23.11.2018
Yvonne Traxel

Immobilien-Dialog im Düsseldorfer Rathaus

Wirtschaftsraum Düsseldorf: Modern bauen heißt auch, die Eigenheit der Quartiere aufzugreifen!

Der diesjährige Immobilien-Dialog Wirtschaftsraum Düsseldorf war wieder sehr gut besucht. Oberbürgermeister Thomas Geisel erläuterte den Teilnehmern in seinem Vortrag die baulichen Perspektiven und kulturellen Highlights des „blaugrünen Rings“.

Der Ring er­mög­licht es künf­tig, bis­her noch nicht ver­bun­de­ne Kul­tur­vier­tel ein­zu­bin­den und leich­ter zu­gäng­lich zu machen.

Vie­le Bei­trä­ge dreh­ten sich rund um die The­men Bau­en, Ar­chi­tek­tur und Pro­zes­se.  Das span­nen­de The­ma „Den­ken aus Nut­zer­sicht: Der Ar­chi­tekt wird über­flüs­sig, es le­be der De­si­gner“ er­ör­ter­ten Pe­ter Or­then von AL­HO Sys­tem­bau und Cas­par Schmitz-Mor­kra­mer. AL­HO hält sich als se­ri­el­ler Mo­dul­bau­er an die Stan­dards des in­dus­tri­el­len Bau­ens und kann schnel­ler und fle­xi­bler bau­en als es im kon­ven­tio­nel­len Bau mög­lich ist. „Wir er­fin­den das Rad nicht je­des Mal neu, wenn ein­mal die Grund­platt­form be­steht“, er­läu­ter­te Or­then. Das be­deu­tet, dass er grds. auch oh­ne Ar­chi­tek­ten auskommt.

Schmitz-Mor­kra­mer vom Ar­chi­tek­tur­bü­ro mey­er­schmitz­mor­kra­mer rhein ist je­doch über­zeugt, dass der Ar­chi­tekt Teil des Po­zes­ses für das se­ri­el­le Bau­en sein muss. Dem stimm­te Or­then zu und er­gänz­te: „Ar­chi­tek­tur, ob gut oder schlecht, ist oh­ne­hin kei­ne Fra­ge der Bau­wei­se, son­dern ei­ne Fra­ge der Zu­sam­men­ar­beit. Nur mit dem Bau­herrn ge­mein­sam lässt sich gu­te Qua­li­tät rea­li­sie­ren“. Vor al­lem der Woh­nungs­bau bringt heut­zu­ta­ge lei­der we­ni­ger gu­te Ar­chi­tek­tur her­vor, weil die Nach­fra­ge sehr viel grö­ßer als das An­ge­bot und der Qua­li­täts­druck da­mit gleich null ist. „Um Ge­bäu­de ge­ne­rell at­trak­ti­ver für die Städ­te zu ma­chen, ist es von Be­deu­tung, das Erd­ge­schoss für die Bür­ger öf­fent­lich zu­gäng­lich zu ma­chen, das wirkt freund­lich!“ so die Emp­feh­lung von Schmitz-Mor­kra­mer. Es dür­fe zu­dem nicht sein, dass der In­nen­be­reich durch schi­ckes De­sign glänzt, wäh­rend die Au­ßen­fas­sa­de häu­fig mo­no­ton und lang­wei­lig wirkt.

Dass das Bau­en zu­künf­tig sehr viel mo­der­ner wird, er­fuh­ren die Teil­neh­mer von Dr. Sig­rid Brell-Cokcan, Pro­fes­so­rin an dem von ihr 2015 neu ge­grün­de­ten Lehr­stuhl für in­di­vi­dua­li­sier­te Ge­bäu­de­pro­duk­ti­on. Sie be­schäf­tigt For­scher aus ver­schie­de­nen Be­rei­chen der Ro­bo­tik und Ge­bäu­de­pro­duk­ti­on. Mit­hil­fe von Ro­bo­tern und di­gi­ta­ler Bau­ma­schi­nen wer­den die Pro­zes­se zu­künf­tig ent­lang der ge­sam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te bes­ser ko­or­di­niert und in Echt­zeit an die Bau­pla­nung an­ge­passt. Bis da­hin ist es al­ler­dings, auch aus Da­ten­schutz­grün­den, noch ein wei­ter Weg.

