05.04.2019
Karsten Jurkait

Future Real Estate Cradle to Cradle

Cradle-to-Cradle eröffnet neue Wege in der Bau- und Immobilienwirtschaft

Rohstoffe werden knapper, Materialpreise steigen - was tun?

Arup

Gebäude, die nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entwickelt werden, können nicht nur mit ressourcenschonenden Baumaterialien auftrumpfen, sie versprechen auch ein gesünderes Arbeitsumfeld, eine höhere Produktivität der Mitarbeiter und einen attraktiveren Gebäudewert.

Baumaterialien wie Sand, Zement und Stahl werden weltweit knapper und folglich immer teurer. Damit steigt auch der Druck auf die Bauwirtschaft, künftig nachhaltiger zu bauen. Neue Ansätze sind gefragt.

Eine Lösung bietet das Cradle-to-Cradle-Prinzip. Der englische Begriff bedeutet übersetzt „von der Wiege zur Wiege“ und steht für einen geschlossenen Stoffkreislauf. Bauprojekte, die nach diesem Prinzip entwickelt werden, nutzen ausschließlich recycelte und recycelbare Rohstoffe, regenerative Energien und gesunde Materialien. Das Wohlergehen der Nutzer steht im Vordergrund. Und die Natur. Denn das Gebäude darf das Baugrundstück nicht mehr belasten, als wenn es unbebaut bliebe.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es aber nicht. Es wurden weltweit bereits eine Reihe von Immobilien nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entwickelt. Und weitere sind in Planung. Auch in Deutschland.

Was steht einer flächendeckenden Umsetzung also noch im Wege? In erster Linie ist es wohl das mangelnde Wissen der Beteiligten. Viele Investoren und Entwickler kennen das Prinzip noch gar nicht, die meisten Makler haben kaum Erfahrungen mit der Vermarktbarkeit entsprechender Immobilien und nur wenige Architekten und Ingenieure wissen, wie Cradle-to-Cradle in den unterschiedlichen Gewerken umgesetzt werden kann. Und auch bei den Produktherstellern und den ausführenden Firmen herrscht weitgehende Unkenntnis.

Gebäude werden zu Materialbanken

Die europäische Union finanziert ein Forschungsprogramm zum Thema Buildings as Material Banks (BAMB), zu Deutsch Gebäude als Materialbanken. Dabei wird erforscht, wie Baumaterialien recycelt und wie bereits recycelte Materialen beim Bau erneut eingesetzt werden können. Und wie die eingesetzten Materialien in Materialpässen erfasst und nach dem Ende des Lebenszyklus neuen Nutzungen zugeführt werden können.

Geeignete Materialien lassen sich auf der Webseite des Cradle-to-Cradle Product Innovation Institute einsehen. Eine ganze Reihe von Herstellern hat ihre Produkte bereits angepasst und als Cradle-to-Cradle-tauglich zertifizieren lassen. Die Produktpalette wird kontinuierlich erweitert.

Neue Lösungen für die technische Gebäudeausrüstung

Im Hochbau und im Ausbau gibt es ausreichend Produkte, um Immobilien mit zertifizierten Materialien zu entwickeln. Viele Architekten arbeiten bereits damit. Größerer Bedarf besteht allerdings noch in der technischen Gebäudeausrüstung, die mit der Wasserver- und entsorgung, der Heizung und Lüftung sowie der Kälte- und Stromversorgung einen größeren Einfluss auf die erfolgreiche Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Prinzips hat. Für diesen Bereich gibt es nur wenige zertifizierte Produkte. Hinzu kommt, dass viele Planern unsicher sind, wie sie Cradle-to-Cradle in ihrem Gewerk erfolgreich umsetzen können.

Das weltweit tätige Planungs- und Beratungsunternehmen Arup schafft Abhilfe: Im Rahmen einer zweijährigen Studie wurden für jedes Gewerk der technischen Gebäudeausrüstung Kriterien und Maßnahmen zur Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Prinzips etabliert, Systeme und Materialien auf ihre Brauchbarkeit untersucht und die Ergebnisse in einem Leitfaden zusammengefasst, der in Kürze publiziert und kostenlos auf der Unternehmenswebseite zum Download angeboten wird. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der BAMB-Konferenz in Brüssel erstmalig in einem Thesenpapier vorgestellt.

Auf der Veranstaltung Future Real Estate: Cradle-to-Cradle am 25. Mai in Düsseldorf erläutert Dipl.-Ing. Karsten Jurkait, Associate Director bei Arup und einer der beiden Verfasser des Leitfadens, die Rolle der technische Gebäudeausrüstung bei der Frage, wie Cradle-to-Cradle in der Bau- und Immobilienwirtschaft marktfähig gemacht werden kann und präsentiert Vorteile für Investoren und Entwickler.

Das Event zum Thema
Der Autor
Karsten Jurkait
Associate Direktor
Arup Deutschland GmbH