05.09.2019
Yvonne Traxel

Immobilien-Dialog Wirtschaftsraum Hamburg

Lebenswertes Quartier in Hamburg heißt, auch bezahlbar muss es sein

Zum Auftakt des sehr gut besuchten Immobilien-Dialogs Wirtschaftsraum Hamburg gab es sogleich eine klare Ansage an die Immobilienwirtschaft von Karin Siebeck, Amtsleiterin für Wohnen, Stadterneuerung und Bodenordnung der Stadt Hamburg.

Wenn es um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum geht, wird es mehr Regularien geben, die den Markt steuern werden. Zwar ist die 10.000er Marke an Wohnungen, die letztes Jahr gebaut wurden, geknackt worden und Hamburg ist damit führend im Vergleich mit anderen Großstädten. Um den Preiserhöhungsdruck zu dämpfen und damit die Durchmischung in der Stadt sicherzustellen, werden die Empfehlungen der Baulandkommission künftig umgesetzt. Das bedeutet, dass das Vorkaufsrecht der Kommunen weiterentwickelt wird, städtebauliche Verträge konsequent angewendet werden und es eine Experimentierklausel gibt, die es den Kommunen grds. ermöglicht, das Wohnen auch auf Grundstücken mit emmissionsverursachendem Gewerbe zu genehmigen. Zudem ist eine neue Konditionierung des Erbbaurechts vorgesehen. Da die Hansestadt Hamburg in der Baulandkommission stark vertreten war, waren die Teilnehmer wenig überrascht angesichts dieser Ankündigungen.

Karin Siebeck betonte in der Diskussionsrunde, dass sich das Erbbaurecht modern gestalten lässt und ein wunderbares Instrument für Stadt, Immobilienwirtschaft und Gesellschaft darstellt. Wolfgang Kessler von Union Investment Institutional Property kritisierte, dass das Erbbaurecht fast immer unter wohnungspolitischen Gesichtspunkten diskutiert wird. Als Kapitalanlageinstitut investieren sie in Fonds und brauchen daher eine klare Positionierung der Produkte. Reine Erbbauprodukte gibt es allerdings nicht, so dass das Erbbaurecht unter Anlagegesichtspunkten im Grunde ein Finanzierungsinstrument ist. Tatsächlich vergibt die Hamburg Invest schon länger gewerbliche Grundstücke im Erbbaurecht wie z.B. im Fall von Hammerbrooklyn. Fest steht jedenfalls, dass im Erbbauzins alles das eingepreist wird, was an Auflagen mit dem Grundstück verbunden ist.

In der Hammerbrooklyn Box trafen sich die Teilnehmer und Sprecher am Vorabend der Fachkonferenz und konnten sich ein Bild vom zukünftigen Digitalcampus mit Strahlkraft in die Region machen. Johannes Lichtenthaler, Partner von Art-Invest Real Estate ist überzeugt, dass hier Hamburgs Zukunft entsteht. Denn Universitäten brauchen gemeinsame, neutrale Standorte, an denen Innovationen stattfinden und die kreative Kraft nicht verpufft. Die Mieter, oder Citizens wie sie hier genannt werden, sind in erster Linie etablierte Unternehmen und keine Start-ups. Insofern ist der Digitalcampus als Lab für die Stadt der Zukunft zu verstehen. Nächstes Jahr im Mai wird er fertiggestellt sein und wir sind gespannt, welche Projekte die interdisziplinäre Forschung dann anstößt.

Das Event zum Thema
Die Autorin
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH