31.10.2019
Petra Banzhaf

Interview mit Maximilian Stark (e.2GO GmbH)

Die Städte brauchen Mobilitäts - Hubs!

Für unsere Städte gibt es zwei Herausforderungen: Emissionen und Verkehrsdichte. Emissionen lassen sich schnell durch neue Technik reduzieren. Um die Verkehrsdichte zu regulieren bedarf es neuer Ansätze. Sind Mobilitäs - Hubs die Lösung?

Quelle: e.2GO GmbH

PB: Der Verkehr in der Stadt soll reduziert werden. Wie sieht der Ansatz von e.2GO aus?

MS: Wir haben in den Innenstädten zwei große Herausforderungen. Die erste Herausforderung sind die Emissionen und die zweite ist die Verkehrsdichte. Die Emissionen, Co2 und die Stickoxyde, lassen sich durch alternative Antriebe reduzieren. Die zu hohe Verkehrsdichte stellt die Städte vor größere Aufgaben, denn Sie führt zu geringerer Verkehrsflächenproduktivität. Verkehrsflächenproduktivität beschreibt wie viele Personen pro Zeiteinheit auf einem Straßenabschnitt transportiert werden. In der Regel befinden sich zu viele PKW mit zu wenig Personen pro Fahrzeug auf der Straße. Besonders in Stoßzeiten bringt das den Verkehr zum Erliegen. Im Durchschnitt bewegen sich die Fahrzeuge mit ca. 25 km/h und 1,5 Personen durch die Stadt. Dabei werden ca. 8 qm Fläche genutzt. Ziel sollte sein, die Verkehrsflächenproduktivität zu steigern. Dies kann durch Verkehrsbündelung geschehen. Das heißt, die Anzahl Personen pro Fahrzeug sollte erhöht werden, um den Individualverkehr zu reduzieren. Durch die Schaffung zusätzlicher Angebote, zum Beispiel kleinere Schuttlebusse des ÖPNV, könnte dies geschehen. Diese Busse können von sogenannten Bündelungsstationen, oder auch Mobility Hubs genannt, starten, die außerhalb der Städte liegen. Sie sind eine neue Generation der Park & Ride Plätze, die am Stadtrand oder sogar in ländlichen Regionen liegen können. Das ist die Lösung, die wir anbieten, um den innerstädtischen Verkehr wieder produktiver zu gestalten.

PB: In wie fern ist Ihr Konzept auch für bestehende Immobilien umsetzbar?

MS: Bestehende Immobilien eignen sich sehr gut für unser Konzept, wenn sie die richtige Größe und die richtige Lage haben. Um eine signifikante Wirkung zu erreichen müssen Mobility Hubs zwischen 2000 und 5000 Stellplätzen zur Verfügung stehen, um die entsprechenden Pendlerströme zu bündeln. Je nach größe der Stadt sind mehrere solcher Mobility Hubs notwendig, um einen Effekt zu erzielen. Für diese Immobilien muss allerdings eine Umnutzung möglich gemacht werden, da diese dann zu multimodalen Knotenpunkten verändert werden können. Hier kann sowohl eingekauft, abgeholt als auch getagt werden. Dafür könnten sich Shoppingcenter oder auch Stadien anbieten. Gleichzeitig muss die Attraktivität der Innenstädte gewährleistet werden. Eine stadtplanerische Aufgabe die sich in diesem Zusammenhang stellt.

PB: Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Mobilitätswende?

MS: Die Digitalisierung hat eine absolute Kernfunktion. Dafür gibt es zwei Gründe. Der eine Grund ist die „On-Demand“ Funktion, also die Funktion, dass mir Dienste zu einem gewünschten Zeitpunkt an einem gewünschten Ort zur Verfügung stehen. Der andere Grund ist die Bündelungs- bzw. Poolingfunktion. Hinter dieser Funktion, zu der auch die Routenplanung gehört, stehen komplexe Algorithmen die die Routen nach entsprechender Nachfrage berechnen können. Dies ist kurzfristig ein wesentlicher Teil der Mobilitätslösung. Langfristig gesehen ist ohne die Digitalisierung kein autonomes Fahren möglich. Das autonome Fahren wird bereits seit längerem entwickelt und die e.GO Mobile AG startet in Kürze mit den ersten Fahrversuchen der hochautomatisierten e.GO Mover. Langfristig können so die individuellen Fahrer der Shuttlebusse ersetzt werden, was die Wirtschaftlichkeit massiv steigert. Ähnlich wie die Flugüberwachung für den Luftraum, bedarf darüber hinaus einer zentralen Leitstelle, die automatisierten Fahrzeuge überwacht und kontrolliert. Wir nennen das „Autonomous Mobilitäy Network“

PB: Was ist für Sie komfortable Mobilität?

MS: Wenn ich keine Fahrpläne lesen muss und wenn ich mir keine Gedanken machen muss zu welcher Uhrzeit ich welches Verkehrsmittel noch nutzen kann. Darum ist, Stand heute, für mich komfortable Mobilität, wenn mein Auto vor der Tür steht und ich damit jederzeit von A nach B fahren kann. Noch komfortabler wird es, wenn das Auto selber fährt und einparkt, also eine bestellte Taxifahrt. Diese ist maximal zeiteffizient, aber nicht ökonomisch und ökologisch. Aus dem Dreieck Qualität ( Convenience ), Kosten und Zeit ergibt sich, dass das „On-Demand“ Shuttle, das in einem Radius von 200 bis 300 Metern innerhalb kürzester Zeit, oder zu festen Zeiten, zur Verfügung steht, die komfortabelste und sinnvollste Lösung ist. Davon profitieren nicht nur die Nutzer, sondern auch die Städte. Die Planbarkeit der Fahrt hat großen Einfluss auf die Convenience, denn nicht die Dauer der Fahrt ist der kritische Faktor. Wenn ich weiß, dass die Fahrt mit dem Shuttle bspw. immer 20 Minuten dauert, lasse ich mein Auto gerne stehen, auch wenn ich damit vielleicht 5 Minuten schneller wäre. Denn ich habe 20 Minuten gewonnen zum Lesen oder Arbeiten statt 15 Minuten verloren.

Das Event zum Thema
Die Autorin
Petra Banzhaf
Projektleiterin
Sturme Communications