24.01.2020
Bernhard Frohn

Verloren im Birkenhain

New Work verlangt nach Service und perfekten Gebäuden wie das Aachener Arbeitswelten-Konzept BOB zeigt

In der Aachener Solarsiedlung entstand mit BOB bereits 2002 eine Büro-Immobilie, die in puncto Arbeitsraumkonzepte und Raumklimakomfort wegweisend ist. Das BOB-System erobert mittlerweile ganz Deutschland und bietet neue Arbeitswelten als Service.

Google und Co machen es uns in puncto New Work vor: Je ausgefeilter die Ideen und je verspielter die Elemente, desto besser klappt es dann mit der Kreativität und der Leistungsfähigkeit, so die Annahme. Viele Unternehmen „verordnen“ mittlerweile New Work von oben, geben Prozesse vor und glauben dann, dass mit einem Kicker in der Ecke und einem künstlich beleuchteten grünen Birkenhain die Innovation ins Unternehmen einzieht. Kann New Work aber in dunklen Flurfluchten, Einzelzellenbüros und miesem Raumklima gelingen? Sicher nicht.

Neue Arbeitswelten benötigen zunächst weder Birkenhain noch Kicker, sondern Platz und Raum.

Gemeint sind Räume und Zonen, die Flexibilität für das Arbeiten von Teams oder aber auch der spontanen Begegnung zulassen. Diese Grundprinzipien wurden im BOB. Aachen bereits vor vielen Jahren realisiert.

Moderne Bürokonzepte sind nach dem Multi-Space-Gedanken konzipiert und lassen die Kombination von allen erforderlichen Arbeitsmodellen zu. Einzelarbeit in kleinen Büros sind ebenso möglich wie Doppel-, Teambüros oder gar Open-Space-Bereiche. Manche Tätigkeiten oder Projekte erfordern Räume für spontane Besprechungen. Teams wachsen manchmal oder es gibt Kooperationen mit anderen Unternehmen, die plötzlich Platz erfordern. Grundrisse müssen daher flexibel sein und sich beim Expandieren oder bei strukturellen Veränderungen des Unternehmens anpassen können, ohne den Betrieb durch langfristige und teure Umbaumaßnahmen lahmzulegen.

Auch die Arbeits- und Präsenzzeiten sind im Wandel. Menschen im Homeoffice benötigen oft nur temporäre Arbeitsplätze. Moderne Büros schaffen hier Angebote und nutzen den vorhandenen Raum optimal aus.

Zu den räumlichen Grundanforderungen des – immer öfter auch kooperativen – Arbeitens gesellen sich Angebote für eine kurze Erholung oder den spontanen Austausch. Den strategisch wichtigen und hochinformativen Charakter des „Teeküchengesprächs“ kann man auch in professionell gestaltete Bereiche transferieren und es den Kolleginnen und Kollegen dabei etwas komfortabler machen. Oder man installiert gleich eine richtige Küche, in der die Mitarbeitenden mal zusammen kochen können. Und wer will, kann in diesen Zonen dann auch spielerische Elemente wie den schon sprichwörtlichen Kicker installieren. Die Kommunikation ist das Wichtige und da tut es oft auch schon eine Bar mit Stehhockern. In allen BOB-Arbeitswelten ist eine großzügige Zone in der Gebäudemitte vorgesehen, die eine Kombination der genannten Nutzungsanforderungen und Raumtypen aufnehmen kann.

Hochqualifizierte Arbeit, und das sind alle Tätigkeiten, die Menschen im Büro an der Schnittstelle zwischen Wissen und Kreativität verrichten, benötigt optimale äußere Bedingungen. Ein hervorragendes Raumklima, viel natürliches Licht, eine den Bedürfnissen angepasste automatische Belüftung und ausreichend Schallschutz gepaart mit einer guten Akustik sind die Basics, für die jeder Unternehmer sorgen sollte. Denn der Kopf wird nur frei, wenn für die Grundbedürfnisse des Körpers gesorgt ist. Und es schadet keinesfalls, wenn das Bürogebäudesystem neben Getränken und frischem Obst auch Services anbietet, die dem Mitarbeitenden grundsätzlich das Leben erleichtern.

Die Büroimmobilie der Zukunft schafft durch Services für New Work die eigentliche Basis.

Eine Paketstation, Apps für Einkäufe und Ernährung, Unterstützung im Mobilitätsverhalten, Carsharing-Angebote und vieles mehr sorgen für den Menschen, der sich im Büro auf das Denken konzentrieren kann. Diesem Grundgedanken einer umfassenden Servicewelt des Arbeitens folgt BOB bei allen neuen Projektentwicklungen.

Viele Bestandsgebäude kommen beim Thema New Work dagegen faktisch an ihre Grenzen. Es ist reine Augenwischerei zu glauben, man könne in alte Kästen der sechziger und siebziger Jahre moderne Arbeitswelten installieren. Möglichweise lässt sich durch Innendesign und den ein oder anderen Birkenhain etwas verbessern, das Grundübel bleibt bestehen: mieses Raumklima, dicke Luft, eine verbaute Architektur und geringe Nachhaltigkeit durch mangelhafte technische Systeme sind für viele junge potenzielle Mitarbeitende ein Graus und schrecken sie vor einem Engagement in solchen Unternehmen ab. Die Botschaft ist ja auch klar: Hier wird nicht in die Menschen investiert.

Neue Arbeitswelten finden aber nicht nur in den isolierten Büros der einzelnen Unternehmen statt. Auch das kooperative Arbeiten von Unternehmen wird beweglicher. Unter dem Begriff Corporate Coworking versteht man das durchaus agile Zusammenarbeiten auf Unternehmensebene. Aber in welchen Bürogebäuden lässt sich dies realisieren? New Work erfordert Begegnungszonen. So kann eine Lounge oder Cafeteria im Erdgeschoss oder auf der Dachterrasse zur Diskussion über Unternehmensgrenzen hinweg anregen bzw. wieder Raum geben. Und dort wo ganz fremde Disziplinen aufeinandertreffen, entstehen unvermutet neue Ideen, Synergien und eine ganze Menge Spaß. New Work will mehr.

New Work möchte, dass wir kooperieren, Netzwerke bilden und neue Formen des Arbeitens austesten – mit oder ohne Birkenhain.

Dr. Bernhard Frohn, BOB AG, www.bob-ag.de, vertreten auf dem Aachener Immobiliendialog

Der Autor
Dr. Bernhard Frohn
Vorstand
BOB efficiency design AG