08.07.2019
Yvonne Traxel

Wohnen und Pflege im Alter

Serviceorientiert Denken und Bauen für alle Generationen

19. September 2019 | FRANKFURT AM MAIN

Quelle: Heuer Dialog GmbH

Pflegekrise? Neue Wohnformen wecken Hoffnung

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Anzahl pflegebedürftiger Personen in Deutschland bis zum Jahr 2030 um ca. 20% anwachsen wird. Sind Prognosen ohnehin oft nicht zutreffend, so ist es noch schwieriger, den Bedarf an Pflegeheimen daraus abzuleiten. Die einen sprechen von einem Pflege(immobilien)-Notstand, der sich in einigen Jahren abzeichnen wird, die anderen blicken hoffnungsvoll auf alternative Pflegekonzepte. Ambulant betreute Wohngruppen, Service- und Residenzwohnen, Mehrgenerationenwohnen sowie Pflegehotels sind einige Beispiele. Sicherlich hat auch das Primat der Politik „ambulant vor stationär“ in den letzten Jahren dazu geführt, den Trend zum betreuten Wohnen zu beschleunigen. Ob dies der Königsweg aus der Pflegekrise sein wird, bleibt bislang unbeantwortet.

Mehr Transparenz täte allen gut

Das Aufkommen neuer Wohn- und Betreuungsangebote geht auch auf den Wunsch der Menschen zurück, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu verbleiben, denn wie heißt es so schön:“ Kein Schwein will ins Heim“. Nüchtern betrachtet ist das betreute Wohnen vielleicht auch deshalb ein Trend, weil diese Assetklasse im Gegensatz zur Pflegeimmobilie unreguliert ist. Wer sich mit Landesheimgesetzen und Bauvorschriften für Pflegeheime auseinander setzt, der stößt – je nach Bundesland – auf ganz unterschiedliche Regelungen. Das wiederum ist für alle Betreiber und Investoren, die ihr Konzept bundesweit ausrollen wollen, ein Hindernis. Zudem erschwert es den Bewohnern und ihren Angehörigen, die Angebote bzw. Regelungen überregional zu vergleichen.

Bestandsimmobilien umnutzen und umrüsten

Die Umnutzung einer Pflegeimmobilie ist besonders schwierig. Betreiberimmobilien sind nur bedingt drittverwendungsfähig, so dass es erhöhten Aufwand braucht, um diese einer Nachnutzung zuzuführen. Wer gute Ideen z.B. für eine Büroimmobilie hat, benötigt auch die finanziellen Mittel, um eine in die Jahre gekommene Immobilie nachhaltig zu verwandeln. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig mit der Bank bzw. dem institutionellen Investor auszutauschen. Geht es hingegen darum, die eigene Wohnung seniorengerecht und barrierefrei umzubauen, lässt sich das sehr viel einfacher umsetzen und wird von den Pflegekassen bezuschusst. Der grundsätzliche Bedarf an barrierefreien Wohnungen in den Städten wird aufgrund des demografischen Wandels immens ansteigen und die aktuelle Wohnungsnot damit noch weiter verschärfen.

Campus- und Quartierslösungen

Immer häufiger höre ich in der letzten Zeit, dass die Immobilienbranche sektorübergreifend denken muss, um ein adäquates Angebot für alle Generationen zu schaffen. Die Schaffung einer universellen Infrastruktur auf einem Campus oder in einem Quartier scheint mir eine sehr gute Lösung zu sein. Hier stehen KITA, betreutes Wohnen und Pflegeheime mit verschiedenen Pflege- und Dienstleistungsangeboten nah beieinander, so dass im Grunde niemand sein Quartier verlassen müsste. Wunschdenken? Nein, denn die Immobilienbranche hat verstanden, ganzheitlich zu denken. Beispiele und Informationen rund um diese Themen erhalten Sie bei dem „Dialog-Forum Wohnen und Pflege im Alter“ am 19. September 2019 in Frankfurt am Main.

Die Autorin
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH