30.11.2018
Michael Ehret

Was ein zukunftsweisendes Quartier auszeichnet

Heute schon an morgen denken

Das Ballungsgebiet München platzt aus allen Nähten. Als Quartiersentwickler vieler Projekte in Metropolregionen stellt sich ehret+klein die Frage, wie kann der ländliche Raum gestärkt und seine Begabungen gehoben werden?

Quel­le: Grea­ter Mu­nich.Im­mo­bi­li­en­markt-Be­richt 2016/2017 | Ur­he­ber: eh­ret + klein GmbH

Die Me­tro­pol­re­gi­on Mün­chen ist wie ein Roh­dia­mant: reich an Tra­di­ti­on und High Tech, Krea­tiv­kul­tur und Na­tur­land­schaft. Den­noch sind auch hier die ne­ga­ti­ven Trends der Ur­ba­ni­sie­rung spür­bar: Das Bal­lungs­ge­biet rund um Mün­chen platzt aus al­len Näh­ten, wäh­rend der länd­li­che Raum sich zu ent­lee­ren droht. Als Quar­tiers­ent­wick­ler vie­ler Pro­jek­te in Me­tro­pol­re­gio­nen stellt sich eh­ret+klein die Fra­ge, wie die­sem Trend ent­ge­gen zu wir­ken ist? Wie kann der länd­li­che Raum ge­stärkt und sei­ne Be­ga­bun­gen ge­ho­ben werden?

Es be­ginnt mit der Er­reich­bar­keit und An­bin­dung zum Um­feld von Städ­ten und Ge­mein­den. Auch in länd­li­chen Ge­gen­den sind Ge­wer­be, Han­del, Dienst­leis­tung und In­dus­trie dar­auf an­ge­wie­sen, dass so­wohl die We­ge zur Ar­beit, der Dienst­leis­tungs- als auch der Gü­ter­ver­kehr exis­tie­ren und funk­tio­nie­ren. Hier be­steht ein Nach­hol­be­darf in der Si­che­rung von In­trastruk­tu­ren; zu­ver­läs­si­ge öf­fent­li­che Ver­bin­dun­gen, die An­bin­dung an ein (Bun­des-) Fern­stra­ßen­netz, als auch bei­spiels­wei­se sta­bi­les WLAN.

Zu­gleich ist die in­ten­si­ve Be­schäf­ti­gung mit der Auf­ent­halts- und Le­bens­qua­li­tät es­sen­ti­ell für die Stär­kung des länd­li­chen Rau­mes. Wie muss ein Ort ge­stal­tet sein, dass Men­schen dort in Zu­kunft le­ben, ar­bei­ten, ein­kau­fen und sich be­geg­nen möch­ten? Und was be­deu­tet Ur­ba­ni­tät? Ur­ban hei­ßt nicht Stadt, son­dern Struk­tur, die al­les bie­tet was es zu ei­nem gu­ten Le­ben braucht.

Be­son­ders er­folg­ver­spre­chend sind hier Misch­quar­tie­re, die at­trak­ti­ve Le­bens- und Ar­beits­räu­me bie­ten, in­dem sie Ge­wer­be, Woh­nen und Han­del auf kur­zen We­gen ver­ei­nen. Die Men­schen in länd­li­chen Räu­men kön­nen so ei­ne Ar­beits­stel­le in un­mit­tel­ba­rer Nä­he ih­rer Woh­nung fin­den. Die Not­wen­dig­keit, in ein städ­ti­sches Bü­ro zu pen­deln, wird ge­rin­ger. Für Ein­käu­fe muss nicht gleich die Gro­ß­stadt auf­ge­sucht wer­den. Das ent­las­tet die Ver­kehrs­we­ge und er­höht die Le­bens­qua­li­tät. Die­se Phi­lo­so­phie ver­folgt eh­ret+klein seit der Grün­dung im Jahr 2006 und ent­wi­ckelt le­ben­di­ge Quar­tie­re wie bei­spiels­wei­se in Tutzing, Maisach und Lands­berg a. Lech.

