16.11.2018
André Stromeyer

Handels-Dialog Bayern 2019

Der Mieter im Fokus

Die neue Studie „Der Mieter im Fokus“, welche von der ILG und der HBB in Auftrag gegeben wurde, beschäftigt sich mit den aktuellen Rahmendaten des stationären Einzelhandels und dessen Einflussfaktoren.

Die Gastronomie als „neuer Ankermieter“  wird in der Studie besonders beleuchtet.

Die Rahmenbedingungen sind nach wie vor gut. Eine niedrige und weiterhin sinkende Arbeitslosigkeit, steigende Einkommen und eine stabile Wirtschaft sorgen auch dieses Jahr wieder für ein Umsatzwachstum im Einzelhandel. Für 2018 wird eine Steigerung um 2% auf 523 Mrd. Euro erwartet. Allerdings wird auch der Onlinehandel seine Umsätze um voraussichtlich 10,2% auf 53,4 Mrd. Euro steigern.

Das Einkaufen ist mittlerweile eine Freizeitbeschäftigung, die mit anderen Angeboten konkurriert. Daher wird der Erlebniseinkauf immer wichtiger. Der stationäre Einzelhandel muss Erlebnis- und Begegnungsort sein und Freizeiterlebnis in einem ansprechenden Ambiente bieten.

Pop-up-Stores von innovativen bzw. neuen Konzepten – auch immer mehr Online-Händler wollen offline präsent sein – bieten den Kunden ein Neuheitserlebnis und können eine hohe Anziehungskraft entwickeln.

Gut informierte Mitarbeiter in stationären Geschäften werden dabei immer wichtiger, jedoch müssen sie dem Kunden einen Mehrwert bieten, um als kompetente Ansprechpartner wahrgenommen zu werden.

Auch die Digitalisierung der Standorte wird zum bedeutenden Erfolgsfaktor: United Commerce, die Verbindung sämtlicher Kanäle in Echtzeit, ist die Zukunft! Dem Kunden wird hierbei ein über alle Kanäle ganzheitliches Einkaufserlebnis geboten.

Der Megatrend „Individualisierung“ wird zudem eine immer wichtigere Rolle im Sortimentsmix der Händler spielen. Kunden wollen sich von der Masse abheben und erwarten daher individuelle, auf sie zugeschnittene Produkte.

Neben den vorgenannten Punkten kann insbesondere die Integration von Gastronomie einen herausragenden Beitrag leisten. Gastronomische Angebote sollten eine attraktivitätssteigernde  Ausstrahlung für die gesamte Einzelhandelsimmobilie haben und dadurch die Anziehungskraft erhöhen. Diese dienen zudem dazu, die Verweilqualität und die Verweildauer zu erhöhen. Die Kunden erwarten dazu ein breites Angebot in einem modernen Ambiente.

Der Umsatz in der Gastronomie in Deutschland ist zwischen 2007 und 2017 um fast 38% gestiegen und beträgt mittlerweile ca. 53,9 Mrd. Euro.

Die Anzahl der Gastronomiebetriebe geht allerdings nicht mit dem Wachstum einher, sondern sinkt sogar. Dies ist Folge eines Strukturwandels, in dem immer mehr kleine inhabergeführte Konzepte aufgeben und sich stattdessen systemgastronomische Angebote weiter ausweiten. Somit sinkt zwar die Anzahl der gastronomischen Einrichtungen insgesamt, aber das Umsatzvolumen wächst.

Im europäischen Vergleich hat der deutsche Markt im Außer-Haus-Konsum allerdings noch Entwicklungspotential.

Auch wenn die Expansion in Deutschland von hohen Lohnkosten und strengen regulatorischen Vorgaben gebremst wird, ist mit einer weiteren Zunahme von Filial-Konzepten in den nächsten Jahren zu rechnen. Auch in diesem Jahr sind in Deutschland neue Konzepte an den Markt gegangen, z.B. Prét A Manger und Costa Coffee.

Lag der durchschnittliche Anteil von Gastronomie in Einkaufscentern bei ca. 7%, steigt dieser kontinuierlich an und beträgt bei Neubaucentern mittlerweile bis zu 20%.

In fachmarktorientierten Lagen gewinnen großflächige Konzepte mit eigener Anziehungskraft immer mehr an Bedeutung, wobei in klassischen Fachmarktcentern der Gastronomieanteil geringer ist, als in Einkaufscentern. Je hybrider und größer ein Fachmarktzentrum ist, desto eher werden Gastronomieangebote in einem Foodcourt gebündelt. 

Auch in der Gastronomie spielt die schon genannte Individualisierung eine größer werdende Rolle, so gibt es z.B. Konzepte, bei denen sich der Kunde seinen Burger individuell belegen lassen kann.

Themen wie ökologische und nachhaltige Ernährung, Regionalität, weniger Verschwendung von Lebensmitteln, eine artgerechte Tierhaltung werden für die Verbraucher immer wichtiger. Bei Farm-to-table, wird z.B. Gemüse durch ein Vertical-Farming-System vor Ort angebaut und vom Kunden konsumiert.

Die Digitalisierung schreitet auch in der Gastronomie weiter voran. So wickeln immer mehr Filial-Konzepte Bestell- und Bezahlvorgänge über Bildschirme oder Apps ab.

Das gastronomische Angebot in den Centern muss grundsätzlich auf das Einzugsgebiet und den jeweiligen Standort individuell abgestimmt sein, um die beschriebenen Ziele erreichen zu können und somit einen echten Mehrwert zu liefern.

Weitere Details und die Erwartungen der Händler werden Herr Lauerbach von der ILG und ich auf dem Handels-Dialog Bayern erläutern.

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Der Autor
André Stromeyer
Geschäftsführer