12.07.2019
Nikolas Samios

Entlang der gesamten Wertschöfpfungskette der Immobilienwirtschaft sieht Nikolas Samios mögliche Effizienzsprünge oder Lösungen die zu disruptiven Einschnitten führen.

3. REAL INNOVAT!ON

... mit Petra Banzhaf, Projektleiterin, Heuer Dialog, über die Herausforderungen der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft.

PB: Für welche Bereiche in der Immobilienwirtschaft birgt die Digitalisierung die größten Optimierungspotentiale? In welche Lösungen investieren Sie?

SA: Grundsätzlich glauben wir, dass entlang der gesamten Wertschöpfungskette viel Raum besteht für intelligente Lösungen von Startups, die der Immobilienwirtschaft zu Effizienzsprüngen verhelfen oder aber auch disruptive Einschnitte setzen. Schaut man sich unsere 2018er Statistik an, in der wir alle 200 Startup-Deals, die wir auf dem Tisch hatten, ausgewertet haben, verfestigt sich diese Annahme. Die Anlagestrategie des Fonds ist es entsprechend, in das „Best of“ aus allen innovativen Ansätzen entlang der immobilienwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zu investieren – von der Planung und dem Bau von Immobilien über die Finanzierung bis hin zur Vermarktung und Verwaltung großer Immobilienportfolios sowie dem Interface zu den Nutzern.

 

PB: Wie gestalten Sie die Zusammenarbeit mit Ihren Portfoliounternehmen und welche Rolle spielen Kooperationen zwischen Immobilienunternehmen und Start-Ups?

SA: Als klassischer Finanzinvestor streben wir bei den PropTech-Startups nicht an, wie ein strategischer Investor Kontrolle zu übernehmen, sondern sehen uns vielmehr als unternehmerischer Partner auf dem Beifahrersitz für die besten Gründerteams. In dieser Partnerschaft auf Zeit können wir zahlreiche Mehrwerte einbringen, basierend aus unserer Erfahrung aus Hunderten von Investmentprojekten und Dutzender Unternehmensgründungen sowie Exits innerhalb des Teams.

Darüber hinaus greifen wir selbstverständlich auf die Mehrwerte zu, die unser wachsender Gesellschafterkreis bietet. Dieser besteht aus Immobilienunternehmern und -unternehmen, die unseren Startups bspw. Kundenstämme und Inventar für deren innovative Lösungen zu Verfügung stellen können. In dieser Hinsicht unterschiedet uns von einem strategisch agierenden Corporate-Venture-Capital-Fonds, dass wir nicht den Vertriebsvorteil eines einzelnen Immobilienunternehmens bieten können, sondern von bereits über 20. Unserer Meinung nach ist unsere Variante somit die gründerfreundlichere, die zudem noch eine bessere Rendite bringt.

 

PB: Welchen Einfluss haben VC Fonds und Ihre Investoren auf Innovationen in der Immobilienbranche - bestimmen Sie die Richtung oder folgen Sie Trends?

SA: Als Venture-Capital-Investor sollte man auf keinen Fall die Auffassung vertreten, selbst Märkte erschaffen zu können. Wir schauen uns vielmehr gemeinsam mit Experten aus unserem Team und Gesellschafterkreis an, ob ein Startup vorhandene Pain Points im Markt adressiert und ob die Gründer voraussichtlich in der Lage sind, ein führendes Unternehmen in einem Segment aufzubauen. Oftmals braucht es da keine Raketenwissenschaft, sondern den kreativen Blick auf vorhandene Prozesse der Immobilienwirtschaft gepaart mit einer "Can-Do-Attitüde" und "Executional Excellence", um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

 

PB: Was sind die Herausforderungen für das Ökosystem von Immobilienunternehmen, Technologieunternehmen und VC im Rahmen der digitalen Transformation?

SA: Herausforderungen sind zunächst, dass es bis dato kaum etablierte Zusammenarbeit zwischen Immobilienunternehmen, Startups und VC gibt. Den jungen PropTechs fehlt der Zugang zu bestehenden Netzwerken und Kundenstämmen. Die Mainstream-VC-Branche versteht in der Regel nicht, dass es nicht wie etwa im E-Commerce allein mit Internet-Bannerwerbung getan ist, neue Kunden zu akquirieren. Der Immobilienbranche fehlt oftmals das technologische Know-how, das Verständnis von Markenführung und die Prozessexzellenz in der Optimierung der Nutzererfahrung.

Deutlich wird dies beispielsweise am Paradigmenwechsel bei der Vermietung von Büros und Wohnungen. War es vor Kurzem noch üblich, höchst unflexible, mehrjährige Mietverträge zu schließen, hat WeWork im Commercial-Bereich Flexibilität, ein perfektes User Interface und eine starke Marke eingeführt, was offensichtlich den Nerv moderner Büronutzer trifft. Eigentliche Branchen-Outsider haben also durch den unbedingten Fokus auf die Kundenbedürfnisse ein ganz schönes Durcheinander in einem uralten, etablierten Markt verursacht – ähnlich wie es etwa Steve Jobs mit iTunes in der Musikindustrie getan hat. Eine entsprechende Entwicklung erwarten wir auch für den Residential-Sektor, weshalb wir gerade erst in Wunderflats investiert haben.

Das Bedrohungsszenario durch neue Player ist also real, weshalb die Immobilienbranche schnell smarter und Tech-affiner werden muss, will sie sich auch in Zukunft behaupten. Mit PropTech1 Ventures versuchen wir genau diese Brücke zwischen der traditionellen Immobilienwirtschaft und den PropTech-Innovationen zu schlagen und so unseren Investoren zu helfen, auf der Gewinnerseite der digitalen Transformation zu stehen.

 

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Der Autor
Nikolas Samios
Founder und CEO
PropTech1 Management GmbH