31.10.2019
Yvonne Traxel
Markus Richthammer

Mit modularem Bauen zu mehr Effizienz im Wohnungsbau

Schneller Wohnen

Innovative Konzepte sind auf dem Wohnungsmarkt gefragter denn je, um dem knappen Wohnraum entgegenzuwirken. Modulares Bauen stellt hier eine spannende Lösung dar.

YT: Wenn von der Flexibilität im Modulbau die Rede ist, was ist genau damit gemeint?

MR: Mit unserem flexiblen Baukastensystem können wir mit maxmodul vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten verwirklichen. Bei uns bedeutet modular Bauen das Planen durch Konfiguration. Gebäude werden durch den Systembaukasten konfiguriert, ohne auf Individualität und gestalterische Möglichkeiten zu verzichten.

 

YT: Welchen Beitrag kann der Modulbau zu mehr kostengünstigen Wohnraum leisten?

MR:  Serielles Bauen kann die Kosten reduzieren, zum einen durch Skaleneffekte, also hohe Stückzahlen, die sich positiv auf die Herstellungskosten auswirken, zum anderen über Planung und Produktion. Besonders der Planungs- und Genehmigungsprozess muss noch deutlich effektiver werden, um hier entsprechende Potentiale auszuschöpfen. Zudem wäre eine bundeseinheitliche Bauordnung ein wesentlicher Stellhebel, um auf das maximale Kostenpotential im seriellen Wohnungsbau zuzugreifen. Zusätzlich können wir weitere Kostenvorteile ausschöpfen, wenn wir die Materialverschwendung auf ein Minimum reduzieren.

 

YT: Wie viel Zeit kann durch den Einsatz der Fertigbauteile und Module eingespart werden?

MR: Bei unserem ersten Projekt in Bayreuth konnten wir nach nur rund vier Monaten Bauzeit dem Bauherrn Vonovia das neue Wohngebäude „Am schwarzen Steg“ übergeben. Der Neubau mit Wohnungen zwischen 40 und 140 Quadratmetern besteht aus 60 Modulen, die in einer reinen Montagezeit von 10 Tagen errichtet wurden. Um es zu verdeutlichen: Für ein vergleichbares Gebäude in konventioneller Bauweise wird ungefähr ein Jahr Bauzeit veranschlagt.

 

YT: Wo sehen Sie die größten Einsatzpotenziale für den Modulbau?

MR: Die Firmengruppe verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Modulbau und serielle Fertigung. Unser Produkt maxmodul eignet sich besonders für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. Aber auch für Bürobauten, Hotels oder Boardinghäuser bietet das System viele Vorteile. Erste Bauprojekte in Bayreuth, Frankfurt und Dresden wurden bereits mit unseren Raummodulen in Massivbauweise realisiert und dem Bauherrn übergeben. Bauvorhaben in Manching, Leipzig, Berlin oder Pfaffenhofen befinden sich in der Montage, weitere Projekte beispielsweise Dortmund oder Berlin in der Produktion. Die Projekte decken dabei Größenordnungen von 8 bis hin zu 200 Wohneinheiten ab.

 

YT: Welche Vorteile sind das im Detail?

MR: Die Modulbauweise hat viele Vorteile: Wirtschaftlich, sozial, ökologisch als auch städtebaulich. Im Wesentlichen zeichnet sich maxmodul aber durch die hohe Qualität und Präzision durch die Fertigung in unserer Baufabrik und die damit einhergehende kurze Produktions- und Montagezeit aus. Das ermöglicht einen planbaren und zügigen Baufortschritt und kurze Finanzierungszeiten. Zudem handeln wir nachhaltig, in dem wir Abläufe optimieren, Energie und Ressourcen sparen und vor Ort auf der Baustelle Lärm und Müll vermeiden. Das freut nicht nur die Anwohner.

 

YT: Was sind die Voraussetzungen für einen modularen Wohnungsbau?

MR: Die Voraussetzungen sind denkbar einfach:  Von Anfang im System denken. d.h. die Planung muss von Beginn an auf das Bausystem aufbauen und abgeschlossen sein, bevor die Module in Produktion gehen.

 

YT: Wie gehen Sie an die Projekte heran?

MR: Im ersten Schritt betrachten wir das Grundstück: Wie groß ist die bebaubare Fläche, welche Abstandsflächen müssen eingehalten werden? Wenn uns diese Informationen vorliegen, können wir unser Modulraster auf die bebaubare Fläche legen und ein erstes „Klötzchenmodell“ erstellen. Im nächsten Schritt erstellen wir für den Bauherrn den optimalen Wohnungsmix und das Regelgeschoss, aus denen sich letztendlich das Gebäude ergibt. Idealerweise werden wir bereits in die erste Planungsphase einbezogen, um entsprechend unseren Systemgedanken einzubringen und effizient vorzugehen.

 

YT: Welche Innovationen sehen Sie in den nächsten fünf Jahren in der Vorfertigung des Modulbaus?

MR: Grundsätzlich wollen wir den Automatisierungsgrad in unserer modernen Baufabrik noch mehr erhöhen und die Vorfertigung weiter ausbauen. Die Weiterentwicklung von einzelnen Bauteilen spielt hier eine wichtige Rolle, wie beispielsweise die Moduldecke oder Fußbodenheizung. Ergänzend dazu spielt die Standardisierung von Prozessen und Abläufen eine wichtige Rolle, um unsere Projekte noch effizienter zu verwirklichen.

Die Autoren
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH
Markus Richthammer
Vorstand Industrie
Firmengruppe Max Bögl