Das Pro­jekt „Ur­ba­nes Le­ben am Pa­pier­bach“ steht für die Kon­ver­si­on ei­nes ehe­ma­li­gen Pflug­fa­brik­ge­län­des in Lands­berg a. Lech zu ei­nem mo­der­nen zu­kunfts­wei­sen­den Misch­quar­tier von 2016 bis 2024. Zu­kunfts­wei­send ist das Quar­tier auch des­halb, weil es nut­zer­ori­en­tiert und lang­fris­tig ge­dacht ist.

An­hand von Trend­stu­di­en wis­sen wir heu­te be­reits, wie die Men­schen zu­künf­tig le­ben möch­ten: öko­lo­gi­scher, um­welt­freund­li­cher, ver­netz­ter. Aus ei­ner Stu­die des Karls­ru­her In­sti­tuts für Tech­no­lo­gie (KIT) geht bei­spiels­wei­se her­vor, dass in Ber­lin ein sta­tio­nä­res Car­sha­ring-Au­to bis zu 15,8 in­di­vi­du­ell ge­nutz­te Au­tos er­set­zen wird. Auf die­ses ge­än­der­te Mo­bi­li­täts- und Be­sitz­den­ken will das ge­plan­te Quar­tier in Lands­berg mit sta­tio­nä­ren Car- und Bike-Sharing-Mo­del­len so­wie La­de­sta­tio­nen für Elek­tro­fahr­zeu­ge re­agie­ren. Dar­aus re­sul­tie­ren we­ni­ger Ab­ga­se, we­ni­ger Lärm und so­mit ei­ne hö­he­re Le­bens­qua­li­tät. Durch die Nut­zung nach­hal­ti­ger En­er­gie­quel­len so­wie ei­ner in­tel­li­gen­ten Ver­net­zung von Wär­me, Strom und Mo­bi­li­tät wird das Quar­tier ak­tiv zur Mi­ni­mie­rung des CO2-Fu­ß­ab­drucks bei­tra­gen. Dies ent­spricht ei­nem res­sour­cen­scho­nen­den Um­gang mit der Umwelt.

Wei­ter­ge­dacht kön­nen die­se Wohn- und Ar­beits­wel­ten in Misch­quar­tie­ren auch so kon­zi­piert wer­den, dass sie zu­künf­tig auch an­der­wei­tig nutz­bar sind. Von Misch­quar­tie­ren hin zu Misch­nut­zung, wie es bei­spiels­wei­se Co-Working-Kon­zep­te in Gro­ß­städ­ten zei­gen. So plant die die Deut­sche Bahn kom­men­des Jahr Bahn­hö­fe für mo­bi­les und agi­les Ar­bei­ten be­reit­zu­stel­len. Die­ses Kon­zept ist auch für klei­ne­re Städ­te und Ge­mein­den denk­bar. Die Nut­zung von Bahn­hö­fen, Kin­der­gär­ten oder Ver­eins­hei­men könn­te für Krea­ti­ve, Selbst­stän­di­ge und Frei­be­ruf­ler mög­lich ge­macht wer­den und at­trak­ti­ve Ar­beits­be­din­gun­gen in der Re­gi­on schaffen.

Stadt und Ge­mein­de im länd­li­chen Raum ge­win­nen tat­säch­lich im­mer mehr an Be­deu­tung als Ver­sor­gungs- und Ar­beits­markt­zen­tren – al­so als re­gio­na­le Ent­wick­lungs­zen­tren mit so­zia­len und in­te­gra­ti­ven Le­bens­kon­zep­ten. Zu die­sem Er­geb­nis kommt auch die Stu­die „Grea­ter Mu­nich. Im­mo­bi­li­en­markt-Be­richt 2018/2019“ von bul­wi­en­ge­sa und eh­ret+klein, die sich mit In­ves­ti­ti­ons­po­ten­zia­len und Be­ga­bun­gen von Städ­ten und Ge­mein­den in der Me­tro­pol­re­gi­on Mün­chen be­schäf­tigt. Zu be­zie­hen ist die 180-sei­ti­ge Stu­die bei k.​kruppok@​ehret-​klein.​de ge­gen ei­ne Schutz­ge­bühr von 250 €.

Der Autor
Quelle: Ehret + Klein Real Estate Competence GmbH
Michael Ehret
Geschäftsführender Gesellschafter
ehret + klein GmbH
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