20.02.2020
Jan Ninnemann

Dialog-Forum Hamburg - Handel,Logistik, Mobilität - neue Wege in der Stadt

Innovative Zustellkonzepte auf der letzten Meile – Trends und Entwicklungen

Ausgangssituation: Städtischer Lieferverkehr als Herausforderung

Die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen ist für die Lebensfähigkeit einer Stadt, ihrer Bewohner und Unternehmen unverzichtbar. Gleichzeitig bildet der gewerbliche Güterverkehr eine der zentralen Herausforderungen für urbane Agglomerationsräume: Er verursacht Lärm und Schadstoffemissionen, beeinträchtigt die Verkehrssituation und blockiert städtischen Raum; E-Commerce und veränderte Lieferstrukturen des stationären Handels führen zu zusätzlichen logistischen Herausforderungen. Ziel muss es daher mehr denn je sein, neue, umweltfreundliche und effektive Konzepte zur Versorgung der Innenstädte zu entwickeln.

Innovative Logistikkonzepte für verdichtete Innenstadt- und Wohnlagen

Die Notwendigkeit, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten und die durch Zustellverkehre induzierten Emissionen zu senken erhöhen den Druck auf die KEP-Branche, ihre logischen Konzepte insbesondere in stark verdichteten Innenstadt- und Wohnlagen weiter zu optimieren. Die bereits in Teilen vollzogene Umstellung der KEP-Flotten auf E-Fahrzeuge leistet zwar einen wichtigen Beitrag zur Emissionsvermeidung, liefert aber keine Antwort auf die immer drängender werdenden Verkehrsprobleme in der Hansestadt. Um den Straßenverkehr spürbar zu entlasten ist daher eine weitreichende Umstellung der logistischen Abläufe erforderlich. Diese beinhaltet, dass Sendungsempfänger zukünftig in deutlich geringerem Maße zentral von einem großen Distributionszentrum aus mit großen Fahrzeugen nach dem „Milkrun-Prinzip“ versorgt werden. Stattdessen gewinnt die Zustellung über kleine, quartiersbezogene Logistikanlagen (sogenannte Micro-Hubs) an Bedeutung. In vielen Städten wurden in den vergangenen Jahren verschiedenartige Maßnahmen zur Erprobung innovativer Zustellkonzepte angestoßen, um der rasanten Zunahme von Zustell- und Lieferfahrten zu begegnen. Im Jahr 2015 hat die Freie und Hansestadt Hamburg zusammen mit dem Paketlogistiker United Parcel Service Deutschland (UPS) ein Modellvorhaben initiiert, um zukunftsfähige Lösungen für den Lieferverkehr zu erproben. Hierzu hat UPS an vier zentralen Standorten in der Hamburger Innenstadt Container als Zwischenlager (sogenannte „Micro-Hubs“) aufgestellt. Von hier aus erfolgt die Zustellung von Sendungen zu Fuß mit Sackkarre, mit Lastenfahrrad oder einem elektrisch unterstützten Fahrrad. Im Zuge einer Evaluation dieses Modellvorhabens konnte neben positiven Effekten auf Verkehr und Umwelt auch nachgewiesen werden, dass die Verfügbarkeit anforderungsgerechter Flächen für den Aufbau dieser Micro-Hubs ein zentrales Hemmnis für die weitere Entwicklung innovativer Lieferkonzepte darstellt.

Umsetzung neuer Konzepte erfordert politische Unterstützung

Entscheidend bei der Umsetzung innovativer Zustellkonzepte ist vor allem der Gestaltungswille von Politik und öffentlicher Verwaltung. Überlassen beide den KEP-Dienstleistern die Standortfrage, entsteht ein Wildwuchs von Depots. Bietet die Stadt allerdings gezielt Flächen dort an, wo sie ins Stadtbild passen und verkehrstechnisch sinnvoll sind, können sie die Flächenauswahl der Mikrodepots aktiv beeinflussen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Erarbeitung langfristig verkehrlich effizienter Strukturen mit kurzen Wegen und guten funktionalen Mischungen im Rahmen der Stadt- und Bauleitplanung.

 

Der Autor
Prof. Dr. Jan Ninnemann
Professor für Logistik
HSBA Hamburg School of Business Administration