24.05.2019
Jens Strebe

Die Interaktion zwischen Vermieter und Mieter kann interessante und kreative Potenziale freisetzen

Aus "Wertschätzung" wird "Wertschöpfung"

Die Zusammenarbeit zwischen Mieter und Vermieter ist häufig von der strengen Beachtung diverser Regularien geprägt. Wenn es hier gelingt, eine konstruktive Atmosphäre zu schaffen, werden erstaunliche Lösungen für alle Beteiligten erreichbar.

"Nur derjenige, der die Problemlage des Anderen erkennt, kann ihm Lösungen anbieten." Nach diesem Motto sind landauf, landab alle Verkaufstrainer unterwegs und predigen vom "Zuhören" und "mit den Wünschen des Kunden argumentieren". Aber viele Vermieter versuchen in den heutigen, nachfragegetriebenen Zeiten gar nicht erst, dieses Credo auf das eigene Produktangebot zu übertragen, sondern verschreiben sich ganz der Renditeoptimierung. Das vorhandene oder geplante Mietobjekt wird folglich mit möglichst geringem Aufwand so hergerichtet, dass der Mieter möglichst viel Miete dafür zahlt. Dabei ist bereits diese Aufgabe häufig gar nicht so einfach zu lösen; in Zeiten niedrigster Zinsen kommt ein Interessent heutzutage ja doch schon einmal eher darauf, vielleicht selbst bauen zu wollen, um die individuellen Bedarfe optimal zu decken.

Insbesondere im Bereich der gewerblichen Vermietung von Büroflächen macht es sich unserer Meinung nach jedoch bezahlt, sich den Herausforderungen zu stellen. Bei genauerem Hinsehen ist ein Neubau für den Interessenten häufig gar nicht so einfach. So steht oft kein geeignetes Grundstück zur Verfügung. Oder der Interessent will aus geschäftspolitischen oder aus Liquiditätsgesichtspunkten gar nicht zum Immobilieneigentümer werden. An dieser Stelle kommen Projektentwickler mit eigenen Flächen und guten Ideen dann wieder ins Spiel. Eine Kernaufgabe des Entwicklers / Vermieters ist natürlich die Akquisition von Mietern. Es lohnt sich, bereits im Rahmen der Aquise mit Interessenten intensiv über deren Bedürfnisse, aber auch deren Wünsche zu sprechen. Zuhören lohnt sich: - Was macht den alten Standort nachteilig? - Was sind die Wegzugsgründe? - Was wären wünschenswerte Eigenschaften des neuen Standorts / der neuen Immobilie? - Wie weit würde das Management des Mietinteressenten zu Gunsten der Mitarbeiter gehen / welchen Komfort würde der Arbeitgeber bezahlen? Nur zum Verständnis: damit werden Kompromisse nicht abgeschafft; gerade bei der Vermietung im Bestand geht es vermutlich nie ohne Kompromisse. Aber auch bei neuen Projekten lohnt sich eine (auch dem Mieter kommunizierte) Flexibilität des Vermieters. Dabei ist es unumgänglich, dass der Vermieter den Rahmen seiner Möglichkeiten kennt und seiner eigenen Unternehmensphilosophie folgt. Der eine oder andere kluge Kompromiss auf der Vermieterseite legt häufig bereits bei der Vertragsanbahnung den Grundstein für eine kreativ-vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Wenn z.B. der alte Vermieter nicht flexibel war, ist alleine die Anwesenheit eines kompromissbereiten, neuen Vermieters eine Verbesserung der Mietsituation. Das gemeinsame Erarbeiten von Detaillösungen ist der nächste Baustein einer guten Zusammenarbeit, die pünktliche und zuverlässige Umsetzung der Dritte. Erfahrungsgemäß sind für unsere Mieter die folgenden Bedarfe von übergeordneter Wichtigkeit: - Flexibilität in der Planung und Raumgestaltung; - Skalierbarkeit der Mietflächen; - gute Erreichbarkeit der Arbeitsplätze; - ein gutes Raumklima der Immobilie; - die kurzfristige und verlässliche Behebung von Mängeln. In diesem Kontext entsteht so etwas wie "wahrgenommene Wertschätzung". Und dann wird für Mieter und Vermieter zu gleichen Teilen aus "Wertschätzung" auch "Wertschöpfung". Der Mieter fühlt sich wohl und vom Vermieter verstanden. Und der Mieter kann seinen Angestellten vermitteln, dass deren Wünsche hinsichtlich des Arbeitsumfelds auch gehört und umgesetzt werden. So steigt die Zufriedenheit auf allen Ebenen.

Nachdem wir nun eine gewisse Zeit lang als Vermieter diesen Ansprüchen gerecht geworden sind, hat uns der Mieter mit den folgenden Fragen konfrontiert: - Seid Ihr bereit, uns weitere Flächen zur Verfügung zu stellen? - Wollen wir gemeinsam kreative Interimslösungen erdenken und umsetzen, damit wir während der Bauzeit einer neuen Immobilie nicht an einen anderen Standort wechseln müssen? - Seid Ihr vielleicht sogar bereit, in anderen Städten für uns als Projektentwickler aktiv zu werden? Wir haben diese Fragen mit "ja" beantwortet und fühlen uns unseren Mietern auf diese Weise partnerschaftlich verbunden.

Der Autor
Jens Strebe
Geschäftsführer
Ost & Koch Immobilien