25.01.2019
Yvonne Traxel

Jahreskongress Temporäres Wohnen

Mikro-Apartments sind keine Villen im Bonsai-Format

In immer mehr Städten sind Mikro-Apartments als edle „Hipsterhütten“ verschrien, die den urbanen Verteilungskampf um Wohnraum verschärfen und das Mietniveau anheben. Dabei sind sie häufig vor allem eins: eine moderne Form der Werkswohnung.

Quelle: BelForm GmbH & Co. KG, Bearbeitung: Heuer Dialog

In immer mehr Städten treffen Mikro-Apartments auf Vorurteile. Als edle „Hipsterhütten“, die den urbanen Verteilungskampf um Wohnraum verschärfen und dafür sorgen, dass das Mietniveau überall steigt. Was sagen Sie dazu?

Benjamin Oeckl: Es wird oft übersehen, dass Mikrowohnungen helfen, gutverdienende Mitarbeiter und Fachkräfte der Konzerne aus dem „normalen“ Wohnungsmarkt rauszuhalten. Studenten-WGs, Business-WGs oder die immer häufiger auftretenden möblierten Normalwohnungen sind einige der Gründe, warum wichtiger Wohnraum dem generellen „Mietmarkt“ entzogen werden. Denn häufig werden die kleinen Mikro-Apartments gar nicht von Privatpersonen gemietet, sondern von Firmen. Als zeitgemäße Form der „Werkswohnung“ sehen sie bisher aber nur die wenigsten. Denn nicht nur bei Studierenden, Singles, Beratern oder Best Agern sind die kleinen, möblierten Wohnungen mit ihren verschiedenen Serviceangeboten immer beliebter, auch bei Auszubildenden, Young Professionals, Projektmitarbeitern oder internationalen Fachkräften, die aber als Mieter oftmals gar nicht in Erscheinung treten. Hier ist immer häufiger der Chef selbst der Mieter und hat den Vertrag mit dem Entwickler oder Betreiber längst klar gemacht – und das zumeist gleich für mehrere Wohnungen im Paket.

 

Wie groß ist denn die Nachfrage, die von Firmen kommt? Gilt das nicht nur für die Großstädte?

Benjamin Oeckl: Überall dort, wo Fachkräftemangel und Wohnungsnot zusammenkommen, füllen durchdachte und ansprechend konzipierte Mikro-Apartments eine große Lücke: als Rundum-Sorglos-Wohnform, die es Unternehmen erleichtert, ad hoc und/oder nur projektweise benötigte Fachkräfte adäquat mit Wohnraum zu versorgen. Vorausgesetzt natürlich, die geringe Wohnfläche wird optimal auf die zukünftigen Bewohnerbedürfnisse zugeschnitten und jeder Quadratmeter wird effizient, durchdacht und mit ansprechendem Design voll ausgenutzt. Damit fungieren sie auch als gewisser Extrabonus, um diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überhaupt erst für einen Standort zu gewinnen. Die smarte Form der Werkswohnung – auch das kann Micro-Living sein.

 

Entwickler und Investoren lieben derzeit kleine Wohnformen – sie sehen gerade in den Großstädten einen Nachholbedarf. Kann man da als Anbieter überhaupt etwas falsch machen?

Benjamin Oeckl: Ja natürlich. Vor allem zu sicher zu sein, dass dieser Markt ins Unendliche wächst. Derzeit haben fast alle neu entstehenden Apartments privater Anbieter in der jeweiligen Kategorie (Studenten, Business-Apartments, Co-Living etc.) ähnlich hohe Preisniveaus. Durch die massive Angebotsausweitung in den nächsten Jahren wird sich dieses Niveau nicht für alle halten und der Verdrängungswettbewerb zwischen exzellenten und weniger durchdachten Konzepten zunehmen. Auch aus diesem Grund gehen unsere Kunden mit uns den Weg des nutzerorientierten Designs und der dazu passenden Möblierung mit, denn das hat langfristig die besten Chancen auf Erfolg. Erfolgreich wird sein, wer die Bewohner gut kennt und weiß, wie es ist, mit einer Tasche unter dem Arm in einer neuen Stadt anzukommen - und wie man diese Bedürfnisse mit nutzerorientierten Konzepten in ein (Mikro-)Zuhause auf Zeit übersetzt.

Die Autorin
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH