03.12.2018
Joachim Mur

Immer mobiler Leben und Arbeiten?

Die Stadt der Zukunft 2040

Von zuhause oder unterwegs online Dinge erledigen: Der Anteil wird in den kommenden 20 Jahren weiter zunehmen. Über ultra-schnelles Internet kann jeder von der Alm in den Bergen oder vom Strand im Süden aus große Teile seiner Arbeit erledigen.

shut­ter­stock

Theo­re­tisch, denn es gibt ei­ne na­tür­li­che Gren­ze: Ex­per­ten schät­zen, dass Ar­beit­neh­mer in Dienst­leis­tungs­be­ru­fen min­des­tens die Hälf­te ih­rer Ar­beits­zeit im Bü­ro prä­sent sein müs­sen. Sonst lei­det der nicht zu er­set­zen­de per­sön­li­che Austausch.

Den­noch wer­den sich die An­sprü­che an Bü­ro­im­mo­bi­li­en in den kom­men­den 20 Jah­ren deut­lich ver­än­dern. Ein wich­ti­ger Trend sind Co-Working-Spaces. Dies gilt vor al­lem für die gro­ßen Stand­or­te: In Mün­chen zum Bei­spiel könn­ten die­se Bü­ro­flä­chen nicht al­le zen­tral in der In­nen­stadt lie­gen, son­dern po­ly­zen­trisch über die Stadt und das Um­land ver­teilt sein. In der Pra­xis be­deu­tet dies bei­spiels­wei­se, dass sich Mit­ar­bei­ter, die ent­fernt von­ein­an­der ar­bei­ten, gar nicht mehr zwin­gend in der Ci­ty tref­fen müs­sen, son­dern in ei­nem Co-Working-Space am Lands­hu­ter Haupt­bahn­hof oder an ei­nem an­de­ren de­zen­tra­len Kno­ten­punkt. Das wür­de die zen­tral aus­ge­leg­te In­fra­struk­tur ent­las­ten und neue We­ge schaf­fen. Hier kön­nen sich an ent­spre­chen­den Kno­ten­punk­ten In­vest­ment-Chan­cen für Bü­ro-In­ves­to­ren auftun.

In je­dem Fall wird sich die Mo­bi­li­tät bis 2040 deut­lich ver­än­dern. Elek­tro­au­tos be­stim­men die Stra­ßen der Me­tro­pol­re­gio­nen. Ein gro­ßer Teil der Au­tos fährt au­to­nom. Im Ver­gleich zu heu­te wird der in­di­vi­du­el­le Pkw-Ver­kehr zah­len­mä­ßig ab­neh­men. Städ­te wie Sin­ga­pur zei­gen, wo­hin die Ent­wick­lung ge­hen kann: Um den Ver­kehr zu re­du­zie­ren, wur­de das Au­to­fah­ren in der asia­ti­schen Me­tro­po­le sehr stark ver­teu­ert. Hin­zu kommt, dass die phy­si­sche Mo­bi­li­tät an ih­re Gren­zen stö­ßt. Dies zeigt sich ne­ben dem Pkw-Ver­kehr auch im Schie­nen­ver­kehr: Wenn man vier Stun­den am Tag pen­deln muss wie bei­spiels­wei­se in Lon­don, kann Ho­me­of­fice ei­ne sinn­vol­le Al­ter­na­ti­ve sein.

Um dem wei­ter wach­sen­den Ver­lan­gen nach fle­xi­bler Mo­bi­li­tät nach­zu­kom­men, wer­den Au­tos im Jahr 2040 nicht mehr vier Sit­ze ha­ben, son­dern viel­leicht nur noch ei­nen. Grö­ßen­mä­ßig könn­te ein Au­to et­wa wie ein kom­for­ta­bler Ses­sel der Busi­ness-Class ei­nes Flug­zeugs mit ei­ner trans­pa­ren­ten Hül­le aus­se­hen. Die­se Au­tos fah­ren au­to­nom. Auf dem­sel­ben Stra­ßen­quer­schnitt wie heu­te wer­den nicht mehr zwei Fahr­zeu­ge, son­dern viel­leicht fünf, sechs oder sie­ben ne­ben­ein­an­der fah­ren kön­nen. Es sind zwar al­les in­di­vi­du­el­le Ka­bi­nen, die aber kom­bi­nier­bar sind, wenn bei­spiels­wei­se ei­ne gan­ze Fa­mi­lie fah­ren will. Ga­beln sich die We­ge, kön­nen die Fahr­zeu­ge auch wie­der fle­xi­bel ge­trennt wer­den. Ei­ne Vi­si­on, die ei­nen si­gni­fi­kan­ten Um­bruch in der Mo­bi­li­tät mit sich brin­gen würde.

Und die Aus­wir­kun­gen auf die Im­mo­bi­lie? Viel­fäl­tig! Von ob­so­le­ten Park­plät­zen bis zur mehr­ma­li­gen Um­nut­zung, in­ner­halb von 24 Stun­den. Im De­tail bleibt den­noch vie­les ab­zu­war­ten. Si­cher ist aber, dass fle­xi­ble Kon­zep­te be­son­ders gu­te Chan­cen ha­ben wer­den, un­ter die­sen Her­aus­for­de­run­gen zu be­stehen. Das soll­ten In­ves­to­ren bei ih­ren Zu­kunfts­ent­schei­dun­gen berücksichtigen.

Der Autor
Wealthcap
Joachim Mur
Leiter Investment- & Transaktionsmanagement Real Estate
Wealthcap – Real Asset & Investment Manager
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