Um Pro­zes­se dreh­te sich auch der Vor­trag der Bau­bei­ge­ord­ne­ten Cor­ne­lia Zu­sch­ke der Stadt Düs­sel­dorf. Sie stell­te das städ­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­kon­zept "Raum­werk D" vor, das mit Be­tei­li­gung der Bür­ger wäh­rend des ge­sam­ten Pro­zes­ses ent­wi­ckelt wird. Das hat den Vor­teil, dass Ängs­te ge­nom­men wer­den und die Quar­tie­re et­was an ih­re Bür­ger zu­rück­ge­ben. Da­her rät sie al­len Ent­wick­lern in Düs­sel­dorf: „Die Dich­te ist un­se­re Ge­ne­tik, eben­so die Durch­mi­schung. Ach­ten Sie auf die Ver­fasst­heit der ein­zel­nen Or­te, das macht das Quar­tier aus!“

Zum Zeit­punkt der Pla­nung ei­nes Grund­stücks ist es für Pro­jekt­ent­wick­ler zu­nächst ein­mal wich­tig, ma­xi­mal fle­xi­bel zu sein, wenn es um die Bü­ro­nut­zung geht. Denn das ent­ste­hen­de Ge­bäu­de soll­te für mög­lichst vie­le Nut­zer pas­sen. Das gilt zu­min­dest für Tra­der-De­ve­l­oper, die ih­re Im­mo­bi­lie an in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren wei­ter­ver­äu­ßern. Steht der Nut­zer be­reits fest, wie es bei De­loit­te in Düs­sel­dorf der Fall ist, kann schon früh auf die Be­dar­fe re­agiert wer­den. Um im „war of ta­lents“ zu ge­win­nen, spie­len  Auf­ent­halts­be­rei­che wie z. B. Food Courts, ei­ne im­mer wich­ti­ge­re Rol­le. Der Mit­ar­bei­ter soll sich wohl füh­len und ei­ne wohn­li­che At­mo­sphä­re er­le­ben. „De­loit­te lässt sich das ei­ni­ges kos­ten, denn mit Open Space spart man kei­ne Flä­che“, be­ton­te Frank Boh­l­an­der von der Quan­tum Pro­jekt­ent­wick­lung, der die neu­en Bü­ro­flä­chen am ehe­ma­li­gen Stra­ßen­ver­kehrs­amt ent­wi­ckelt. Doch die Rea­li­tät in der deut­schen Bü­ro­land­schaft sieht oft an­ders aus. „Nicht je­der kann sich ein mo­der­nes Bü­ro leis­ten“, er­läu­ter­te Ralf Nig­ge­mann von De­ve­lop­ment Part­ner. Ge­baut wird eben häu­fig noch kon­ven­tio­nell mit Kom­bi- und Zel­len­bü­ros. Und schlie­ß­lich va­ri­ie­ren die Wün­sche je nach Bran­che so­wie­so. Ein ein­heit­li­cher Trend ist da­her nicht erkennbar.

Mo­bi­li­täts- und Stadt­pla­nung ge­hö­ren im­mer zu­sam­men, das wur­de im in­te­grier­ten Mo­bli­täts­kon­zept 2030+ der Stadt Düs­sel­dorf deut­lich. Da­zu zäh­len, in­ner­städ­ti­sche Lo­gis­tik neu zu den­ken und den ÖPNV zu stär­ken. Tho­mas Vie­ten von der IHK Düs­sel­dorf ist op­ti­mis­tisch, dass Lö­sun­gen wie das Mi­kro­de­pot von UPS in Ham­burg sich auf die Stadt Düs­sel­dorf über­tra­gen lassen.

Kris­ti­an Skov­bak­ke Vil­lad­sen vom re­nom­mier­ten Ar­chi­tek­tur­bü­ro GEHL be­schäf­tigt sich in­ten­siv mit grü­ner Mo­bi­li­tät und Mo­bi­li­tät der Zu­kunft. Er hält ein Kon­zept wie "Raum­werk D" al­lei­ne nicht für aus­rei­chend und emp­fiehlt der Lan­des­haupt­stadt: „You need a vi­si­on to chan­ge your ci­ty!“ An­hand ei­ni­ger in­ter­na­tio­na­ler Pra­xis­bei­spie­le zeig­te er den Teil­neh­mern, wie sich die Vi­si­on ei­ner fahr­rad- und bür­ger­freund­li­chen Stadt über­set­zen lässt. Ein gu­ter An­fang! Auch für al­le, die nach ei­nem kennt­nis­rei­chen Tag den ers­ten Glüh­wein auf dem an­schlie­ßend er­öff­ne­ten Weih­nachts­markt trin­ken wollten.

 

Das Event zum Thema
Die Autorin
Heuer Dialog GmbH
Yvonne Traxel
Senior Projektleiterin
Heuer Dialog GmbH
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