernommen werden kann. Und dies auch in einem trockenen Zustand.

Die entwickelte und patentierte Alternative ermöglicht eine stressfreie und sichere Reservierung per App. Das Fahrrad kann bequem abgegeben und später abgeholt werden. Das Fahrrad wird für Dritte unzugänglich verwahrt. Die Übergabestation ist schlicht gestaltet und stellt deshalb keine Beeinträchtigung der Stadtbildpflege dar. Neben der erhaltenden Ästhetik findet eine Attraktivitätssteigerung im Hinblick auf nachhaltige C2C Kreislaufwirtschaft, Sicherheit, Komfort, digitale Nutzung und Auslastung ungenutzter Leerstände statt. Hinzu kommt eine einfache Handhabung des Buchungs- und Bezahlsystems. Und mehr sollte an dieser Stelle nicht verraten werden. Ich lade Sie ein am 3. Mobilitätsgipfel Details zu Ausführung, technische Ausrüstung, modulare Systematik, App, Nachhaltigkeit und Patent kennen zu lernen. Freuen Sie sich auf diese gelungene Innovation.

Das Event zum Thema
Die Autorin
MBA Carola Schellhorn