02.05.2019
Bernhard Schumacher,

Bernhard Schumacher

Stadtwerke bringen das „Smart“ in die „City“

Demographischer Wandel, eine höhere Diversität und neue gesetzliche Vorgaben, etwa bei Umwelt oder Datenschutz – Städte müssen sich wachsenden Herausforderungen stellen ...

Quelle: MVV Energie AG

... ohne dass ihre finanziellen Mittel in gleichem Maße steigen würden. Eine Antwort bieten „Smart Cities“: Innovative Technik und gesellschaftliche Weiterentwicklung ermöglichen ganzheitliche Entwicklungskonzepte.

Aus technischer Sicht sind Digitaltechnologien wie auch leistungsfähigere Sensoren und Smart Meter sowie Netzwerk-Technologien wie LoRaWAN, 5G, Glasfaser und Cloud Computing Grundlage für einen „Smart City“-Ansatz. Sie sind die Bausteine einer Vernetzung im so genannten Internet der Dinge („Internet-of-Things“, kurz: IoT). Digitale Kommunikation in Gestalt von Internetportalen oder Apps ermöglicht ferner einen effizienten Austausch zwischen der Verwaltung auf der einen Seite und Stakeholdern wie Bürgern, Organisationen und Unternehmen auf der anderen Seite.

Darüber hinaus bietet die Vernetzung die Möglichkeit, große Datenmengen zu „Big Data“ zusammenzufassen und mit der entsprechenden Verarbeitung zu „Smart Data“ zu erweitern. Diese intelligent genutzten Daten sind ihrerseits Voraussetzung für Automatisierung und Steuerung und damit für eine höhere Effizienz – und das in vielen Bereichen städtischen Handelns.

Der Wandel hin zu einer „Smart City“ ist jedoch kein Selbstläufer. Der Einsatz innovativer Technologien muss vor dem Hintergrund des damit verbundenen Risikos betrachtet werden – schließlich hängen unter Umständen Haftungsrisiken an Anwendungen etwa für Verkehrssteuerung oder Brandschutz. Es braucht also eine hohe technische Kompetenz, um komplexe Systeme zu entwickeln, umzusetzen und zu betreiben.

Hinzu kommt der Aspekt des gesellschaftlichen Wandels: auf dem Weg zu einer Smart City müssen unterschiedliche, Interessen berücksichtigt, Mehrheiten organisiert und Minderheiten geschützt werden. Damit tritt das gesellschaftliche Change Management als Kompetenz neben die technische Umsetzung. Dritte Kernkompetenz ist schließlich das Programm-Management, um den hochkomplexen Wandel effizient und kostenbewusst zu steuern, zu finanzieren und voranzutreiben.

Diese Kompetenzen sind auch Maßstab dafür, wer diese Programme aufsetzen und zum Erfolg führen kann. Stadtverwaltungen sind natürlich immer integraler Teil solcher Vorhaben, weil sie die primäre Verantwortung für die Stadtentwicklung haben und Schnittstelle zu den politischen Entscheidungsträgern sind. Sie sind allerdings typischerweise nicht für die grundlegenden Veränderungen strukturiert, die die Einführung einer Smart City mit sich bringt, haben zu wenige Experten und sind daher auf Unterstützung angewiesen.

Als zentrale Treiber für die Transformation zur Smart City bieten sich breit aufgestellte lokale Versorger und Stadtwerke an. Sie bringen Know-How für Planung, Umsetzung und Betrieb essentieller und sehr zuverlässiger Netze mit, sind mit den lokalen Gegebenheiten vertraut und nutzen bereits zahlreiche innovative Technologien für Kommunikation, Effizienz und Steuerung.

Zusätzlich zu den diesen Fähigkeiten müssen Stadtwerke weitere Kompetenzen entwickeln und integrieren, um die Rolle als Entwicklungsträger für Smart Cities erfolgreich ausfüllen zu können. Das betrifft zum Beispiel Netzwerk-Technologien, Change Management oder Smart Data ebenso wie Quartier- oder Stadtentwicklung.

Der Aufbau eigener Kompetenzen in diesen Feldern erfordert allerdings Zeit, die in einem sich rasant entwickelnden Markt nicht zur Verfügung steht. Um dennoch eigene innovative und zukunftsträchtige Geschäftsmodelle entwickeln zu können, bietet sich die Partnerschaft mit Experten im jeweiligen Feld an. Das können privatwirtschaftliche Unternehmen sein, etwa im Bereich der IT oder der Netzwerktechnik, aber auch kommunale Partner, die in der Stadtentwicklung oder dem Change Management Erfahrung haben. Solche Kooperationen versetzen die Stadtwerke in die Lage, schnell und kompetent Infrastrukturen und Change Prozesse auf dem Weg zur „Smart City“ aufzubauen.

Das Event zum Thema
Der Autor
Bernhard Schumacher,
Leiter des Geschäftsfelds Smart Cities
MVV Energie AG