05.04.2019
Benjamin Oeckl

Der Mieter oder Gast entscheidet letztlich über den Mehrwert seiner Unterkunft: Ein Plädoyer für mehr nutzerorientierte Apartment-Produkte

Flexibles Wohnen auf Zeit: Erfolgsfaktor nutzerorientiertes Denken

Die Art, wie wir wohnen, verändert sich rasant: Wohnraum wird kleiner, neue Wohnformen entstehen. Wer die Bedürfnisse der Bewohner in den Mittelpunkt stellt, kann darauf flexibel reagieren und ein Zuhause auf Zeit schaffen, das sich am Markt durchsetzt.

Quelle: BelForm GmbH & Co. KG

Für viele Menschen ist der Start in einer neuen Stadt nicht leicht. Man kennt sich nicht aus, hat noch kein soziales Netzwerk aufgebaut und eine Wohnung muss erst gefunden und möbliert werden. Ein neues Wohnkonzept schafft Abhilfe: Temporäre Wohnformen versprechen vollmöblierte Apartments, ausgelagerte Gemeinschaftsflächen wie gemeinsame Wohnzimmer und gleichgesinnte Nachbarn in einem maßgeschneiderten Paket.

Megatrends ändern, wie wir wohnen

Die Ansprüche an das Wohnen ändern sich, beeinflusst durch Megatrends wie die Urbanisierung, die Versingelung und die wachsende Mobilität. Experten schätzen, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung – bis dahin ca. 6,5 Mrd. Menschen – in den Städten wohnen werden. Aus diesem Grund müssen Metropolen immer mehr Menschen eine Wohnung bieten. Auch die Größe der Städte wird sich flächenmäßig ungefähr verdreifachen. Damit einher geht auch der Trend zu möbliertem Wohnen auf immer kleinerem Raum, denn der Aufenthalt in einer Stadt ist oftmals zeitlich begrenzt. Aufgrund des Platzmangels und der damit verbundenen steigenden Kosten, messen selbst klassische 3-Zimmer-Wohnungen bereits heute nicht mehr 85 Quadratmeter, sondern nur noch 65 bis 70. In der nahen Zukunft werden flexible Möbel oder Raumteiler erlauben, die Wohnungen noch besser an die verschiedenen Nutzerbedürfnisse anzupassen.

Flexibilität herrscht auch zunehmend am Arbeitsplatz. Unter dem Stichwort „New Work“ verschmelzen Arbeit und Freizeit verstärkt miteinander. Sogenannte Digitale Nomaden üben ihren Beruf komplett digital und ortsunabhängig aus – ausgestattet mit Smartphone, Notebook und WLAN. Bereits heute bezeichnen sich ca. 4.8 Mio. Amerikaner als Digitale Nomaden, Tendenz seigend. Spannende Konzepte wie „Roam“ oder „Outsite“ bieten hierfür weltweilt Unterkünfte im Mitgliedschafts-Modell.  Doch gerade das mobile „Nomadenleben“ weckt das Bedürfnis nach sozialem Austausch mit den Menschen vor Ort. Aus diesem Grund wird auch die Wohnform des Co-Living weltweilt immer beliebter.

Denken und planen durch die Brille des Nutzers

Um die Bedürfnisse der Mieter von heute und morgen erfüllen zu können, stellt unsere Firma den  Nutzer bei der Konzeption eines neues Projekts in den Mittelpunkt. Wer die Zielgruppe kennt und weiß, wie es ist, mit einer Tasche unter dem Arm in einer neuen Stadt anzukommen, kann auf die Bedürfnisse der Nutzer besser eingehen und ein echtes Zuhause auf Zeit schaffen. Mein Team bei BelForm ist Spezialist für temporäre Wohnformen, Mikrowohnen und Co-Living und verhilft Projektentwicklern, Betreibern und Investoren über die Beratung, Innenarchitektur sowie die Komplett-Möblierung zum erfolgreichen Projekt.

Abgeleitet vom Ziel des Projektentwicklers, den Gegebenheiten der Immobilie vor Ort und den Bedürfnissen der Zielgruppe, liegt der Erfolg eines Projekts in der ausgewogenen Schnittmenge dieser drei Faktoren. Wichtig ist es, die Nutzer von Anfang an in die Planung einzubeziehen. Das beginnt im Idealfall bereits vor Bauantrag bei der Architektur und der Innenraumplanung der Apartments: Platzsparende Grundrisse und intelligente Raumkonzepte ermöglichen komfortables Wohnen auch auf wenigen Quadratmetern. Denn besonders beim Mikrowohnen muss ein Ausgleich für die Reduktion von Wohnfläche entstehen.

Wichtig sind vor allem Ausstattung, Service und Komfort

Umfragen haben gezeigt, dass der entscheidende Erfolgsfaktor für Longstay-Gäste oder Digitale Nomaden, noch vor Preis, Lage und Raumgröße, eine qualitative Ausstattung ist. Daran wird sich orientiert, um die Zufriedenheit mit dem Aufenthalt zu bemessen. Mittlerweile ist es auch bei wohnwirtschaftlichen Konzepten Standard, dass vom Kissenbezug bis zur Untertasse alles vorhanden ist, damit der Bewohner sich um nichts mehr kümmern muss und einfach nur „auspacken und loswohnen“ kann. Als Anbieter von temporärem Wohnen gilt es zudem, eine emotionale Sprache oder Kommunikation mit den Mietern oder Nutzern aufzubauen und zu pflegen, damit das „Feeling“ während des Aufenthalts stimmt. Viele Nutzergruppen von heute bewerten heute nicht mehr rein nach Preis pro Quadratmeter, sondern nach dem Gefühl oder Erlebnis-Paket, das die Unterkunft bietet. In Amerika wird nicht umsonst von der neuen „Experience Economy“ gesprochen.

Fast ebenso wichtig wie die Qualität und die Art der Ausstattung  des Wohnraums sind der Service- und Komfortgedanke. Egal ob schnelles WLAN, Zimmerreinigung, Gemeinschaftsflächen, Yoga-Kurse oder abendliche Events - Hauptsache, es ist auf Knopfdruck verfügbar. Viele Entwickler von temporärem Wohnen unterliegen wohnwirtschaftlichen Auflagen und müssen eine Gewerblichkeit vermeiden. Deshalb gilt: Was man nicht selbst anbieten kann oder darf, sollte über lokale Drittanbieter oder Partner abgebildet werden.

In vielen von BelForm umgesetzten Objekten haben wir bereits gezeigt, wie sich die Erwartungen der Zielgruppe und das Angebot besser aufeinander abstimmen lassen, was sich für unsere Kunden sehr positiv auf den Vermieterfolg auswirkte. Eine qualitative und platzsparende Ausstattung bietet Komfort und ausreichend Raum für die Nutzer, Gemeinschaftsflächen und Dachgärten laden zum Austausch mit den anderen Bewohnern ein – da lässt das Zuhause-Gefühl nicht lange auf sich warten. Ein Praxis-Beispiel werde ich bei meinem Vortrag auf dem 3. Jahreskongress Temporäres Wohnen vorstellen.

Übrigens: Wer sich mehr für das Thema interessiert, findet auf unserem Blog viel Wissen und Inspiration zum Thema Temporäres Wohnen und Micro Living: https://belform.de/blog/

Der Autor
Benjamin Oeckl
Gründer und Geschäftsführer
BelForm GmbH & Co. KG