28.02.2019
Alexandre Grellier

"95 Prozent auf Knopfdruck"

Neue Potentiale durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erschließen

Die Abwicklung komplexer Verfahren wie der Due Diligence im Rahmen von Immobilientransaktionen, kann durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz effizienter gestaltet werden. Das schafft freie Ressourcen und eröffnet Juristen neue Freiräume.

Quelle: istockphoto.com

Immobilientransaktionen sind zweifellos komplex. Die gesamte Datenlage im Rahmen einer Due Diligence ist außergewöhnlich hoch und erstreckt sich in der Regel über eine Vielzahl an Dokumenten, die sortiert, geprüft, kommentiert und bewertet werden müssen. Hinzu kommt ein steter Newsflow aus Ergänzungen und Updates, mit denen die in der Regel in virtuellen Datenräumen vorliegenden Dokumente ergänzt werden müssen. Gefragt sind also: Strukturierung und Genauigkeit, die überhaupt erst eine präzise Analyse möglich machen. Dabei zeichnet sich die Due Diligence durch ein hohes Maß an Standardisierungen vieler Informationen und Prozesse aus.

Insgesamt weist der Sektor etwa 160 verschiedene Dokumententypen auf. Das Sortieren und Auslesen aller beinhalteten Dokumente ist im Grunde eine sich wiederholende Routinearbeit, die gleichwohl ausgesprochen zeitaufwändig und dadurch auch sehr personalintensiv ist. Genau an diesem Punkt kann digitale Technologie einen echten Mehrwert liefern. Um genau zu sein: Der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Und das ist keine Theorie, sondern praktische, erprobte und bewährte Praxis – und zwar in den virtuellen Datenräumen, also den digitalen Plattformen, auf denen komplexe Transaktionen, von Immobilienverkäufen über Unternehmensübernahmen bis hin zu Börsengängen, tausendfach Jahr für Jahr abgewickelt werden.

Der Einsatz von KI im virtuellen Datenraum eröffnet eine zunehmende Automatisierung der Due Diligence, einfache Prozesse lassen sich an Algorithmen auslagern. Diese können die aufwendige Sortierarbeit bei Dokumenten übernehmen. Dabei entwickeln sie sehr schnell eine hohe Genauigkeit, mit relativ geringer Lernzeit. Je häufiger der Algorithmus genutzt wird, desto mehr lernt die Software dazu und wird mit der Zeit immer präziser. Auch bei der Suche nach abgelegten Dokumenten ist das Programm intelligenter als herkömmliche Anwendungen, erkennt etwa Synonyme und zeigt diese bei Anfragen an.

Konkret beschleunigt zum Beispiel der Drooms NXG Findings Manager zum Beispiel die Due Diligence, indem anhand von individuellen Kategorien eine Vorauswahl der relevanten Dokumente aus Tausenden von elektronischen Dokumenten ausgeführt und Vorschläge für potenzielle Findings für den Red Flag Report unterbreitet werden. Der Findings Manager ist zudem kontextsensibel und erkennt Wörter, Synonyme und semantische Muster. Vor allem bei komplexen Sprachen wie der deutschen Sprache mit einem vielschichtigen Satzbau lernt die Software dank der Implementierung von Machine-Learning-Technologie stetig dazu.

Damit nicht genug: Testläufe bei Anwaltskanzleien ergeben, dass die Erfolgsquote für die Ermittlung risikoreicher Klauseln in Verträgen bei einer menschlichen Auswertung bei maximal 75 bis 78 Prozent liegt. Der Algorithmus einer KI erreichte hier eine Genauigkeit von bis zu 87 Prozent und fand so auch problematische Punkte in Verträgen, die dem menschlichen Auge entgangen waren. Somit sind die Maschinen teilweise schon jetzt genauer als der Mensch.

Ergänzend dazu gibt es bereits Datenräume, die auch einen Sprachverarbeitungsalgorithmus mit Übersetzungsfunktion anbieten. Dank KI ist dieser Bereich zunehmend besser geworden und mittlerweile auch in der Lage, einen Text grammatikalisch korrekt wiederzugeben.

Die Entwicklung der KI ist noch lange nicht am Ende. Ziel etwa bei Drooms ist es, in den kommenden vier bis fünf Jahren einen 95-prozentigen Due Diligence-Bericht automatisiert aus dem Datenraum heraus zu liefern – mit einem Knopfdruck.

Eines der größten, wenn nicht vielleicht sogar das größte Problem vieler, mit komplexen Verfahren beschäftigten Juristen, sind die damit verbundenen zeitaufwendigen und repetitiven Prozesse. Künstliche Intelligenz kann genau hier Abhilfe schaffen und tut dies auch bereits. Letztlich sparen KI-Modelle aber nicht nur Kosten, sondern eröffnen vor allem Menschen Freiräume für sinnvollere und vor allem produktivere Tätigkeiten ganz im Sinne von Kunden und Mandanten.

 

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Der Autor
Alexandre Grellier
CEO
Drooms