04.12.2019
Ulrich Jochum

Interview mit Ulrich Jochum, Bereichsleiter Filialentwicklung von ALDI GmbH & CO. KG Mörfelden

Aldi Süd: Back to the roots – als Nahversorger! Worauf zielt Aldi Süd in Darmstadt ab?

Mangelnde Bauflächen in stark wachsenden Städten bringen den Handel zu neuen Kooperationsmodellen.

Quelle: ALDI Mörfelden

Hanna Bosova: Wie viele Projekte hat Aldi Süd aktuell in Darmstadt und Darmstadt-Dieburg? Wie viele davon sind mit einer Mischnutzung geplant?
Ulrich Jochum: Derzeit sind - in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg - fünf Projekte in Form von Neubauten und Erweiterungen bestehender Märkte geplant. Zwei Mischnutzungen aus der Kombination Handel und Wohnen sind vorgesehen. In einem anderen Fall wird eine Filiale in Kombination mit anderen Händlern in eine Art Fachmarktzentrum eröffnet.

Hanna Bosova: Auf welche Kombinationsarten setzt Aldi Süd?
Ulrich Jochum: Grundsätzlich sind verschiedenste Nutzungen denkbar; die Kombination aus Handel/Wohnen und/oder Kita und/oder betreutes Wohnen.  In Absprache mit den städtischen Stellen können wir bei Neubauten auf die vor-Ort benötigte Raumnutzung eingehen, auch für Wohnen für niedrige und mittlere Einkommen. Wir sind offen für die gewünschte und benötigte Nutzung der zusätzlichen Flächen neben und auf unserer Filiale.

Hanna Bosova: Wird der Planungs- und Bauprozess durch Mischnutzung erschwert?
Ulrich Jochum: Für solche Projekte ist ein höherer Abstimmungsbedarf mit unterschiedlichen Stellen notwendig. Man muss eine Reihe von zusätzlichen Vorgaben beachten, wie z.B. Lärmschutz oder die Anlieferungsfrequenz. Das hat zur Folge, dass von der Planung bis zur Realisierung mehr Zeit vergeht und dass unter dem Strich höhere Kosten zu Buche schlagen. Des Weiteren gibt es in der Bevölkerung und in der Nachbarschaft teilweise Widerstände und Bedenken gegen solche Projekte. Hier bemühen wir uns, auf die Sorgen einzugehen und praktikable Lösungen zu erarbeiten.

Hanna Bosova: Warum steigt die Anzahl der gemischt genutzten Projekte bei Aldi Süd?
Ulrich Jochum: Die Filiale auf der grünen Wiese möchten wir nach wie vor realisieren; aber wir möchten uns wieder ein Stück weit - „back to the roots“ - als Nahversorger einbringen. Da die Flächen in den Stadtkernen sowie stadtnahen Bereichen besondere Zuschnitte und geringere Grundflächen haben, bieten wir Möglichkeiten an, diese Flächen besser auszunutzen. Zum anderen gehen die Kommunen aktiv auf uns zu, um verschiedene Möglichkeiten der Mischnutzung zu erörtern. Kommt es dann zu einer solchen Kombibelegung mit Handel und beispielsweise Wohnen haben dann folglich alle Partner einen Nutzen von dem Projekt: wir haben eine Filiale, die Kommune hat Wohnraum geschaffen und die Bewohner haben dringend benötigten Wohnraum zur Verfügung.

Hanna Bosova: Erleichtert Ihre Flexibilität in der Bauplanung den Erwerb des Grundstücks?
Ulrich Jochum: Durch unsere erhöhte Flexibilität zur Mischnutzung hat man ein „offeneres Ohr“ für unsere Pläne, uns als Nahversorger zu positionieren. Nach wie vor ist der Erwerb von Grundstücken in den genannten Bereichen sehr schwierig und eine große Herausforderung. Letztendlich ist aber das Gesamtkonzept des Projektes dafür ausschlaggebend, inwieweit das Projekt umgesetzt werden kann.

Hanna Bosova: Was passiert mit den bestehenden Filialen? Werden Sie nachverdichtet oder aufgestockt?
Ulrich Jochum: Bei den bestehenden Filialen ist vor allem die Statik nicht auf eine Aufstockung ausgerichtet. Auch wurde die Positionierung der Filiale auf dem Grundstück rein auf das Filialgeschäft realisiert; also nicht optimal für eine Kombi aus beispielsweise Wohnen und Handel. Eine Möglichkeit der Nachverdichtung oder Aufstockung ist vorstellbar, wenn an einem Standort eine „in die Jahre gekommene Filiale“ betrieben wird. In einem solchen Falle ist ein Abriss/Neubau eine gute Option. In diesem Falle kann auf die zu errichtende Filiale eine weitere oder mehrere Nutzungen geplant werden. Solche Lösungen sind denkbar, müssen aber im Einzelfall geprüft werden.

Der Autor
Ulrich Jochum
Bereichsleiter Filialentwicklung
ALDI GmbH & Co. KG Mörfelden